Was ist nur aus der „wahren Liebe“ und dem Versprechen „bis, dass der Tod uns scheidet“ geworden? Heute stolpert man ständig über neue Beziehungsmodelle: Polyamorie, Polygamie, offene Beziehung und was es sonst noch alles gibt. Bei manchen Begriffen musste ich erst einmal googeln, was sie überhaupt bedeuten. Ehrlich gesagt erschreckt mich, wie kompliziert und beliebig Liebe inzwischen geworden ist.
Heute gibt es zahlreiche neumoderne Partnerschaftsmodelle
Mein Gott, bin ich froh, dass ich eine scheinbar nicht mehr ganz so normale Partnerschaft führe. Ich liebe die Monogamie. Für mich bedeutet Liebe, sich bewusst für einen Menschen zu entscheiden und zwar jeden Tag aufs Neue. Und nicht mit einem Auge schon nach der nächsten Möglichkeit zu schielen.

Natürlich soll jeder leben, wie er möchte. Wer mit mehreren Menschen gleichzeitig eine Beziehung führen oder sich sexuelle Freiheiten nehmen möchte, darf das tun. Aber ich verstehe es einfach nicht.
Da gibt es die Polyamorie. Poly-was? Ja, diesen Quatsch muss man erst einmal verstehen. Bei der Polyamorie werden mehrere Liebesbeziehungen gleichzeitig geführt. Oder die offene Beziehung, in der zwei Menschen zwar fest zusammen sind, aber trotzdem mit anderen schlafen dürfen. Mal ganz ehrlich: Für mich klingt das eher nach Singleleben mit Sonderregeln als nach einer Partnerschaft.
Ein Freund lebt in einer polyamourösen Beziehung
Ein früherer Freund erzählte mir mal, dass er eine Frau kennengelernt hat, die schon seit Jahren in einer Partnerschaft ist. Die beiden dateten sich und sind später zusammengekommen. Ihren Freund hat die Frau dafür aber nicht verlassen. Stattdessen leben sie heute in einer polyamourösen Beziehung. Zwar liebt sie beide Männer und ist auch intim mit ihnen, dafür haben die Männer aber keine Liebesverbindung zueinander.

Ich frage mich ernsthaft: Wann haben wir verlernt, dass Liebe auch Verzicht bedeutet? Dass Treue eben nicht nur heißt, keinen anderen zu küssen, sondern sich bewusst gegen alle anderen zu entscheiden?
Würde mein Partner bei mir ankommen und eine Poly-Irgendwas-Beziehung führen wollen, würde ich ihn fragen, ob er nicht mehr alle Latten am Zaun hat. Mit so einem Beziehungswahnsinn und Kuddelmuddel will ich nichts zu tun haben. Vor allem aber würde es mich unheimlich verletzen.
Ich würde mich fragen, was ich meinem Partner nicht geben kann, das eine andere scheinbar in ihm auslöst. Ich denke, dass es den Menschen dabei hauptsächlich nur um den Kick geht. Um die Erlaubnis, flirten zu dürfen, Knutschen zu dürfen und sich ein paar Minuten Befriedigung zu verschaffen. Vielleicht brauchen sie auch einfach die Bestätigung, noch bei anderen Menschen landen zu können.
Dass sich unser Verständnis von Treue verändert, zeigen auch Umfragen. Laut Parship hielten 2018 noch 81 Prozent Fremdknutschen für Untreue. 2024 waren es nur noch 57 Prozent. Gleichzeitig ergab eine Playboy-Umfrage, dass jeder Vierte Deutsche schon einmal fremdgegangen ist. Mich machen solche Zahlen nachdenklich.
Wir haben vergessen, wie es ist, treu zu sein
Ich habe das Gefühl, dass Treue inzwischen fast altmodisch geworden ist. Statt Stolz darauf zu sein, einen Menschen gefunden zu haben, mit dem man durchs Leben gehen möchte, scheint heute ständig die Angst mitzuschwingen, irgendwo könnte noch etwas Besseres warten.



