Übergriffe statt Erholung

Security schützt Besucher in Wellnessbädern

Nach mehrfachem Ärger setzen Havel-Therme und Liquidrom auf Security, Anmeldepflicht und klare Regeln zum Schutz der Gäste.

Author - Tobias Esters
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Die Havel-Therme in Werder. Hier kam es zu Übergriffen gegenüber Gästen und Personal.
Die Havel-Therme in Werder. Hier kam es zu Übergriffen gegenüber Gästen und Personal.Havel-Therme

Security wie bei einem Fußballspiel, strenge Einlassregeln und klare Kante gegen Störenfriede. Die Havel-Therme in Werder und das Berliner Liquidrom ziehen nach massiven Problemen die Reißleine. Ziel ist es, Belästigungen zu stoppen und den Gästen endlich wieder Ruhe zu bieten.

Polizeieinsätze wegen Übergriffen

„Wir hatten jedes Wochenende Theater“, sagt Andreas Schauer, der als Geschäftsführer für beide Themen verantwortlich ist, im Gespräch mit dem KURIER. Vor allem freitags, samstags und sonntags habe es immer wieder Ärger gegeben. Polizeieinsätze inklusive. „Es kam zu Übergriffen gegenüber Gästen und auch gegenüber unserem Personal“, so Schauer.

Besonders problematisch seien gewaltbereite Gruppen gewesen. „Das waren vorwiegend Männergruppen, oft auch alkoholisiert“, sagt der Betreiber. Gerade in Thermen, wo Menschen Entspannung suchen und teils auch nackt oder leicht bekleidet sind, sei das eine explosive Mischung gewesen. „Solche Zustände wie in manchen Freibädern in Berlin wird es bei uns nicht geben.“

Auch im Liquidrom in Berlin gibt es ein verschärftes Sicherheitskonzept.
Auch im Liquidrom in Berlin gibt es ein verschärftes Sicherheitskonzept.Götz Schleser/imago

Die Konsequenz ist ein deutlich verschärftes Sicherheitskonzept. In Werder stehen inzwischen teilweise bis zu fünf Sicherheitskräfte am Eingang. Für einen Thermenbetreiber eigentlich ein Albtraum. „Davon träumt man ja nicht, dass man Security braucht, wenn Leute eigentlich zur Erholung kommen.“

Gruppenregel zeigt Wirkung

Herzstück des Konzepts ist eine klare Gruppenregel. Gruppen mit mehr als drei Personen müssen sich vorher anmelden. Die Regel gilt unabhängig vom Geschlecht. Ziel ist es, problematische Konstellationen frühzeitig zu erkennen. „Wenn ich tausend Leute in der Anlage habe und dann kommt eine offensichtlich gewaltbereite Gruppe, vielleicht auch noch angeschickert, dann ist doch das das Problem“, sagt Schauer. Perfekte Regeln für jeden Einzelfall gebe es nicht, aber man müsse handeln.

Das Konzept wurde gemeinsam mit der Präventionsabteilung der Polizei, dem Ordnungsamt und Juristen erarbeitet. Und offenbar mit Erfolg. „Seit wir das machen, haben wir gar keinen Ärger mehr. Nicht ein einziges Mal“, sagt der Geschäftsführer. Das gelte seit über einem Jahr.

Auch im Liquidrom wird schärfer kontrolliert

Auch im Berliner Liquidrom in Kreuzberg, das ebenfalls von seinem Unternehmen betrieben wird, greift das Sicherheitskonzept. Dort sind ein bis drei Sicherheitskräfte im Einsatz. Gruppen, die dort abgewiesen werden, versuchten es teils in Werder. „Dann rufen die Kollegen an und warnen uns“, so Schauer. Auch das funktioniere inzwischen reibungslos.

Hohe Kosten für die Betreiber

Bei den Gästen komme das neue Vorgehen überwiegend gut an. Schauer berichtet von sehr positivem Feedback. Trotzdem sei es traurig, dass solche Maßnahmen nötig seien. „Es ist schade, dass man so etwas machen muss. Inhaltlich und auch aus Kostengründen“, sagt der Betreiber.

Denn billig ist die Sicherheit nicht. Allein der Standort Werder koste rund 250.000 Euro pro Jahr zusätzlich. Für das Liquidrom in Berlin fallen etwa 70.000 Euro an.

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