Vor einem Jahr haben nur noch wenige an ein Comeback von Jeremy Dudziak (30) bei Hertha BSC geglaubt. So schwer war seine Hüft-Operation im Januar 2025. Jetzt spielt der Deutsch-Tunesier wieder. Es ist das Dudziak-Wunder. Jetzt spricht der Mittelfeldspieler das erste Mal über seine lange Leidenszeit.
Dudziak: „Wollte mit Fußball nichts mehr zu tun haben“
Auf der Internetseite des Klubs äußert er sich schonungslos über sein Seelenleben: „Nach der OP gab es eine Zeit, in der ich gar nichts mit Fußball zu tun haben wollte. Die vielen Rückschläge, immer wieder aufstehen – irgendwann kommst du an einen Punkt, an dem du dich fragst: Für wen mache ich das eigentlich?“
Eine heftige Aussage, doch bei Dudziak muss man die Vorgeschichte kennen. Er kam im Sommer 2023 zu Hertha, hinter ihm lagen traumatische Erlebnisse wegen der Erdbebenkatastrophe in der Türkei im Februar 2023, als er dort bei Hatayspor gespielt hatte. Er wollte den kompletten Neuanfang in seinem Leben.

Bei den Blau-Weißen lief es auch erstmal gut. Stammspieler bis Oktober, dann erlitt er eine komplizierte Fußprellung. Er kämpfte sich zurück und war dann zum Saisonstart 2024/25 wieder Stammspieler. Doch nach nur zwei Spieltagen ging nichts mehr. Schmerzen in den Adduktoren. Seine Hüfte wurde im Januar operiert. Es sah nach Karriereende aus, zusätzlich lief sein Vertrag im Juni 2025 aus.
Dudziaks Frau brachte ihn zum Kämpfen
„Meine Frau hat mich daran erinnert, dass ich es für mich mache, nicht für eine Projektion, die andere von mir haben. Da ist etwas in mir umgesprungen, das war ein Schlüssel”, sagt Dudziak. Er kämpfte weiter, doch so einfach war das nicht: „Bei so einer langen Zeit gibt es Wellen: Phasenweise bist du komplett fokussiert. Dann merkst du, dass nichts passiert, und stellst dir irgendwelche Fragen. Was die Zeit mir gezeigt hat, ist, wie viel in mir steckt. Egal was passiert, egal welche Hindernisse vor mir liegen. Ich kann sie überwinden!“

Offiziell war Dudziak seit Juli 2025 nur noch Probespieler, trainierte erst bei der U23, spielte dort und war dann im Herbst wieder bei den Profis im Training. Erst im Oktober unterschrieb er einen neuen Vertrag. Trainer Stefan Leitl machte ihm die ganze Zeit Mut. Und das hat sich gelohnt.
Seit der Rückrunde spielt Dudziak wieder für Hertha in der Zweiten Liga und zeigt, was in ihm steckt. Beim 0:0 gegen Schalke im Januar feierte er nach nach knapp anderthalb Jahren sein Comeback. „Ich habe gar nicht damit gerechnet, reinzukommen”, war er da noch überrascht.
Dudziak wartet auf den ersten Startelf-Einsatz
Eine Woche später kam es noch besser. Dudziak machte den Ausgleichstreffer zum 2:2 in Karlsruhe. Der Edeltechniker: „Die Euphorie vom Tor habe ich mit nach Hause genommen, wo meine Frau sich unglaublich für mich gefreut hat, nachdem wir so eine schwere Zeit zusammen überstanden hatten.“



