Ohne ihn wären die Eisbären nicht die Eisbären, die sie sind. Erst Spieler, dann Trainer, Manager, Geschäftsführer und jetzt als Vice Chairman & Senior Advisor immer noch in der sportlichen Leitung des Klubs. An allen elf Meistertiteln des DEL-Rekordchampions entscheidend beteiligt. Am 2. Januar feiert Peter John Lee seinen 70. Geburtstag. Happy Birthday, Mister Eisbär!
Wo Lee die 70 Kerzen auf seiner Geburtstagstorte ausbläst, riecht es – wenn man so will – zumindest im Unterbewusstsein nach Schokolade. Denn dort, wo er mit seiner Frau Anke feiert, gossen bis zur Wende fleißige Frauen Reliefpralinen aus duftender Schokolade in die Formen. Vor einigen Jahren wurde die einstige Schokoladen-Fabrik „Elfe“ zu Lofts umgebaut. „Uns gefällt die Wohnung. Zudem muss ich nur über die Straße gehen und bin im Welli“, begründet der frühere Eisbären-Chef seinen Hang zur Historie.
Bloß gut, dass die Lees auswanderten
Als er vor genau 30 Jahren, kurz vor seinem 40. Geburtstag, im Dezember 1995 im Welli im Sportforum Hohenschönhausen die ersten Tore für die Eisbären schoss, konnte er nicht ahnen, „dass Berlin einmal meine Heimat wird. Wir fühlen uns hier wohl“. Der Eisbären-Oldie überlegt inzwischen sogar, einen deutschen Pass zu beantragen.

Bis jetzt besitzt Lee, im englischen Ellesmere geboren, neben dem kanadischen auch einen britischen Pass. Kanadier wurde Peter John schon als kleiner Junge. Als Vater Eric kurz nach Peters Geburt die Karriere als Fußballprofi (363 Spiele als Verteidiger für Chester) und englischer Nationalspieler (vier Einsätze) beendete, wanderten die Lees nach Kanada aus.
Da griff der Sohnemann, durch die Umgebung animiert, zunächst in Quebec natürlich lieber zum Eishockeyschläger als zu den Fußball-Töppen. Der kleine „Pete“ (sprich Piet) bewies damit den richtigen Riecher. In Ottawa entwickelte er sich zum Profi, ging danach bei den Pittsburgh Penguins in 450 NHL-Spielen auf Torejagd.
Lee ist auch in Düsseldorf Legende
Wir rücken bei unserem Gespräch die Stühle im Welli-Restaurant näher zusammen. Der einstige Eishockey-Star hat viel zu erzählen, von unheimlich schönen, aber auch ganz, ganz traurigen Tagen. Schon mehrfach musste Peter John schwere Schicksalsschläge meistern.
Nur wenige Jahre nach der Hochzeit verstarb Peters kanadische Frau. Der junge Vater stand mit seinen drei Söhnen allein da. Eishockey half ihm, darüber hinwegzukommen. Mit 27 Jahren sah er allerdings in Pittsburgh keine Perspektive mehr für sich. Deutschland und die Düsseldorfer EG reizten ihn.
Zunächst wirbelte er allein am Rhein. Ein Jahr später stieß Chris Valentin aus Washington in die damalige Eishalle an der Brehmstraße. Lee/Valentin bildeten dann das Duo Infernale der Bundesliga. Sie halfen kräftig mit, dass die Düsseldorfer gleich vier Meistertitel am Stück feiern konnten.
Berlin zog Lee magisch an
Trotzdem übte Berlin aber schon immer eine Anziehungskraft aus. Lee: „Wir sind von Düsseldorf zu den Spielen gegen die Preussen immer geflogen. Zufällig spielten wir zum Mauerfall auch in Berlin. Nach dem Spiel fuhren wir zum Brandenburger Tor. Ich erlebte dort die Emotionen. Es war ein gewaltiger Eindruck für mich.“

Es folgte sein Wechsel zu den Eisbären. Der studierte Business-Manager Lee kletterte nach seinem Einstieg als Spieler und Trainer auf der Karriere-Leiter nach oben und feierte mit dem EHC zwischen 2001 bis zum Jahresbeginn 2022 gute 20 Jahre als Geschäftsführer acht deutsche Meistertitel (2005, 2006, 2008, 2009, 2011, 2012, 2013 und 2021).

„Ich musste immer sehen, dass es sportlich gut läuft und auch im Büro alles in Ordnung ist.“ Womit er nicht meint, ob aufgeräumt oder Staub gewischt wurde, sondern ob die Finanzen stimmen. Lee hat das mit der Kohle immer einigermaßen hinbekommen. Mit acht Meistertiteln, einem Pokalsieg (2008) und zwei Finalteilnahmen (2004, 2018) glänzte „Pete“ nicht nur durch sportliche Erfolge, sondern auch als Büro-Manager.
„Ich bin Manager und Geschäftsführer von Menschen“
Auch wenn es mal bei dem einen oder anderen Spieler nicht so lief, wie sich das Trainer oder Fans wünschten, das Wort „feuern“ stand bei Lee nur selten auf dem Notizzettel. Sein Credo: „Ich bin Manager und Geschäftsführer von Menschen. An den meisten Spielern hängen Familien mit ihren Schicksalen. Es geht eben bei meinen Entscheidungen nicht nur um Eishockey.“

Wie wichtig ein guter Manager sein kann, demonstrierte Peter John Lee auch beim fünfmaligen Meister Constantin Braun. Lee half dem Verteidiger über Tiefen mit langwierigen Verletzungen ebenso wie über Depressions-Perioden oder Alkohol-Probleme hinweg. Dass „Tine“ jetzt in Nürnberg immer noch den Schläger führt, ist auch ein Verdienst des Managers Lee.
Enkel von Lee haben seine Gene
Der Mann, der immer wieder anderen half und hilft, kennt aber auch Schattenseiten des Lebens. Nach dem frühen Tod seiner ersten Frau traf Lee das Schicksal sehr, sehr hart. Im Sommer vor sieben Jahren verstarb ganz plötzlich sein Sohn Chris mit nur 39 Jahren. Der Trainer des Eisbären DNL-Teams hinterließ Ehefrau Sophie und drei Kinder.
Auch diesen Verlust hat Lee gemeistert. „Die beiden Jungs spielen Eishockey bei den Eisbären Juniors, Julie mischt im Bundesliga-Frauen-Team mit“, sagt mit einem Anflug von Stolz Opa Peter John.
Für die Lee-Enkel Copper (14) und Jackson (11) findet Eisbären -Nachwuchstrainer Hardy Gensel die passenden Worte: „Sie haben die Gene von Opa und Uropa geerbt. Die Jungs spielen nicht nur gut Eishockey, sie fallen mir auch beim Fußball und beim Handball im Training immer positiv auf.“


