Die Bronzeplastik „Ruhende Frau“ von Fritz Huf. foerderverein-schoenhausen.de

Fast 40 Jahre lang hatte die Bronzeplastik „Ruhende Frau“ von Fritz Huf einen Platz im Garten von Schloss Schönhausen. Das war von 1951 bis 1990. Dort stand sie aber nicht immer.

Ursprünglich gehörte die „Ruhende Frau“ in einen anderen Garten. Dieser umgab die Villa des Bankiers Hans Fürstenberg im Berliner Tiergartenviertel. Weil Fürstenberg nach den Nürnberger Gesetzen als Jude galt, musste er Nazideutschland verlassen, die Villa gezwungenermaßen verkaufen und ihre Einrichtung versteigern lassen. Doch was geschah mit der „Ruhenden Frau“? Auf vielen dunklen Umwegen kehrt sie jetzt in den Garten von Schloss Schönhausen zurück.

Der Schweizer Bildhauer Fritz Huf schuf die lebensgroße Bronzeskulptur einer lagernden, halb aufgerichteten jungen Frau im Jahr 1923 in seinem Atelier in Berlin-Grunewald. Er gehörte zu den Erneuerern eines klassischen Menschenbildes und arbeitete zeitweise auch mit Georg Kolbe, Hermann Haller und Ernesto de Fiori zusammen.

Nackte trägt die Züge von Hufs Ehefrau Natascha

Der Förderverein Schönhausen schreibt über die Erschaffung der „Ruhenden Frau“: „Anfang 1919, wenige Wochen nach Kriegsende, heiratete er Natalie ‚Natascha‘ Fürstenberg, jüngere Tochter des prominenten Berliner Bankiers Carl Fürstenberg. Die Verbindung über Konventionen hinweg muss überraschen. Andererseits gehörte Huf in diesen Jahren zu einem illustren Netzwerk von Berliner Mäzenen, Literaten, Politikern und Künstlern.“

Und weiter: „Bis dahin hatte Huf noch in der Von-der-Heydt-Straße 8 gearbeitet. Um 1920 bezogen er und Natascha das Atelierhaus des verstorbenen Berliner Bildhauers Louis Tuaillon in der Herbertstraße 1, Berlin-Grunewald. Hier entstand 1923 die ,Ruhende Frau‘. Das Tonmodell wurde im selben Jahr durch die Galerie Flechtheim der kunstinteressierten Öffentlichkeit vorgestellt. Ganz unverkennbar trägt Hufs weiblicher Akt die Züge seiner Ehefrau Natascha.“

Unbekannt ist, wie lange die „Ruhende Frau“ im Garten der Fürstenberg-Villa stand. 1936 emigrierte Hans Fürstenberg jedenfalls wegen seiner jüdischen Herkunft. Er landete in Frankreich.

Villa mit der Nackten geriet ins Blickfeld des Weizsäcker-Amts

1938, ein Jahr vor dem Zweiten Weltkrieg, geriet die Villa ins Blickfeld des Auswärtigen Amtes. Das Amt suchte für seinen neuen Staatssekretär Ernst von Weizsäcker, den Vater von Richard von Weizsäcker, eine repräsentative Dienstvilla. Der Förderverein: „Das Finanzministerium übte den entsprechenden Druck aus, und Fürstenberg blieb nichts anderes übrig, als dem Verkauf aus der Ferne zuzustimmen.“

Im September 1938, wenige Tage nach den Novemberpogromen, sei der Vertrag dann von einem Mittelsmann unterzeichnet worden. Die wertvollsten Teile der Einrichtung hatte Fürstenberg schon im Juli zur Auktion geben müssen, wo sie verramscht wurden.

Von der Fürstenbergvilla im Berliner Tiergartenviertel hinterließ der Krieg nur eine Ruine. Aber: Hans Fürstenberg konnte 1956 von der Stadt Berlin eine Entschädigung und die Rückgabe des Grundstücks erstreiten. Nur, wo war die „Ruhende Frau“?

Amtssitz von Wilhelm Pieck bekam die Nackte

„Erst 1948 fand sie sich zusammen mit anderen Skulpturen in einem ,riesenhaften Messing- und Bronzeschrotthaufen‘ auf dem Verladeplatz der tschechoslowakischen Militärmission im Berliner Osthafen wieder. In dieser Zeit wurde Berlin von mehr oder weniger professionell organisierten Buntmetalldieben rücksichtslos geplündert“, so der Förderverein Schönhausen.

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Glücklicherweise wurde der Fund der Nationalgalerie zur Verwahrung übergeben, die wiederum stellte die „Ruhende Frau“ im Jahr 1951 dem Schloss Niederschönhausen, Amtssitz von Wilhelm Pieck, für die Ausstattung des Präsidentengartens zur Verfügung.

Nach der Wiedervereinigung bekam die Nationalgalerie die Skulptur zurück und stellte sie ins Depot, wo sie seitdem vor sich hin schlummerte. Nun kehrt sie endlich zurück ins Barockschloss nach Niederschönhausen – das ist da, wo die Hohen schön haus(t)en. Eine echte Odyssee mit Happy End also.

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