In Berlin formiert sich eine neue Welle digitaler Täuschung, die selbst erfahrene Klinikmitarbeiter fassungslos macht. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz tauchen derzeit in sozialen Netzwerken Videos vermeintlicher Charité‑Ärzte auf, die angebliche Wundermittel präsentieren – gegen Alzheimer, Erektionsstörungen, Übergewicht oder Diabetes. Wie das gute Image der „Götter in Weiß“ ausgenutzt wird.
Neue Betrugsart ist besonders gefährlich
Für viele Menschen klingen diese Versprechen wie ein medizinisches Märchen, doch dahinter steckt eine dreiste Masche: Keine dieser Werbefiguren stammt tatsächlich aus dem Universitätsklinikum, keine dieser Pillen hat einen belegbaren Nutzen.
Besonders perfide: Die Betrüger nutzen echte Namen von Charité‑Mitarbeitern, kombinieren sie mit KI‑erstellten Gesichtern und schmücken das Ganze mit Logos der Klinik. Der Effekt soll klar sein: maximale Glaubwürdigkeit für maximalen Betrug. Doch die vermeintliche medizinische Revolution ist nichts weiter als geschickt erzeugte Illusion – und potenziell gefährlich für alle, die sich davon blenden lassen.
KI fälscht Professoren – Alzheimer‑Heilung als Köder
Ein Beispiel, das intern für Entsetzen sorgt: In einem Video verkündet ein digital erzeugter Professor „Alzheimer rückgängig gemacht!“ – angeblich niemand Geringerer als der bekannte Neurochirurg Peter Vajkoczy. „Über 7200 Menschen haben bereits Verbesserungen damit gemeldet“, heißt es weiter in dem Clip. Patienten meldeten sich irritiert bei ihm und fragten nach dem angeblichen Durchbruch. Für den echten Mediziner war schnell klar: Sein „zweites Ich“ ist KI‑Fake, das beworbene Pulver wirkungslos.

Die Produktpalette der Cyberkriminellen ist breit und wird immer abenteuerlicher. Neben dubiosen Abnehmpflastern werden auch Cannabis‑Öle, Diabetes‑Pillen, Viagra‑Ersatz und sogar Lesebrillen beworben – alles mit angeblichem Charité‑Siegel. Doch es geht noch weiter: Betrüger preisen auch medizinische Geräte an, deren Funktionen technisch überhaupt nicht möglich sind.
Charité‑Sprecher Markus Heggen erklärt gegenüber B.Z.: „Dabei handelt es sich unter anderem um ein Pulsoximeter, das gleichzeitig Puls und Blutzucker misst, was technisch nicht möglich ist.“ Für Nutzer entsteht dennoch der Eindruck, hier handele es sich um geprüfte Kunstwerke moderner Medizin.
So kämpft die Charité gegen die Betrugsflut
Um die Fakes zu stoppen, treibt die Charité inzwischen erheblichen Aufwand. „Wir melden die Videos, von denen wir Kenntnis erlangen, den Plattformen“, sagt Heggen. Doch das sei personalintensiv und nicht immer erfolgreich. Zusätzlich kontaktiert die Klinik Hosting‑ und Domainbetreiber, fordert die Sperrung von Websites und leitet „wenn möglich, rechtliche Schritte gegen Online‑Shops und Händler ein.“ Das größte Problem: Viele Täter sitzen außerhalb der EU, häufig anonym, kaum greifbar für Strafverfolgung.

Deshalb arbeitet die Charité eng mit der Sondereinheit für Cyberkriminalität des Landeskriminalamtes zusammen. Die Ermittler sollen Muster erkennen, Hintermänner identifizieren und Plattformen unter Druck setzen. Doch bis die Betrugswelle vollständig gestoppt ist, bleibt Wachsamkeit das einfachste Mittel.
Wie sich Nutzer schützen können
Heggen appelliert eindringlich an alle Internetnutzer: „Achten Sie auf Warnzeichen wie fehlendes Impressum, überhöhte Preise, gekünstelte Videos, emotionalen Druck und unrealistische Heilsversprechen!“



