Die nächste Rentenreform wird für viele schmerzhaft: länger arbeiten, mehr einzahlen, weniger rausbekommen. Genau in dieses Minenfeld platzt nun ausgerechnet der Deutsche Beamtenbund (dbb) mit warnenden Worten und klaren Forderungen. Der Tenor: So geht das nicht. Die Rente müsse auch künftig den Lebensstandard sichern. Klingt erstmal wie ein Satz, den jeder unterschreiben würde. Wäre da nicht ein kleines Detail: Beamte finanzieren die gesetzliche Rente gar nicht mit. Mitleid? Hält sich deshalb bei vielen – mich eingeschlossen – in sehr engen Grenzen.
Beamtenbund warnt vor höherem Rentenalter – doch die trifft es ganz anders
Ich bin Jahrgang 1994, zahle seit 2013 in die Rentenkasse ein – und weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich jemals das Gefühl haben werde, dass sich das lohnt. Wenn die aktuellen Pläne Realität werden, werde ich wohl bis mindestens 67 arbeiten, eher länger. Und das in einem System, bei dem schon heute klar ist: Es wird für meine Generation enger. Genau deshalb wirkt es so irritierend, wenn ausgerechnet eine Gruppe Alarm schlägt, die ganz anders abgesichert ist.
„Eine pauschale Erhöhung des Renteneintrittsalters lehnen wir ab. In vielen Berufen schaffen es die Kolleginnen und Kollegen gesundheitlich schon heute kaum bis zum regulären Renteneintritt“, sagt dbb-Chef Volker Geyer in einer aktuellen Pressemitteilung.

Das stimmt. Absolut sogar. Nur: Gemeint sind nicht die, die im Pflegeheim Nachtschichten schieben oder auf dem Bau kaputtgehen. Die müssen bis 67 – oder bald länger. Und zahlen bis dahin jeden Monat ein. Beamte hingegen finanzieren ihre Altersversorgung anders und gehen oft deutlich früher.
Können Beamte hier wirklich Kritik äußern?
Auch beim nächsten Punkt wird es schräg: Der dbb lehnt das sogenannte „schwedische Modell“ ab, weil dadurch die Lohnnebenkosten steigen könnten. „Die Lohnnebenkosten würden weiter erhöht. Für unsere Kolleginnen und Kollegen würde das also bedeuten, dass noch weniger netto vom brutto bleibt.“
Nur: Welche „Kolleginnen und Kollegen“ sind das genau? Beamte jedenfalls nicht – die zahlen keine Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung. Die Kritik trifft also vor allem die, die ohnehin schon belastet sind.
Beamte sollen draußenbleiben, doch genau das ist der Knackpunkt
Besonders zufrieden zeigt sich der dbb bei einer Empfehlung der Kommission: Beamte sollen weiter nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden. „Die Kommission hält eine Einbeziehung der Beamtinnen und Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung für nicht sinnvoll. Wie wir.“
Damit bleibt eines der größten Ungleichgewichte im System bestehen. Millionen Beschäftigte zahlen ein – rund fünf Millionen Beamte und Versorgungsempfänger nicht. Ihre Pensionen werden stattdessen aus Steuergeldern finanziert. Also auch von denen, die parallel ihre eigene Rente stemmen müssen.

Gleichzeitig fordert der dbb, Bund und Länder müssten verpflichtend für künftige Pensionen vorsorgen. „Die Kommission empfiehlt, dass Bund und Länder verpflichtend Vorsorge für zukünftige Pensionszahlungen treffen müssen. Wie wir.“ Die Botschaft dahinter ist klar: Das Problem ist erkannt – zahlen soll am Ende trotzdem die Allgemeinheit.


