Hertha BSC

Leitl steht vor seinen härtesten Hertha-Wochen

Saisonausklang ohne Missklang. Vor Herthas Heimspiel gegen Holstein Kiel am Sonnabend ist Trainer Leitl nur noch Motivator und Moderator.

Author - Wolfgang Heise
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Cheftrainer Stefan Leitl von Hertha BSC muss in den nächsten Wochen viel grübeln, wie das Team für die neue Saison aussieht.
Cheftrainer Stefan Leitl von Hertha BSC muss in den nächsten Wochen viel grübeln, wie das Team für die neue Saison aussieht.IMAGO/Susanne Hübner

Der Aufstieg ist bei Hertha BSC abgehakt. Die Mannschaft wird es in der neuen Saison so nicht mehr geben. Jetzt kommen für Trainer Stefan Leitl die härtesten drei Wochen, seit er bei den Blau-Weißen ist. Das Heimspiel am Sonnabend (13 Uhr) gegen Holstein Kiel ist eines der letzten vier Saisonpartien um die goldene Ananas. Gleichzeitig muss der Coach scheibchenweise einigen Profis erklären, dass sie nächste Saison nicht mehr dabei sind.

Leitl: „60 Punkte sind das Ziel“

Leitl nimmt gerade zwei Rollen ein – als Motivator und Moderator. Für den gebürtigen Münchner ist das eine Aufgabe, bei der er viel Fingerspitzengefühl braucht. Sein Credo, um noch etwas Spannung aufzuhalten: „Vier Spiele, wir wollen alle gewinnen und am Ende 60 Punkte haben. Wir sind hier im Leistungssport, jeder Spieler hat eine hohe Verantwortung gegenüber dem Verein und den Fans.“

Doch hinter diesen Sätzen steckt viel mehr, als nur die Profis an der Berufsehre packen. Es geht schlichtweg darum, dass jeder einzelne auf dem Prüfstand steht. Leitl sagt das auch deutlich: „Wir werden keine Spielzeit verschenken. Wir sind im Leistungsbereich. Jeder Spieler hat von Montag bis Freitag die Chance, dem Trainerteam, dem sportlichen Leiter, unserem Geschäftsführer, unserem Kaderplaner zu zeigen, dass er spielen möchte.“

Teamcasting für die Saison 2026/27 hat begonnen

Das ist nicht nur eine Ansage für die restlichen Spieltage. Die Profis stehen unter Beobachtung mit der Frage: Können sie Hertha auch nächste Saison noch weiterhelfen? Es geht um das Casting für die Saison 2026/27.  Es wird harte Entscheidungen geben, auch bei einigen, die noch einen längerfristigen Vertrag haben. Für Spieler mit auslaufendem Vertrag ist das Arbeitsverhältnis am 30. Juni beendet. Doch offen kommuniziert hat es noch keiner.

Hertha-Trainer Stefan Leitl hätte Jay Brooks gerne spielen lassen, doch der Verteidiger war unglücklicher Dauerpatient.
Hertha-Trainer Stefan Leitl hätte Jay Brooks gerne spielen lassen, doch der Verteidiger war unglücklicher Dauerpatient.IMAGO/Sebastian Räppold/Matthias Koch

Für die Dauerverletzten Jay Brooks (33) und Diego Demme (34) gibt es keine Zukunft mehr. Leitl sagt zu Brooks: „Er trainiert gerade individuell, mehr kann ich nicht sagen. Er ist ein Spieler, der zwei Jahre nicht zur Verfügung stand. Das ist leider ein Fakt.“

Zum Routinier Demme, der sich nie richtig von zwei schweren Gehirnerschütterungen erholt hat, klingt die Aussage ähnlich: „Bei Diego sieht es wieder besser aus. Aber Demme ist momentan nicht in der Lage 90 Minuten zu spielen, von daher ist er kein Kandidat für die Startelf.“ Es sind nur zwei Beispiele, wie Leitl agiert, welche grundsätzliche Einstellung er hat: Bis zum Saisonende gehören alle Profis zur Mannschaft. Es gibt keine vorzeitigen Abschiede. Er kann keine schlechte Stimmung gebrauchen.

Stefan Leitl machte Wunderkind Kennet Eichhorn im Turbotempo zum Profi. Doch vieles deutet bei Hertha BSC auf den Verkauf des Ausnahmetalents hin.
Stefan Leitl machte Wunderkind Kennet Eichhorn im Turbotempo zum Profi. Doch vieles deutet bei Hertha BSC auf den Verkauf des Ausnahmetalents hin.IMAGO/Michael Taeger

Hertha muss Spieler verkaufen

Die Einschnitte werden hart werden. Das betrifft auch Stammspieler, die verkauft werden müssen. Hertha muss einen Transferüberschuss erwirtschaften, um finanziell überleben zu können. Wunderkind Kennet Eichhorn (16) ist so gut wie weg – er hat Angebote nicht nur aus der Bundesliga, sondern aus ganz Europa. Leitl sagt zu Eichhorns unglücklichen Rotsperre: „Kenny setzt jetzt zwei Spiele aus und dann hat er noch zwei Spiele für uns – in diesem Jahr.“ Die drei letzten Worte klingen wie schnell hinterher ergänzt, um nicht noch mehr Verkaufsgerüchte anzuheizen. Die Wahrheit: Hertha braucht das Geld.

Und Leitl braucht Siege. „Das wird schwer genug, weil wir nur noch gegen Teams spielen, bei denen es im Abstiegskampf noch um die Existenz geht.“ Kiel, Magdeburg, Fürth und Bielefeld haben noch echten Wettbewerb in der Liga, Hertha dagegen nur noch innerhalb der Mannschaft…