Hertha BSC hat den Aufstieg in Paderborn nach einem desaströsen Auftritt verspielt und wird in die vierte Zweitliga-Saison in Folge gehen müssen. Ein personeller Umbruch steht bevor, der Team und wahrscheinlich auch die sportliche Führung betreffen wird. Viele Profis werden den Glauben verloren haben, mit Hertha zeitnah erstklassig spielen zu können.
Hertha kollabiert – und die Talente denken über Abschied nach
Nun wird es ständig Wechselgerüchte geben. Im Mittelpunkt: Supertalent Kennet Eichhorn, 16 Jahre jung und heftig von Spitzenklubs umworben. Von Bayern München und Eintracht Frankfurt ist die Rede – und neuerdings sogar von Real Madrid. Für Eichhorn stellt sich die Frage, mit wieviel Risiko ein Wechsel in solch jungen Jahren zu einem Großklub verbunden ist.

Es gibt einige Beispiele, wie es ehemaligen Hertha-Jungprofis ergangen ist, die keine Geduld hatten, länger in Berlin zu reifen und gleich den ganz großen Karriereschub wollten. Hany Mukhtar ging 2004/05 mit 19 Jahren zu Benfica Lissabon. Der Traditionsklub war eine Nummer zu groß für ihn. Erst über Umwege schaffte Mukhtar den Durchbruch und ist heute bei Nashville SC in der Major League Soccer (MLS) in den USA ein Star.
Eichhorn: 16 Jahre jung und plötzlich im Visier der Fußball-Giganten
Lazar Samardzic kehrte Hertha 2020 mit 18 Jahren den Rücken, musste eine Enttäuschung bei RB Leipzig verkraften, ehe er zur Stammkraft in Italiens Serie A reifte (Udinese und nun Atalanta Bergamo). Ibrahim Maza wechselte im Sommer 2025 als 19-Jähriger zu Bayer Leverkusen und schlug dort nach kurzer Eingewöhnungszeit voll ein, was ihm nicht jeder im Umfeld der Hertha zugetraut hatte.

Beim Stichwort Real Madrid und Eichhorn ist der einstige Herthaner Christopher Schorch der beste Zeitzeuge. Der talentierte Abwehrspieler aus Halle/Saale, kam 2004/05 vom Halleschen FC zu Hertha und zuerst bei den Amateuren zum Einsatz. Im Winter 2006/07 rückte er unter Cheftrainer Falko Götz zu den Profis auf und kam im März 2007 zu zwei Kurzeinsätzen in der Bundesliga. Insgesamt stand er im Blau-Weißen Trikot nur 17 Minuten in Liga eins auf dem Platz.
Trotz dieser sehr mageren Quote erreichte Hertha und Schorch im Juli 2007 ein sensationelles Angebot aus Spanien – tatsächlich von Real Madrid. Sportdirektor Predrag Mijatovic wollte Schorch haben, zuerst für das Farmteam Real Castilla, aber mit der Perspektive, zu den Profis aufzusteigen. Hertha bekam eine üppige Ablöse von einer Million Euro und für Schorch begann ein Fußball-Märchen mit allen Höhen und Tiefen.
Bayern, Frankfurt, Real: Wer macht das Rennen ums Mega-Talent?
Ein Anruf am Wochenende bei Schorch (heute 37), der als Geschäftsführer Sport beim West-Regionalligisten 1. FC Bocholt arbeitet. Schorch hatte natürlich vom angeblichen Interesse Reals an Eichhorn gehört. „Mein Wechsel damals mit 17 Jahren war absolut surreal“, sagte er mit dem Abstand vieler Jahre. „Ich war plötzlich von Weltstars umgeben, weil ich bei den Profis trainierte, mit Raul oder Sergio Ramos. Gespielt aber habe ich bei Castilla, also der Real-Reserve. Ich bekam ein riesiges Appartement zugewiesen und einen Audi Q7, obwohl ich noch keinen Führerschein besaß.“
Ex-Ossi bei Real: Schorch erzählt, wie riskant der Schritt sein kann
Schorch schaffte es trotz ordentlicher Leistungen nicht in die Profimannschaft von Real, auch wegen einiger Verletzungen. „Das fehlte mir schon, aber ich war immerhin der erste Ossi bei Real!“
Schorch sagte mit Blick auf Kennet Eichhorn: „Das hat alles zwei Seiten. Wenn ein Angebot von Real kommt, musst du es machen, aber bei Hertha weißt du, was du hast und dass du dort eine große Rolle spielen kannst. Das muss jeder selbst entscheiden.“


