Hamburg

Collien Fernandes trotz Morddrohungen bei Demo: „Männer wollen mich killen“

Tausende demonstrieren in Hamburg gegen sexualisierte Gewalt. Der bewegende Auftritt der Moderatorin sorgt für große Aufmerksamkeit.

Author - Tobias Esters
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Sichtlich bewegt: Collien Fernandes spricht bei der Demo über die Morddrohungen gegen sie.
Sichtlich bewegt: Collien Fernandes spricht bei der Demo über die Morddrohungen gegen sie.Marcus Brandt/dpa

Großer Andrang auf dem Rathausmarkt in Hamburg! Am Donnerstagabend versammeln sich Tausende Menschen, um gegen sexualisierte Gewalt zu demonstrieren. Auslöser ist der aktuell viel diskutierte Fall rund um die Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes – die am Ende selbst überraschend auf der Bühne steht.

Emotionale Worte auf der Bühne

Bei einem kurzen Auftritt sagte sie: „Ich stehe hier mit schusssicherer Weste unter Polizeischutz, weil ich Morddrohungen bekomme.“ Immer wieder muss sie abbrechen, ihre Stimme stockt. Dann fügt sie hinzu: „Weil Männer, zu einhundert Prozent Männer, mich killen wollen.“ Morddrohungen seien auch der Grund gewesen, warum sie ursprünglich gar nicht an der Demonstration teilnehmen wollte. Unter dem Applaus der Menge rief sie: „Lasst uns alle zusammen die Mauern des Schweigens einreißen.“

Wie viele Menschen genau vor Ort waren, darüber gehen die Angaben auseinander. Während die Veranstaltenden von rund 22.000 Teilnehmenden sprechen, zählt die Polizei etwa 17.000.

Klare Botschaft auf der Demo: Eine Teilnehmerin zeigt ihre Unterstützung für Collien Fernandes.
Klare Botschaft auf der Demo: Eine Teilnehmerin zeigt ihre Unterstützung für Collien Fernandes.Georg Wendt/dpa

Die Politik hat bereits reagiert. Die EU verschärft ihr Vorgehen gegen Porno-Deepfakes und sexualisierte KI-Inhalte. Das Europäische Parlament in Brüssel hat am Donnerstag für strengere Regeln gestimmt. Künftig sollen bestimmte KI-Anwendungen verboten sein, wenn sie ohne Zustimmung der betroffenen Personen intime oder manipulierte Bilder und Videos erzeugen.

Bereits im Mai 2024 hatte die EU eine Richtlinie beschlossen, die die Verbreitung solcher Inhalte ohne Einwilligung – auch in Form von Deepfakes – als strafbare Cybergewalt einstuft. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, diese Vorgaben bis Mitte Juni 2027 in nationales Recht zu überführen.

Deutschland plant schärfere Gesetze gegen Deepfakes

Auch in Deutschland wird bereits an schärferen Gesetzen gearbeitet. Die Bundesregierung plant eine Anpassung des Strafgesetzbuchs, durch die sowohl die Erstellung als auch die Verbreitung von Nacktaufnahmen und KI-veränderten Inhalten ohne Zustimmung künftig strafbar sein sollen.

Im Zentrum der Debatte stehen Vorwürfe von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Partner Christian Ulmen. Ein Bericht des Magazins „Der Spiegel“ hatte diese öffentlich gemacht. Der Anwalt von Ulmen weist die Anschuldigungen zurück und spricht von unzulässiger Verdachtsberichterstattung. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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