Berlin baut Schulen – aber wie? Wer schnell bauen muss, muss mit Mängeln rechnen: Das zeigt sich nun am Beispiel einer im Sommer eröffneten Schuldrehscheibe an der Werneuchener Wiese in Friedrichshain. Die 1300 Schüler des Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasiums besuchen seit den Sommerferien eine Ersatzschule, weil die alte Schule saniert werden muss. In der neuen begegnen sie noch immer ärgerlichen Mängeln:
Erst verzögerte sich der Umzug in die neue, moderne Schule, weil sie nicht rechtzeitig fertig wurde, und nun müssen die Schüler schon wieder Ausfall wegen baulicher Mängel hinnehmen. Ein Bericht der B.Z. listet auf:
Die Sporthalle ist wegen einer defekten Heizung gesperrt.
Die Informatikräume sind nicht fertig.
Die Chemiestunden müssen ohne Experimente auskommen, weil der Abzug nicht funktioniert.
In den fensterlosen Toiletten fehlt die Lüftung.
Jalousien lassen sich nicht bedienen.
Brandschutztüren sind defekt.
Schulneubau mit Mängeln
Was sagt das Bezirksamt zu der fünf Seiten umfassenden Mängelliste? „Das Gebäude wurde abgenommen, da aus baufachlicher Sicht eine Bewertung mit dem Ergebnis, dass ein Schulbetrieb stattfinden kann, erfolgte“, heißt es auf Anfrage der B.Z. Die Mängel seien bekannt und sollen durch den Generalunternehmer zeitnah abgearbeitet werden. Wann fehlende Bauteile geliefert werden, ist allerdings unklar. Die Eltern der Schüler in der Schrott-Schule sind verärgert. Bettina Bönisch (47) zur B.Z.: „Diese Schule kommt nicht zur Ruhe. Der Start war holprig. Kinder mussten ins Homeschooling, weil Sachen hier nicht fertig waren. Die Mängelliste ist inzwischen fünf Seiten lang und wird stets länger. Was wollen sie feiern? Einen nicht existierenden Informatikraum?“

Neue Ausweichschule in Pankow
Unterdessen wurde auch in Pankow ein Ausweichstandort für Schulen, die saniert werden müssen, offiziell eröffnet. Der Schulbetrieb läuft auch hier schon seit August. Am Eschengraben sind auf vier Geschossen mit mehr als 200 Modulen zahlreiche Unterrichts- und Nebenräume entstanden. Bis zu 600 Schülerinnen und Schüler finden hier Platz und ausreichend Raum zum Lernen. Zudem steht eine Mensa mit 240 Plätzen zur Verfügung.
Als erste Schulgemeinschaft ist diesen Sommer die Wolkenstein-Grundschule eingezogen. Diese hat ein paar Hundert Meter weiter an der Neumannstraße 65 ihr Haus, das nun saniert wird.

Das Mobiliar aus der Wolkenstein-Schule ist in der Neumannstraße übernommen worden. Dort musste es wegen der Bauarbeiten weichen. Schulleiterin Antje Küchner berichtet bei der Eröffnung, dass 1500 Kartons mit all dem verpackt wurden, was am temporären Schulstandort an Material gebraucht wird. „Wir haben uns zu Umzugsmanagern entwickelt und auch gelernt, wie man als Schule aus Umzugskisten lebt“, sagt sie. Inzwischen funktioniere der Betrieb am neuen Standort vergleichsweise reibungslos. „Aber bis alles wieder im gewohnten Rhythmus läuft, braucht es noch etwas Zeit.“


