Rutsch-Alarm in Berlin

Streusalz-Verbot könnte in zwei Wochen aufgehoben werden

Wird die nächste Kältewelle weniger glatt? Ein neuer Gesetzesentwurf könnte schon für diesen Winter Streusalz auch für Privatpersonen erlauben.

Author - Jana Hollstein
Teilen
Auf den Berliner Gehwegen könnte es bald wieder sehr glatt werden. Die nächste Kältewelle ist nämlich schon im Anmarsch.
Auf den Berliner Gehwegen könnte es bald wieder sehr glatt werden. Die nächste Kältewelle ist nämlich schon im Anmarsch.Benjamin Pritzkuleit/Berliner Zeitung

Trotz aktuell milder Temperaturen warnen Wetterexperten: Die nächste Kältewelle könnte jederzeit zuschlagen. Und wenn sie zumindest noch ein bisschen auf sich warten lässt, dann könnte die Lage auf Berlins Gehwegen ganz anders aussehen als beim letzten Mal - denn noch am Donnerstag (15. Januar) soll eine Gesetzesänderung diskutiert werden, die bedeuten könnte, dass schon in zwei Wochen das Streusalzverbot gekippt werden könnte.

In Hamburg ist es schon gang und gebe, mit klassischem Tausalz nicht nur Straßen, sondern auch Geh- und Radwege eisfrei zu bekommen. Auch viele Hauptstädter sehen sich nach Hamburger Verhältnissen, um wieder sicher ans Ziel zu gelangen. Doch das ist nicht so einfach: In Hamburg konnte das Streusalz-Verbot in einer entsprechenden Allgemeinverfügung von Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) entschlossen werden, die vorerst bis zum 21. Januar gültig ist. In Berlin muss dafür aber ein Gesetz geändert werden.

Kommt bald Streusalz auf die Berliner Gehwege?
Kommt bald Streusalz auf die Berliner Gehwege?Sina Schuldt

Genau darum hat Umwelt- und Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) nun gebeten, mit viel Zustimmung aus der eigenen Partei: „Das ist einfach pragmatisch, weil es darum geht, Gefahren abzuwenden“, so der Pankower Abgeordnete Johannes Kraft (CDU).

Nicht alle sind gegen das Streusalz-Verbot

Gegenstimmen gibt es von ihrem Koalitionspartner. „Frau Bonde macht sich die Sache zu einfach und vergisst, dass sie auch Umweltsenatorin ist“, so Linda Vierecke (SPD). „Salz-Sole verursacht enorme Schäden an den Bäumen, von Blattverlust bis zum Absterben. Es gibt gute Alternativen zu Streusalz, die der Senat noch lange nicht ausreizt.“

Auch der Berliner Fußgängerverband FUSS e.V. steht hinter dem Streusalz-Verbot: „Ich find's irrwitzig, die ganze Diskussion ist vor Jahrzehnten geführt worden, mit dem Ergebnis, dass man es doch dann möglichst unterlässt“, sagt Sprecher Roland Stimpel. Streusalz habe eine große Palette an nachweisbaren Schäden „für die Böden, in denen dann weniger wachsen kann, für die Pflanzen, für die Bäume, fürs Grundwasser, auch für technische Einrichtungen, wenn's in Beton eindringt, wenn Fahrzeuge versalzen, wenn Hunde drüber laufen und sich die Füße verätzen – da ist so viel an Nachteilen, dass wir Menschen uns doch eher auf andere Weise bemühen sollten, Wege soweit sicher zu kriegen“.

Streusalz mache auch metallische Sachen „extrem rostanfällig“, so Stimpel. Dringe es mit dem Wasser in rissiges Beton ein und zu den Stahlträgern einer Brücke durch, würden auch diese schneller rosten – wir kennen dieses Problem ja von verschiedenen Brücken hier in der Stadt.

Ob diese Argumente etwas bewirken, wird sich in den kommenden zwei Wochen im Abgeordnetenhaus entscheiden.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema?  Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com