Auch das noch

Zweitliga-Legende rechnet mit Hertha BSC ab

Nach der Pleite gegen Kaiserslautern wird für Simon Terodde ein blau-weißer Satz zum Aufreger – und ein Stadion zum Problem.

Author - Sebastian Schmitt
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Paul Seguin irritert mit seinen Aussagen nach der Niederlage gegen Kaiserslautern Sky-Experte Simon Terodde.
Paul Seguin irritert mit seinen Aussagen nach der Niederlage gegen Kaiserslautern Sky-Experte Simon Terodde.IMAGO/O.Behrendt

Hertha BSC verspielt mit dem 0:1 gegen Kaiserslautern wohl die letzte Chance auf den Aufstieg in die Bundesliga. Die Diskussion danach nimmt Fahrt auf – auch, weil Aussagen aus der Mannschaft für Verwunderung sorgen. Sky-Experte Simon Terodde reagiert deutlich und widerspricht öffentlich. Und plötzlich geht es nicht nur um ein Spiel, sondern um ein strukturelles Problem.

„Kein Druck?“ – Aussage sorgt für Wirbel

Hertha hat geliefert – zumindest auf dem Papier. 21 Schüsse, klare Dominanz, viel Ballbesitz. Und trotzdem steht am Ende wieder diese brutale Zahl: null Tore, null Punkte. Das 0:1 gegen Kaiserslautern trifft die Blau-Weißen ins Mark. Es ist nicht nur eine Niederlage, es ist ein Wirkungstreffer im Aufstiegsrennen der 2. Bundesliga. Einer, der den Traum von der Bundesliga-Rückkehr fast endgültig zerstört.

Die Reaktionen danach? Sie irritieren. Vor allem die Worte von Paul Seguin sorgen bei manchen für Stirnrunzeln. „Ich bin die letzten Spiele ohne Druck reingegangen, auch heute ohne Druck. Wir haben nichts zu verlieren gehabt“, sagt der Mittelfeldspieler. Ein Satz, der hängen bleibt. Und einer, der bei Simon Terodde sofort Alarm auslöst.

Terodde widerspricht Paul Seguin klar und deutlich

Der Sky-Experte, mit 177 Toren der erfolgreichste Zweitliga-Stürmer aller Zeiten, kann das nicht nachvollziehen. „Wenn ich das höre. Kein Druck. Ich habe den immer gebraucht, um bereit für diese Spiele zu sein“, sagt Terodde – und trifft damit einen Nerv. Denn genau dieser Druck ist es, der Spiele entscheidet. Gerade im Aufstiegsrennen. Gerade in solchen Momenten.

Ex-Stürmer Simon Terrode hatte auf Hertha BSC als Auftsteiger getippt und legt nach der Pleite gegen Kaiserslautern den Finger in blau-weiße Wunden.
Ex-Stürmer Simon Terrode hatte auf Hertha BSC als Auftsteiger getippt und legt nach der Pleite gegen Kaiserslautern den Finger in blau-weiße Wunden.IMAGO/Michael Taeger

Terodde geht noch weiter. Er stellt nicht nur einzelne Aussagen infrage, sondern das große Ganze. „Ich habe Hertha als Aufsteiger Nummer eins getippt und bin ein Stück weit selber enttäuscht über mich. Weil am Ende hat man gesehen, dass Hertha es nicht verdient hat.“ Ein hartes Urteil. Aber eines, das sich mit Blick auf die Saison kaum wegdiskutieren lässt.

Heimschwäche im Olympiastadion wird zum Thema

Denn die Zahlen sprechen gegen Hertha. Nur fünf Siege aus 15 Heimspielen im Olympiastadion. Zu wenig für ein Team, das hoch will. Viel zu wenig. Und genau hier setzt Terodde den nächsten Stich an. Das Olympiastadion wird zum Thema. Wieder einmal.

Fabian Reese und Hertha BSC werden auch in der kommenden Saison im Olympiastadion und wohl auch in der Zweiten Bundesliga spielen müssen.
Fabian Reese und Hertha BSC werden auch in der kommenden Saison im Olympiastadion und wohl auch in der Zweiten Bundesliga spielen müssen.IMAGO/O.Behrendt

„Das ist ein wunderschönes Stadion. Vor allem für das Pokalfinale“, sagt er. Doch im Zweitliga-Alltag fehle die Wucht. „Wenn du gegen Elversberg oder Münster spielst, kannst du da keine echte Atmosphäre entwickeln.“ Worte, die viele Fans schon lange denken.

Hertha-Porbleme: Mental, sportlich, strukturell

Selbst rund 50.000 Zuschauer können im weiten Rund verpuffen. Die Energie kommt nicht auf den Platz. Das spürt auch der Gegner. Und Hertha verliert genau die Prozentpunkte, die am Ende entscheiden. Terodde bringt es auf den Punkt: „Du brauchst über 34 Spieltage einen engen Hexenkessel. Da ist Hertha im Nachteil.“

Die Diskussion um ein neues Stadion bekommt damit neue Nahrung. Seit Jahren wird geplant, gerechnet, gestritten. Passiert ist wenig. Zu wenig für einen Klub, der zurück in die Bundesliga will.

Und so bleibt nach diesem Spiel mehr als nur Zweitliga-Frust. Es bleibt die Erkenntnis, dass Hertha nicht an einem Problem scheitert, sondern an mehreren. Mental, sportlich, strukturell. Das 0:1 gegen Kaiserslautern ist kein Ausrutscher. Es ist ein Symptom.