Kulttrainer Jürgen Bogs drückt seinem BFC Dynamo jetzt vermehrt aus der Ferne die Daumen. Patrick Skrzipek

Es gibt niemanden in Deutschland, der ihm diesen Titel streitig machen kann: Rekordmeister-Trainer. Zehnmal, von 1979 bis 1988, hat Jürgen Bogs den BFC Dynamo in der DDR zum Titel geführt und 1988 mit ihm das Double gewonnen. Das Herz des 74-Jährigen hängt noch immer an den Weinroten aus Hohenschönhausen. Er traut ihnen jede Menge zu, drückt kräftig die Daumen und sagt: „Der BFC in der 3. Liga – das wäre ein Traum.“

Einige Zeit hat der Kult-Trainer seinen Verein, bei dem er Ehrenmitglied ist, nicht mehr im Stadion erleben können. Einesteils lag das wie bei den meisten anderen an Corona („Kurz zuvor haben wir 2019 im Fernsehturm den 40. Jahrestag unseres ersten Meistertitels gefeiert“), andernteils am Umzug, denn Bogs hat seine Zelte in Marzahn abgebrochen. „Ich bin einige Tage im Monat in Schwedt, wo ich ja herkomme“, sagt er, „die anderen Tage bin ich in Warnemünde, wo ich jetzt eine Wohnung habe.“ Dort sieht er sich beim „kleinen“ Fußball um, beim SV Warnemünde, beim FC Rostock „und auch in Neubrandenburg bin ich, weil ich dort auch mal Trainer war“.

Bogs weiß, es braucht auch mal Glück

Was rund um die Weinroten passiert, verfolgt Bogs dennoch mit viel Interesse und mit noch mehr Sympathie. „Manche Siege fielen ziemlich souverän aus“, meint er, „manchmal muss auch das Glück ein wenig auf deiner Seite sein, wie vorige Woche beim 3:2 gegen die zweite Mannschaft von Hertha BSC, als Maurice Covic, der Sohn des dortigen Trainers, in der Nachspielzeit einen Elfmeter verschoss.“ Beim Nachholspiel gegen Germania Halberstadt, dem 2:0 am Sonntag, war der ehemalige Meistertrainer zwar nicht im Stadion, gefühlt aber immer dabei: „Die Halberstädter sind in meinen Augen eine Wundertüte, sie hatten davor ziemlich wilde Ergebnisse erzielt. Da ist dieser Sieg ganz schön wertvoll.“

Beeindruckend für Bogs ist die Torgefahr aus allen Reihen und mittlerweile 25 Treffer in neun Spielen. „Das ist ein Schnitt pro Spiel von fast drei“, staunt der Meistercoach, „das hat schon was.“ Die Qualität des Angriffs hat es ihm sowieso angetan: „Mit Christian Beck ist ein richtig guter Mann dazugekommen, und wenn Matthias Steinborn wieder dabei ist, geht vorn wahrscheinlich noch mehr die Post ab.“

Doch Bogs wäre nicht der alte Trainer-Fuchs, würde er nicht auch warnen. „Der Angriff ist das eine“, sagt er, „da geht durch die individuelle Klasse der Stürmer immer was. Aber man darf die Abwehr nicht vernachlässigen. Die ist zwar relativ kompakt, aber sie muss immer wieder stabilisiert werden und dich am besten durch das ganze Spieljahr tragen.“ Außerdem ist er ein Verfechter von Körperlichkeit und Ordnung. „Egal zu welcher Zeit, mit welchem System und mit welchem Trainer, Fitness und Disziplin sind immer das A und O, daran führt kein Weg vorbei.“

Am Ende wartet der Norderste

Die sensationell gute Ausgangsposition als Tabellenführer in der Regionalliga sieht Bogs als Ergebnis dessen und als Basis für eine vielversprechende Saison. „Die Chance, ganz vorn dabeizubleiben, sehe ich als realistisch an. Allerdings bedarf es dazu über das gesamte Spieljahr hinweg Kontinuität“, so der einstige Erfolgstrainer. Dabei hat Bogs bereits die Aufstiegsspiele im Hinterkopf, die der NOFV-Erste gegen den Nord-Meister bestreiten muss: „Gerade da sollte man topfit sein, und zwar auf die Minute.“

Zuerst aber müssen die Dynamos ihren Platz an der Tabellenspitze behaupten. „Eigentlich ist derzeit alles paletti“, ist Bogs sicher, „wenn es weiterhin so bleibt, habe ich keine Sorgen, dass es am Ende auch klappt.“ Dann sollte der Traum von der 3. Liga auch wahr werden.