Streitpunkt Urin

Karneval der Kulturen steht an – warum die Berliner nur ans Pinkeln denken

Wer schon mal beim Karneval der Kulturen war, weiß: Toiletten sind hier Mangelware. Dadurch entsteht ein großes Problem.

Author - Sharone Treskow
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Wo soll man hier bloß pinkeln gehen? Ein bekanntes Problem als Besucher des Karnevals der Kulturen in Berlin. (Archivbild von 2025)
Wo soll man hier bloß pinkeln gehen? Ein bekanntes Problem als Besucher des Karnevals der Kulturen in Berlin. (Archivbild von 2025)Volodymyr Sindieiev/Imago

Berlin feiert bald wieder den Karneval der Kulturen. Doch ein Problem aus dem Vorjahr dürfte auch dieses Mal für Ärger sorgen: Wildpinkler. Nach zahlreichen Beschwerden rüsten die Veranstalter jetzt auf, um vollgepinkelte Hauswände entlang der Karl-Marx-Allee in Friedrichshain zu verhindern. Gleichzeitig bleibt eine entscheidende Baustelle bestehen: das Geld.

Nach Kritik aus Friedrichshain: Veranstalter reagieren

Im vergangenen Jahr zog der Umzug erstmals über die Karl-Marx-Allee – und hinterließ Spuren. Anwohner beschwerten sich massiv über verschmutzte Hauseingänge und Fassaden. Besonders kritisch äußerte sich Achim Baur vom Verein Stalinbauten e.V., der sich für den Erhalt der denkmalgeschützten Gebäude einsetzt. Sein Problem: Der Urin greift die empfindlichen Sandsteinfassaden an.

Wildpinkler sind immer ein Problem bei großen Umzügen in Berlin wie dem Karneval der Kulturen oder auch dem CSD. (Symbolbild)
Wildpinkler sind immer ein Problem bei großen Umzügen in Berlin wie dem Karneval der Kulturen oder auch dem CSD. (Symbolbild)haertelpress/Imago

Trotz der heftigen Kritik bleibt die Strecke auch in diesem Jahr zentraler Schauplatz. Wieder werden Hunderttausende Besucher erwartet. Der Druck auf die Veranstalter ist also groß, eine saubere Lösung zu liefern.

Mehr Toiletten sollen Wildpinkler stoppen

Die Antwort fällt deutlich aus: mehr Infrastruktur. „Im Konzept für dieses Jahr sind mehr mobile Toiletten auf dem Umzug geplant“, erklären die Co-Leiterinnen Aissatou Binger und Anna-Maria Seifert gegenüber t-online. Konkret bedeutet das: Die Zahl der Toiletten wird verdoppelt.

Die Veranstalter versprechen mehr Toiletten für den Karneval der Kulturen.
Die Veranstalter versprechen mehr Toiletten für den Karneval der Kulturen.Steinach/Imago

Doch nicht nur die Menge soll helfen, sondern auch die Planung. Die mobilen Toiletten werden gezielt an strategisch wichtigen Punkten aufgestellt. Die Veranstalter haben aus dem Vorjahr gelernt und hoffen, dass sich so das Wildpinkeln spürbar reduziert.

Geld fehlt: Sicherheitslösung bleibt schwierig

Ein Vorschlag aus dem vergangenen Jahr sorgt allerdings weiterhin für Diskussionen: zusätzlicher Wachschutz vor besonders betroffenen Gebäuden. Doch daraus wird vorerst nichts. Der Grund ist simpel: Es fehlt das Geld.

Insgesamt klafft eine Finanzierungslücke von rund 75.000 Euro, die über Spenden gedeckt werden soll. „Das begrenzt leider auch unsere Handlungsmöglichkeiten. Was bedeutet, dass wir kein zusätzliches Sicherheitspersonal stellen können“, so Binger und Seifert.

Dadurch, dass der Karneval einfach mitten durch die Stadt führt, ist die Toiletten-Situation schwierig.
Dadurch, dass der Karneval einfach mitten durch die Stadt führt, ist die Toiletten-Situation schwierig.Volodymyr Sindieiev/Imago

Stattdessen setzen die Organisatoren auf andere Maßnahmen: eine engere Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt und intensivere Reinigungsarbeiten nach dem Umzug. Gleichzeitig appellieren sie an die Besucher, Rücksicht zu nehmen. „Es ist unser Anliegen, dass diese Maßnahmen zu einer Verbesserung für die Anwohnenden führen.“

So teuer kann Wildpinkeln werden

Rein rechtlich ist die Lage klar: Wildpinkeln gilt als Ordnungswidrigkeit und kann teuer werden! Je nach Fall drohen Bußgelder zwischen 35 und 5000 Euro, wenn man erwischt wird.

Auch wenn es ein menschliches Grundbedürfnis ist, darf man nicht einfach überall hinpinkeln.
Auch wenn es ein menschliches Grundbedürfnis ist, darf man nicht einfach überall hinpinkeln.Imago/imageBROKER/Zoonar

Der Karneval der Kulturen steigt in diesem Jahr von Freitag bis Montag (22. bis 25. Mai). Die Hauptveranstaltung, also der große Umzug, findet am Sonntag, dem 24. Mai, statt.

Ob die neuen Maßnahmen das Problem wirklich in den Griff bekommen, wird sich erst nach dem großen Fest zeigen. Aus Erfahrung kann diese Autorin sagen: Beim Karneval der Kulturen verbringt man gut die Hälfte der Zeit mit der Suche nach einem Dixi-Klo – und mit dem Schlangestehen davor. Denn die meisten umliegenden Restaurants haben in der Regel keine Lust auf Pinkel-Gäste.

Besuchen Sie den Karneval der Kulturen? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.