Hauptstadtboom

So oft wie in Berlin wurde nirgends das Geschlecht gewechselt

Fast 2800 Änderungen seit dem neuen Selbstbestimmungsgesetz – mehr als in jeder anderen deutschen Stadt.

Author - Tobias Esters
Teilen
Die Geschlechtsumwandlung findet besonders oft in Berlin statt.
Die Geschlechtsumwandlung findet besonders oft in Berlin statt.IMAGO / Wolfilser

Ein Gang zum Amt, ein paar Unterschriften – und ein neuer Geschlechtseintrag. Was seit dem Selbstbestimmungsgesetz im November 2024 möglich ist, wird in der Hauptstadt so häufig genutzt wie nirgendwo sonst in Deutschland. Eine exklusive BILD-Recherche zeigt: Berlin ist bundesweiter Spitzenreiter beim Wechsel des Geschlechtseintrags.

Berlin ist klar auf der 1

Seit Inkrafttreten des Gesetzes haben in Berlin 2.747 Menschen ihren Eintrag im Geburtenregister ändern lassen. Damit liegt die Stadt deutlich vor allen anderen Metropolen. Allein im Jahr 2025 wurden bereits 1.810 Änderungen gezählt. Zum Vergleich: In Hamburg waren es insgesamt 972, in Köln 735.

Auffällig ist dabei ein bundesweiter Trend, der sich auch in Berlin zeigt. Mehr Frauen ändern ihren Eintrag zu „Mann“ als umgekehrt, zudem entscheiden sich viele für die Optionen „divers“ oder „kein Geschlecht“.

So einfach ist der Geschlechtswechsel jetzt

Das Selbstbestimmungsgesetz macht den Wechsel vergleichsweise einfach. Ein medizinisches Gutachten oder ein Gerichtsbeschluss sind nicht mehr nötig. Nach einer Wartefrist von einem Jahr ist sogar ein erneuter Wechsel möglich – auch zurück zum ursprünglichen Eintrag. Kritiker sprechen deshalb von Missbrauchsrisiken, Befürworter von einem längst überfälligen Schritt zu mehr persönlicher Freiheit.

Gegner des Selbstbestimmungsgesetzes demonstrieren im April 2024 vor dem Reichstag in Berlin gegen die neue Regelung.
Gegner des Selbstbestimmungsgesetzes demonstrieren im April 2024 vor dem Reichstag in Berlin gegen die neue Regelung.dts Nachrichtenagentur/IMAGO

Bundesweit haben laut dem Statistisches Bundesamt bislang rund 22.000 Menschen ihren Geschlechtseintrag ändern lassen. Nach einem kurzen Anstieg direkt nach Start des Verfahrens flachten die Zahlen ab. Die Standesämter berichten inzwischen von einer stabilen, erwartbaren Entwicklung. Hinweise auf eine massenhafte oder systematische missbräuchliche Nutzung gibt es bislang nicht.