Ein Abend im Theater Ost zeigt, wie tief die deutsch-deutsche Spaltung noch reicht. Zwei Sätze – einer von Springer-Chef Mathias Döpfner, einer von Verleger Holger Friedrich – bringen die Konflikte zwischen Ost und West auf den Punkt. Sie bestimmen den Ton einer spannenden Debatte.
Tiefe Brüche zwischen Ost und West
Mathias Döpfner und Holger Friedrich sitzen auf einer Bühne in Adlershof. West-Verlag trifft Ost-Verlag. Zwei Sätze, die an diesem Abend fallen, erzählen mehr über Deutschland als viele politische Analysen. Sie zeigen, wie tief die Brüche zwischen Ost und West noch immer sind.
Der erste Satz kommt von Mathias Döpfner. Er sagt: „Neid ist die höchste Form der Anerkennung.“ Ein Satz, den er als Lob, aber auch als Entschuldigung meint. Er erklärt damit die Angriffe auf Friedrich, seine Familie, den Berliner Verlag, die Diskreditierungen der Arbeit der Journalisten des Berliner Verlags. Und die heftigen Reaktionen auf die Gründung der Ostdeutschen Allgemeinen. Der Westen, so Döpfner, reagiere nicht aus Arroganz, sondern aus Angst vor Konkurrenz.
Der zweite Satz kommt von Holger Friedrich. Er hört zu, lässt Döpfner reden und antwortet dann knapp: „Billiger Neid“. Zwei Worte, die sitzen. Zwei Worte, die den Abend prägen.
Die Veranstaltung heißt „Deutsch-deutsche Perspektiven“. Die Theaterchefin verweist auf Parallelen in den Biografien der beiden Männer. Die Väter waren Architekten, in zwei Systemen. Söhne als Verleger in einem Land, das sich noch immer schwer tut mit seiner Einheit. Die Frage im Raum: Wer hat die Meinungshoheit? Wer bestimmt, was wahr ist in diesem Land?

Solche Gespräche sind selten. Westdeutsche Medienvertreter meiden offene Debatten im Osten. Der Spiegel berichtet seit Jahren scharf über den Berliner Verlag, doch Gespräche über Standards lehnt die Chefredaktion ab. Döpfner aber kommt. Friedrich erkennt das an – und spricht den Elefanten im Raum an.
Es geht um SMS, die 2023 öffentlich wurden. Darin schrieb Döpfner: „Die Ossis sind entweder Kommunisten oder Faschisten. Dazwischen tun sie es nicht. Eklig.“ Er entschuldigte sich später – aber nie direkt bei den Betroffenen.
Holger Friedrich: „Wer nicht regierungsloyal war, war schnell draußen“
Nun sitzt er vor ihnen. Der Saal wartet. Döpfner sagt, dass er seit 30 Jahren in Potsdam wohne, den Osten kenne. Im Saal wird gelacht – aber nicht mit ihm. Was er nicht sagt: Dass der Satz falsch war. Stattdessen fragt er: „Wer hat nicht auch schon einmal im Privaten von Scheiß-Wessis gesprochen?“
Friedrich bringt einen Punkt ein, den im Westen kaum einer wahrnimmt: „Nach der Wende wurde die Ost-Elite rausgenommen. Wer nicht regierungsloyal war, war schnell draußen.“ Gemeint sind Ärzte, Ingenieure, Lehrer, Betriebsleiter. Ein Erfahrungsschatz, der nicht wegen Unfähigkeit verschwand, sondern wegen Herkunft. Zurück blieben Lücken, die bis heute wirken.
Dann wiederholt Döpfner seinen Satz vom Neid. Er bezieht sich auf die Reaktionen westdeutscher Medien auf die neue Ostdeutsche Allgemeine Zeitung. Die Zeit spottet, der Spiegel schießt, die Süddeutsche wundert sich. Für ihn ist das ein Zeichen von Angst vor Konkurrenz.
Friedrich sieht es anders. „Billiger Neid“, sagt er. Für ihn ist der angebliche Neid nur die Kehrseite westlicher Arroganz. Der Westen hat sich über Jahrzehnte ein schönes Nest gebaut – und verteidigt es nun. Mit eigenen Regeln, eigenen Meinungen, eigener Deutungshoheit.
Friedrich brachte Mitte Februar die OAZ an den Start
Friedrich brachte Mitte Februar die OAZ an den Start. Freitags Print, sonst digital. Herausgegeben vom Ostdeutschen Verlag. Die Zeitung soll ostdeutsche Perspektiven in den gesamtdeutschen Diskurs bringen. Döpfner fragt: „Wollen Sie mit diesem Projekt eher zusammenführen? Oder wollen Sie eher ein Wir-Gefühl erzeugen?“ Friedrich antwortet: „Insofern ist das der Versuch einer Emanzipation. Die kann kooperativ erfolgen, aber, wenn notwendig, auch konfrontativ.“
