Kiez war gestern

Prenzlauer Berg zieht das nächste Trend-Café an

La Maison plant eine weitere Filiale – ausgerechnet dort, wo sich die Hype-Läden längst stapeln.

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Das Cafe La Maison am Paul-Lincke-Ufer lockt vor allem im Frühling und Sommer die Massen an.
Das Cafe La Maison am Paul-Lincke-Ufer lockt vor allem im Frühling und Sommer die Massen an.Jürgen Held/IMAGO

Wo früher Eckkneipen, Bäckereien mit Stammkundschaft und günstige Imbisse den Kiez prägten, ziehen heute Hype-Cafés, Instagram-Bäckereien und internationale Food-Konzepte ein. Der nächste Kandidat steht offenbar schon in Prenzlauer Berg bereit, und er kommt ausgerechnet dorthin, wo der Wandel längst sichtbar ist.

Noch ein Café für einen ohnehin überfüllten Hotspot

Die französische Bäckerei La Maison, über die sogar schon die New York Times schrieb, will offenbar nach Prenzlauer Berg expandieren. Ein Instagram-Video mit der Botschaft „Next Stop: Prenzlauer Berg“ lässt wenig Zweifel. Die Bäckereikette betreibt bereits drei Filialen in Berlin, nun soll eine vierte folgen.

In welcher Straße genau die neue Filiale entstehen soll, ist noch offen. In dem Ankündigungs-Video ist allerdings der U-Bahnhof Eberswalder Straße zu sehen. Und dort ist das alte Berlin sowieso schon längst auf dem Rückzug. An der Kreuzung mit der Schönhauser Allee reiht sich ein Trend-Laden an den nächsten. Zeit für Brot, Haferkater, Burgerketten und vegane Konzepte dominieren das Bild. Dazwischen halten sich nur noch wenige Klassiker wie Konnopke’s Imbiss.

Rund um den U-Bahnhof Eberswalder Straße reiht sich längst ein Trend-Laden an den nächsten – der Kiez verändert sich spürbar.
Rund um den U-Bahnhof Eberswalder Straße reiht sich längst ein Trend-Laden an den nächsten – der Kiez verändert sich spürbar.Jens Kalaene/ZB

Viele Anwohner beobachten die Entwicklung mit Sorge. Die Mieten steigen, alteingesessene Betriebe können nicht mehr mithalten. Was jahrzehntelang den Kiez ausmachte, verschwindet leise. Ein Blick nach Charlottenburg zeigt das deutlich. Dort haben allein im Jahr 2025 Traditionsläden wie Rogacki und Uhren-Thomas für immer geschlossen. Stattdessen ziehen Konzepte ein, die funktionieren, gut aussehen und vor allem Touristen sowie zahlungskräftige Zugezogene anlocken.

Trend schlägt Tradition

La Maison steht dabei stellvertretend für einen größeren Trend. Erfolgreiche Läden expandieren dorthin, wo schon Hype herrscht. Alte Betriebe haben gegen diese Dynamik kaum eine Chance. Was bleibt, ist ein immer homogeneres Stadtbild – mit Croissant, Sauerteigbrot und Flat White, aber ohne die kleinen, oft unscheinbaren Läden, die Berlin einst besonders machten.

Prenzlauer Berg zeigt, wohin die Reise geht. Viele fragen sich, wie viele alte Berlin-Läden noch verschwinden, bevor der letzte Kiez austauschbar geworden ist.

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