Timo Werner (r.) möchte nun auch den Henry-Dalauny stemmen wie vor wenigen Tagen den Henkelpott zusammen mit Kai Havertz.  Foto: imago/PRiME Media Images

Er gewann Europas Krone mit Chelsea. Doch in der Nationalelf bei Jogi Löw muss Timo Werner derzeit zurückstecken. Und er macht das offenbar mit Engelsgeduld. „Ich bin kein Spieler, der sich mit verschränkten Armen auf die Tribüne setzt und schmollt“, verspricht der 25-Jährige, der in dem Jahr zur Welt kam, als die Deutschen in London zum letzten Mal den Europameistertitel holten: 1996. 

Dorthin soll der Weg auch diesmal führen. Auch wenn der bei manch einem den Geduldsfaden strapazieren könnte. Schon bei einem 23er-Kader sind ja immer unzufriedene Reservisten dabei. Diesmal sind es noch drei Mann mehr und die dürfen ja nicht mal bei Spielen auf der Ersatzbank Platz nehmen, sondern werden immer auf die Tribüne aussortiert. 

Timo Werner macht sich keine Gedanken

Ficht Werner nicht an. Der präsentierte sich nach seinem ersten Jahr als Englandlegionär gelassen und humorvoll. Selbst die Frage nach seinen pinken Fußballschuhen, ließ er an sich abperlen. „Sie sind ja nicht von mir designt. Es gibt schlimmere. Sie sehen gut aus, dass man sie auch als Mann zwei, drei Monate tragen kann“, sagte der Blondschopf. Danach gäbe es eben wieder neue Designs.  

Um seine Rolle bei Löw macht er sich vorerst keine Gedanken. „Es ist im Moment so, dass ich hinten dran bin. Das ist auch nicht so schlimm“, sagte Werner. Diese Rolle als DFB-Joker will er zum Start der EM offensiv annehmen. „Wir haben ein brutales Überangebot an Spielern im Offensivbereich“, bemerkte Werner zur Konkurrenzsituation.

Jogi Löw im Gespräch mit Timo Werner. Ob er ihm da seine Rolle erklärt?  Foto: imago/Revierfoto

Werner zeigt sich ein Jahr nach seinem Wechsel auf die Insel selbstkritisch und kämpferisch zugleich. Das Jahr in London habe ihn auf jeden Fall vorangebracht.  Er habe sich weiterentwickelt und viel lernen können in der Premier League: „Es war nicht alles schlecht“, meinte Werner über sein Jahr mit vielen Hochs und Tiefs

Vor allem seine Hauptaufgabe, das Toreschießen, wurde dem Stürmer in der Öffentlichkeit angekreidet. Auf zwölf Treffer kam Werner in 52 Saisonspielen bei Chelsea. Eine Spielzeit zuvor mit RB Leipzig waren es satte 34 Buden in 45 Spielen gewesen. „Natürlich muss man selbstkritisch sein. Das eine oder andere Tor mehr hätte es sein müssen“, sagte Werner, der jetzt vor allem eins noch besser hinkriegen möchte: den Kopf auszuschalten.  „Wenn man zu viel denkt als Stürmer, blockiert man seinen Instinkt. Das war bei mir ein bisschen das Problem diese Saison“, so sein Fazit.

Er wolle nun bei Löw seine Flexibilität einbringen. Zuletzt in England habe es auch mit den Torvorbereitungen besser geklappt, warb er für sich. Er fühlt sich für alles bereit. Auch, um nach dem Henkelpott noch den Henry-Delauny in die Höhe stemmen zu können.