Der Angriffskrieg der USA und Israels auf den Iran hat immer größere Folgen für den Sprit- und Kerosinpreis. Nicht nur Autofahrer müssen an den Tankstellen spürbar tiefer in die Tasche greifen, sondern auch Flugreisende.
Ticketpreise werden erhöht, Strecken gestrichen
Fluggesellschaften denken demnach darüber nach, Ticketpreise zu erhöhen, Strecken zu streichen oder alte Maschinen vorzeitig aus dem Verkehr zu ziehen. Das geht aus Anfragen des Berliner KURIER an die deutschen Fluggesellschaften Lufthansa und Condor hervor.
Steigende Kerosinkosten wirken sich auf Tickets aus
„Weil das geopolitische Umfeld weiterhin sehr volatil ist und von kurzfristigen Veränderungen sowie Marktschwankungen geprägt ist, können sich die Ticketpreise weiter erhöhen“, sagt Lufthansa-Pressesprecher Michael Lamberty. Derzeit stelle er aber eine „unverändert hohe Nachfrage nach Reisen“ fest, „obwohl bereits Ticketpreiserhöhungen durchgeführt werden mussten“.
Ähnlich äußert sich Condor zu möglichen Preiserhöhungen bei Tickets angesichts der angespannten Lage im Nahen Osten. „Vor dem Hintergrund dieser dynamischen Entwicklungen antizipieren wir, dass steigende Energiekosten sich künftig auch in steigenden Ticketpreisen widerspiegeln“, sagt Condor-Pressesprecherin Veronika Meyer.

Lufthansa will alte Flugzeuge vorzeitig ausmustern
Die Maßnahmen der Gesellschaften, um die steigenden Kosten und die zunehmende Unsicherheit am Markt aufzufangen, sind damit noch nicht beendet – und könnten weitreichende Folgen für Reisende haben. Wie es von der Lufthansa heißt, könnten unprofitable Strecken gestrichen und ältere Flugzeuge vorzeitig ausgemustert werden.
„In einem Szenario würde die konzernweite Kapazität um 2,5 Prozent reduziert, was der Stilllegung von rund 20 Flugzeugen entspräche; ein weiteres Szenario sähe eine Kapazitätsreduktion von fünf Prozent und die Stilllegung von 40 Flugzeugen vor“, kündigt Lamberty an.
Condor kündigt weitere Maßnahmen an
Zugleich betont er, dass „vorrangig ältere, treibstoffintensive Muster“ betroffen wären. Diese Maschinen stünden „ohnehin kurz vor der Ausmusterung“. Aus Sicht des Unternehmens sei das eine „Vorsorgemaßnahme“.
Auch Condor schließt weitere Maßnahmen nicht aus. Auf KURIER-Nachfrage sagt Meyer: „Die weitere Entwicklung hängt jedoch stark von Dauer und Intensität der geopolitischen Lage sowie den langfristigen Auswirkungen auf die Energiemärkte ab.“
Weil das geopolitische Umfeld weiterhin sehr volatil ist und von kurzfristigen Veränderungen sowie Marktschwankungen geprägt ist, können sich die Ticketpreise weiter erhöhen.
Kerosinbedarf für das Jahr 2026 ist gut gedeckt
Die Fluggesellschaften sind derzeit stark vom Krieg im Iran betroffen, auch wenn sich beide Seiten für die kommenden Wochen und Monate gerüstet sehen. „Der Kerosinbedarf für die Lufthansa Group für das Jahr 2026 ist zu rund 80 Prozent abgesichert. Für das Jahr 2027 zu rund 40 Prozent – beides zu einem Vorkrisen-Preisniveau“, sagt Lamberty. Derzeit sehe man keine Kerosinknappheit an den Drehkreuzen der Lufthansa.
Und Meyer erklärt: „Wie viele andere Airlines verfügt auch Condor über ein marktübliches Hedging-Programm (strukturierte Strategie zur Absicherung von Finanzrisiken, Anm. d. Red.), wodurch sich kurzfristige Preisschwankungen nur begrenzt auf die Kostenstruktur auswirken.“
Nachfrage nach Reisen ist weiter groß
Ungeachtet der steigenden Preise verzeichnen die Fluggesellschaften weiter eine hohe Nachfrage nach Reisen ins Ausland. „Wir verzeichnen eine deutlich steigende Bereitschaft zu frühzeitigen Reservierungen. Insbesondere europäische Städte- und Strandziele sowie unsere Direktverbindungen nach Asien und Afrika erfreuen sich derzeit einer starken Nachfrage“, erklärt Meyer.




