Zoff spitzt sich zu

TV-Star Anna Loos schlägt im Theaterstreit zurück

Nach Ärger mit Förderverein und Ensemble erklärt die Schauspielerin, warum sie ihre Kritik am Brandenburger Theater nicht zurücknimmt.

Author - Tobias Esters
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Anna Loos verteidigt ihre Kritik am Brandenburger Theater und weist persönliche Angriffe zurück.
Anna Loos verteidigt ihre Kritik am Brandenburger Theater und weist persönliche Angriffe zurück.Marcus Brandt/dpa

Der Zoff um das Theater in Brandenburg an der Havel geht in die nächste Runde. Jetzt meldet sich wieder TV-Star Anna Loos zu Wort. Nach heftiger Kritik aus der Stadt und vom Förderverein der Brandenburger Symphoniker weist die Schauspielerin die Vorwürfe zurück. Sie spricht von Aggressivität. Von persönlichen Angriffen. Und von einem System, das Kritik kaum aushält.

Heftiger Gegenwind aus dem Theater

Auslöser waren scharfe Reaktionen des Fördervereins der Brandenburger Symphoniker und einzelner Theatervertreter. Die Vorsitzende Andrea Carola Güntsch warf Loos vor, dem Theater und der Stadt massiv zu schaden. Durch ihre Aussagen entstehe der Eindruck, Brandenburg an der Havel lasse sein Theater verkommen. Das sei ein Schlag ins Gesicht für alle Beteiligten.

Auch aus dem Ensemble kam Widerspruch. Der Theaterstar Henry Nandzik sprach gegenüber dem Berliner KURIER von Respektlosigkeit gegenüber der Belegschaft. Das Haus funktioniere gut. Die Auslastung liege über dem Bundesdurchschnitt. Von einem sinkenden Schiff könne keine Rede sein.

Anna Loos sieht das völlig anders. „Die Diskussion um das Brandenburger Theater nimmt derzeit spürbar Fahrt auf. Das begrüße ich ausdrücklich.“ Gleich danach wird sie deutlich: „Ich bin allerdings ehrlich erstaunt, mit welcher Aggressivität hier reagiert wird.“

Besonders hart geht Loos mit dem Förderverein und dessen Vorsitzender Andrea Carola Güntsch ins Gericht. Deren Aussagen nennt sie „unsachlich und eines Fördervereins unwürdig“.

Der Schauspieler Henry Nandzik bei einem Auftritt im Brandenburger Thater
Der Schauspieler Henry Nandzik bei einem Auftritt im Brandenburger ThaterBrandenburger Theater

Für Loos ist eine Grenze überschritten. „Ich lehne persönliche Angriffe in dieser Debatte ausdrücklich ab. Sie helfen niemandem.“ Ihre Botschaft an die Kritiker ist klar: „Wer Kritik als Angriff diffamiert, hat den Sinn von Kultur nicht verstanden.“

Darum schlägt Anna Loos weiter Alarm

In der Sache bleibt die Schauspielerin hart. Sie zieht nichts zurück.
„Über die künstlerische Qualität eines Theaters wird und muss man immer streiten können.“ Bei Zahlen und Strukturen sieht sie das anders. „Aber bei der Struktur eines Theaters, der Anzahl der Produktionen, der Kontinuität des Spielbetriebs und der Zukunftsfähigkeit eines Hauses gibt es keinen großen Interpretationsspielraum.“

Dann wird Loos sehr konkret: „Die Zukunft des Brandenburger Theaters sieht alles andere als rosig aus. Das ist ein belegbarer Fakt.“

Loos kontert Ego-Vorwurf

Sie verweist auf steigende Kosten, auslaufende Tarifverträge und fehlende finanzielle Dynamik bei den Zuschüssen. Die Folgen seien längst sichtbar. „Das Programmvolumen wird bereits jetzt massiv reduziert, um Personal und Sachkosten zu kompensieren.“

Zum Vorwurf der Selbstdarstellung sagt sie klar: „Ich brauche das Brandenburger Theater nicht, um mich zu profilieren. Ich bin eine gut beschäftigte und erfolgreiche Künstlerin.“ Dann wird sie persönlich. „Aber ich bin auch Brandenburgerin, und mein Herz hängt doch sehr an diesem Haus.“

Loos wollte Intendantin am Theater in Brandenburg an der Havel werden – und ist damit vorerst gescheitert. Der Aufsichtsrat entschied, die Stelle bis 2027 intern zu besetzen, und ernannte die leitende Dramaturgin Carola Söllner zur künstlerischen Leiterin.

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