Neuer Mietspiegel

Vonovia erhöht die Mieten in Berlin – was Betroffene jetzt wissen müssen

Schlechte Nachrichten für viele Berliner: Vonovia dreht an der Miet-Schraube. Für einen Teil der rund 130.000 Wohnungen steigen die Preise spürbar.

Author - Sharone Treskow
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Bei Tausenden Berlinern wird ein böser Brief einflattern: Mieterhöhung von Vonovia.
Bei Tausenden Berlinern wird ein böser Brief einflattern: Mieterhöhung von Vonovia.Oksana Fishkis / Magnific

Schlechte Nachrichten für Hunderttausende Berliner: Der Wohnungskonzern Vonovia dreht an der Mietpreisschraube. Gestützt auf den neuen Berliner Mietspiegel 2026 verlangt das Unternehmen von Teilen seiner Mieter künftig mehr – und das spürbar. Was genau auf Betroffene zukommt und was sie dagegen tun können.

Vonovia erhöht Mieten um durchschnittlich 4,8 Prozent

Der Konzern macht ernst: Für einen Teil seiner Berliner Mieter steigt die Kaltmiete um durchschnittlich 4,8 Prozent. Das entspricht im Schnitt 35 Cent mehr pro Quadratmeter – im schlimmsten Fall landet die monatliche Mehrbelastung bei bis zu 70 Euro. Als rechtliche Grundlage dient der neue Berliner Mietspiegel, der seit Mai 2026 gilt und Erhöhungen von bis zu 6,9 Prozent erlauben würde. Vonovia schöpft diesen Spielraum also nicht vollständig aus – macht aber dennoch eine unmissverständliche Ansage an seine Mieter.

Vonovia darf in Berlin die Mieten erhöhen – und tut das auch.
Vonovia darf in Berlin die Mieten erhöhen – und tut das auch.Malte Ossowski/Sven Simon / Imago

Betroffen sind Mieter von Vonovia und seiner Tochtergesellschaft Deutsche Wohnen. Zusammen hält der Konzern nach der Übernahme der Deutsche Wohnen rund 130.000 Berliner Wohnungen. Wie viele Haushalte konkret eine Erhöhung erhalten, wollte Vonovia auf Nachfrage nicht mitteilen. Nicht alle Wohnungen seien betroffen, hieß es lediglich.

Was der neue Berliner Mietspiegel 2026 bedeutet

Der neue Mietspiegel war im Mai 2026 veröffentlicht worden und bildet die Berechnungsgrundlage für die Vonovia-Erhöhung. Der sogenannte Median der erfassten Nettokaltmieten liegt darin bei 7,71 Euro pro Quadratmeter – beim Mietspiegel 2024 hatte dieser Wert noch bei 7,21 Euro gelegen. Die Differenz von 50 Cent entspricht genau der von Vonovia angeführten Steigerung von 6,9 Prozent, die der Mietspiegel maximal zulässt.

Wichtig zu verstehen: Der Median ist nicht der rechnerische Durchschnitt, sondern der Mittelwert – es gibt gleich viele erfasste Mietwerte darüber wie darunter. Das bedeutet, dass viele Berliner bereits jetzt deutlich mehr zahlen, als diese Kennzahl vermuten lässt.

Vonovia verspricht: Niemand verliert seine Wohnung

Wer durch die Erhöhung mehr als 30 Prozent seines Nettohaushaltseinkommens für die Miete aufwenden müsste, soll nicht allein gelassen werden. Vonovia prüfe solche Härtefälle individuell und suche nach Lösungen. Geschäftsbereichsleiter Ost Sebastian Krüger sagte dazu: „Unser Versprechen: Niemand muss sich Sorgen um die Wohnung machen, und wir finden eine Lösung.“

Vonovia erhöht die Mieten in der Hauptstadt. Zehntausende Berliner sind betroffen.
Vonovia erhöht die Mieten in der Hauptstadt. Zehntausende Berliner sind betroffen.Martin Schroeder/Imago

Wie verbindlich dieses Versprechen im Einzelfall ist und welche konkreten Hilfen Betroffene erwarten können, ließ das Unternehmen offen. Mieter, die sich in einer solchen Situation befinden, sollten proaktiv das Gespräch mit Vonovia suchen – und sich gleichzeitig rechtlich absichern.

Kann man gegen eine Mieterhöhung aufgrund des gestiegenen Mietspiegels vorgehen?

Diese Frage stellen sich jetzt sicherlich einige Mieter. Die Antwort lautet: Ja – aber die Möglichkeiten sind begrenzt. Eine Mieterhöhung auf Basis des Mietspiegels ist grundsätzlich rechtlich zulässig, sofern bestimmte Formvorschriften eingehalten werden: Das Schreiben muss schriftlich erfolgen, die Begründung auf den Mietspiegel verweisen und eine Zustimmungsfrist von mindestens zwei Monaten einräumen.

Neubau der Vonovia in der Westfälischen Straße in Wilmersdorf. Auch hier könnten Mieter von einer Mieterhöhung betroffen sein.
Neubau der Vonovia in der Westfälischen Straße in Wilmersdorf. Auch hier könnten Mieter von einer Mieterhöhung betroffen sein.Joko/Imago

Mieter sollten das Erhöhungsschreiben genau prüfen – formale Fehler können die Erhöhung unwirksam machen. Wer unsicher ist, sollte den Berliner Mieterverein oder eine Mieterrechtsberatung kontaktieren. Liegt die verlangte Miete über dem ortsüblichen Vergleichswert laut Mietspiegel, kann man der Erhöhung widersprechen. Vonovia bleibt in diesem Fall der Gang vor Gericht, auf eigenes Risiko.

Ist Vonovia im Berliner Vergleich noch günstig – oder sollten sich Mieter anderweitig umsehen?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten, denn Vonovia-Mieten variieren je nach Lage, Baujahr und Ausstattung erheblich. Grundsätzlich gilt: Bestandsmieten – auch nach der Erhöhung – liegen in der Regel noch deutlich unter dem aktuellen Neuvermietungsniveau in Berlin, das in vielen Bezirken längst die 15-Euro-Marke pro Quadratmeter überschritten hat.

Wer also bereits eine Vonovia-Wohnung bewohnt, fährt trotz Erhöhung in den meisten Fällen günstiger als beim Wechsel auf den freien Markt. Ein Umzug lohnt sich finanziell kaum – es sei denn, man findet gezielt eine Sozialwohnung oder eine Wohnung bei einem kommunalen Anbieter wie der degewo oder Gewobag, die oft moderate Mieten bieten.

Sind Sie aktuell von einer Mieterhöhung betroffen? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.