TV-Talk bei Miosga

Fernandes spricht bei „Caren Miosga“ über Gewalt und Behördenversagen

Nach schweren Vorwürfen gegen ihren Ex-Partner spricht die Moderatorin erstmals im TV über digitale Gewalt und Behördenversagen und fordert härtere Gesetze.

Author - Tobias Esters
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Collien Fernandes fordert härtere Gesetze gegen digitale Gewalt und mehr Unterstützung für Betroffene.
Collien Fernandes fordert härtere Gesetze gegen digitale Gewalt und mehr Unterstützung für Betroffene.Claudius Pflug/NDR/dpa

Zum ersten Mal seit ihren schweren Vorwürfen gegen Ex-Mann Christian Ulmen ist Collien Fernandes in eine Talk-Show gegangen. In der ARD-Sendung „Caren Miosga“ sprach sie offen über digitale Gewalt und ihre eigenen Erfahrungen.

Schwere Vorwürfe und klare Forderungen

Fernandes machte in der Sendung klar, dass Betroffene in Deutschland oft nicht ausreichend geschützt sind. Sie fordert härtere Strafen für Täter und mehr Sensibilität bei Behörden. Es brauche außerdem „Schulungen für die Menschen, die die Anzeige entgegennehmen“, sagte sie. Auch an Schulen müsse mehr Aufklärung stattfinden.

Der Hintergrund ihres Auftritts sind massive Vorwürfe gegen ihren Ex-Partner Christian Ulmen. Fernandes wirft ihm vor, Fake-Profile in ihrem Namen erstellt und darüber pornografische Inhalte verbreitet zu haben. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt kündigte an, gegen die „initiale Berichterstattung“ des „Spiegels“ gerichtliche Schritte einzuleiten.

Fernandes schilderte im Gespräch mit Miosga, wie die mutmaßlichen Taten abgelaufen sein sollen. Über gefälschte Accounts und E-Mail-Adressen in ihrem Namen seien Kontakte zu Männern aufgebaut worden. „Dann ging das oft über in die E-Mail-Kommunikation. Dafür wurden eben E-Mail-Adressen mit meinem Namen angelegt. Und dann wurde es immer flirtiver. Irgendwann kamen Sex-Videos, irgendwann kamen Nacktbilder und teilweise gab es auch Telefonsex.“

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig spricht in der ARD-Talkshow über besseren Schutz für Frauen und fordert eine stärkere gesellschaftliche Debatte.
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig spricht in der ARD-Talkshow über besseren Schutz für Frauen und fordert eine stärkere gesellschaftliche Debatte.Claudius Pflug/NDR/dpa

Fernandes sieht deutliche Lücken in der aktuellen Gesetzeslage. Ihrer Meinung nach wird nicht alles ausreichend erfasst. Sie fordert, dass die Verbreitung heimlich gemachter intimer Aufnahmen und auch Deepfakes stärker verfolgt werden. Gleichzeitig gebe es Fälle, in denen echte Bilder missbraucht werden, ohne dass das klar geregelt sei.

Auch ihre Erfahrungen mit Behörden schilderte sie kritisch. Anzeigen würden oft im Sande verlaufen. Verfahren würden eingestellt, berichtete sie unter Berufung auf Gespräche mit anderen Betroffenen und Anwältinnen.

Betroffene kämpfen oft lange mit sich selbst

Sie machte deutlich, wie schwer es für Betroffene ist, überhaupt zur Polizei zu gehen. „Niemand sagt: ‚Ich gehe zur Polizei‘ und geht am nächsten Tag los.“ Umso wichtiger sei es, wie man dort behandelt werde.

Kurz vor der Sendung meldete sich Fernandes auch bei Instagram. Es gehe ihr aktuell nicht immer gut, schrieb sie. Die Situation sei ein „emotionales Auf und Ab“. Gleichzeitig zeigte sie sich erleichtert, dass die Debatte an Fahrt aufgenommen habe.

Ministerin fordert mehr Unterstützung für Betroffene

Auch Bundesjustizministerin Stefanie Hubig äußerte sich in der Sendung. Zu den konkreten Vorwürfen wollte sie nichts sagen. „Ich bin Justizministerin. Wir haben eine unabhängige Justiz.“

Sie forderte aber eine stärkere gesellschaftliche Debatte über sexualisierte Gewalt. Betroffene müssten mehr Unterstützung erfahren. „Nein, kein Mann hat das Recht, übergriffig zu werden und Gewalt auszuüben gegenüber einer Frau. Und es ist nicht die Schuld der Frau, und sie muss sich auch nicht dafür schämen.“ Eine Klarnamenpflicht im Internet lehnt Hubig weiterhin ab. Viele Menschen seien auf Anonymität angewiesen.

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