Alle halbe Jahre wieder. Sonntag um 11 Uhr steigt die Mitgliederversammlung bei Hertha BSC im CityCube auf dem Messegelände. Nach dem verpassten Aufstieg müssen sich jetzt Bosse ein paar Fragen gefallen lassen. Doch der brisanteste Tagesordnungspunkt ist die Wahl des Aufsichtsrats. Wer wird in dem Gremium neuer oder alter Boss?
13 Kandidaten für fünf Posten im Aufsichtsrat
Dr. Torsten-Jörn Klein (62) ist mit kurzer Unterbrechung seit 2018 Aufsichtsratsboss. Für anderthalb Jahre wurde er schon mal aus dem Amt gedrängt und der gescheiterte Klaus Brüggemann übernahm von Juni 2022 bis Oktober 2023 kurzzeitig. Obwohl der Aufsichtsrat bis zu fünf Mitglieder haben kann, ist das Gremium seit zweieinhalb Jahren nur mit drei Leuten besetzt: Dr. Klein, Ex-Profi Andreas Schmidt und Scott Körber.
13 Kandidaten gibt es bei der Wahl am Sonntag, die Anzahl überrascht nicht und auch nicht die Tatsache, dass einige Kandidaten sofort im ersten Wahldurchgang scheitern und keine erforderliche Stimmenmehrheit bekommen werden. Doch es gibt eine spannende Satzungsänderung. Der Aufsichtsrat bestimmt nach der Wahl nicht mehr selbst seinen Vorsitzenden, sondern die Mitglieder stimmen direkt im Saal über das Amt des Oberbosses an.

Kauermann will Dr. Klein entmachten
Und da wird es spannend: Neben Amtsinhaber Dr. Klein gibt es zwei weitere Kandidaten. Andreas Kurth (67), ein Journalist im Ruhestand, als Außenseiter und Hauptkonkurrent Tim Kauermann (41). Er war schon unter dem verstorbenen Präsidenten Kay Bernstein 2022 im Präsidium und hatte danach eine Spezialaufgabe als Sanierer des Vereins.
Der Finanzexperte heizte in den vergangenen Tagen den Wahlkampf an und ging auf Konfrontation zu Dr. Klein. In einem Kicker-Interview sagte Kauermann: „Wir reden hier ja nicht von einem Jahr der Fehlentwicklung, sondern von vielen, insofern finde ich die Frage nicht nur berechtigt, sondern halte die Antwort für eindeutig. Ich würde nicht für den Vorsitz antreten, wenn ich die Arbeit als ausreichend empfunden hätte.“
Die Thematik, dass Dr. Klein zu den Größenwahnsinnsjahren bis 2022 im Aufsichtsrat war, ist alt. Dr. Klein hatte das 2023 bei seiner Wiederwahl zum Vorsitzenden gesagt: „Mir ist bewusst, dass auch ich eine Mitverantwortung an unserer aktuellen problematischen Lage trage.“



