Der morgendliche Blick in den Spiegel lässt Sie zweifeln, ob Ihr Lockdown-Speck nicht doch etwas überhand genommen hat? Finden Sie es heraus. IMAGO / agefotostock

Wer einen Body Mass Index (BMI) von über 25 aufweist, gilt als übergewichtig. Ab einem Wert von 30 spricht man sogar von schwerem Übergewicht oder Adipositas. Dann ist man wirklich zu dick! Wirklich? So einfach ist das nicht, warnen Forscher. Warum der BMI bestenfalls ein Gradmesser ist und wie Sie wirklich herausfinden, ob Sie zu dick sind – der KURIER erklärt’s.

BMI berechnen – so geht's

Der BMI ist für viele das Maß aller Dinge, um das eigene Gewicht richtig einzuschätzen. Um den eigenen BMI zu berechnen, benötigen Sie zwei Angaben: Ihr aktuelles Körpergewicht in Kilogramm und Ihre Körpergröße. Dann rechnet man mit einer einfachen Formel: BMI = Körpergewicht : (Körpergröße)²

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Das Ergebnis des berechneten BMI wird dann anhand einer Tabelle eingeordnet:

  • Unter 18,5: Untergewicht
  • 18,5 - 24,9: Normalgewicht
  • 25 - 29,9: Übergewicht/Präadipositas
  • 30 - 34,9: Adipositas (Fettleibigkeit) Grad I
  • 35 - 39,9: Adipositas Grad II
  • Über 40: Adipositas Grad III

Warum ist die Aussage des BMI nicht verlässlich?

Der BMI ist ein bewährter Gradmesser. Genau ist er aber nicht. Das hat verschiedene Gründe. Der wichtigste: Der BMI berücksichtigt nicht die Zusammensetzung des Körpergewichts und die Tatsache, dass Muskeln schwerer sind als Fettgewebe. Wer also kaum Sport macht, kann normalgewichtig sein und einen guten BMI ausweisen, während der Leistungssportler auf Grund der schweren Muskelmasse vielleicht bei gleichem Körperfettanteil schon als übergewichtig gilt. Dick ist er deshalb aber noch lange nicht.

Diese falsche Einschätzung des BMI ergibt sich auch bei sehr großen (über 190 cm) und kleinen Personen (unter 150 cm), warnt die Verbraucherzentrale. Nicht zuletzt erlaubt der BMI keine Aussage darüber, wie das Fett im Körper verteilt ist. Denn Fett ist nicht gleich Fett.

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Welche Methode eignet sich statt der Berechnung des BMIs, um herauszufinden, ob man abspecken sollte?

Wichtig ist, wie viel Bauchfett (Fachbegriff: viszerales Fett) Sie haben. Denn das begünstigt zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes – nicht das Körpergewicht an sich. Ein richtiger „Rettungsring“ ist deshalb kein gutes Zeichen. Messen Sie ihren Taillenumfang. Legen Sie dazu ein Maßband auf der Hälfte der Strecke zwischen oberem Hüftknochen und unterster Rippe an. „Eine viszerale Adipositas liegt vor bei Werten von mehr als 80 cm bei Frauen und mehr als 94 cm bei Männern“, erklärt die Verbraucherzentrale.

Bauchfett ist gefährlicher als Hüftgold, da sind sich Wissenschaftler mittlerweile sicher. IMAGO / McPHOTO

Oft zeigt auch schon ein Blick in den Spiegel, ob man an den richtigen oder falschen Stellen zu viel Fett angelagert hat. Denn das am Po oder den Hüften ist prinzipiell gar nicht so schlimm. Die Arten der Fettverteilung lassen sich mit der Form einer Birne und eines Apfels vergleichen. Eine Birne ist im unteren Bereich – hüftbetont – am dicksten, während sich beim Apfel der größte Umfang in der Mitte – bauchbetont – befindet. Als Faustregel gilt: Das Gesundheitsrisiko ist beim Apfeltyp höher als beim Birnentyp.

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Fürs Übergewicht gilt: Bauchfett muss weg, Hüftfett kann bleiben

Die Universität Regensburg hat in ihrer Studie Körperform und Body-Mass-Index gemeinsam untersucht. „Unsere Arbeit stellt ein wichtiges Puzzlestück zu der vieldiskutierten Frage dar, ob sich Hüftfett im Gegenteil zum Bauchfett direkt positiv auswirken kann: Die Daten deuten darauf hin, dass das tatsächlich der Fall ist“, erklärt Professor Dr. Iris Heid. „Wenn die Fettanlagerung an der Hüfte allerdings von einer Fettanlagerung am Bauch und einer Erhöhung des Taillenumfangs begleitet wird, ist eher die Erhöhung des BMI ausschlaggebend und kann die Entwicklung von Typ 2 Diabetes, koronaren Herzkrankheiten und Herzinfarkt negativ beeinflussen.“ Heißt im Klartext: Bauchfett muss weg, Hüftfett kann bleiben.