Schlecht für alle Erdbeer-Fans in Berlin: Ausgerechnet bei Karls Erdbeeren, einem der bekanntesten Anbieter der Hauptstadt, sind am Wochenende verschimmelte Früchte aufgetaucht. Ganze Lieferungen konnten nicht mehr verkauft werden. Auslöser soll die aktuelle Kombination aus Regen und Hitze in Berlin gewesen sein – ein echtes Problem für die empfindlichen Früchte. Doch wie groß ist das Risiko jetzt während der Hitzewelle, und müssen Berliner in den nächsten Tagen mit weiteren Qualitätsproblemen rechnen? Gründer Robert Dahl liefert die Erklärung und gibt einen Ausblick.
Schimmel bei Karls Erdbeeren in Berlin: Kunden berichten von verdorbenen Früchten
Bei der aktuellen Hitze hatten mein kleiner Sohn und ich am vergangenen Wochenende wie so oft Lust auf Karls Erdbeeren. Doch an unserem Stamm-Erdbeerhäuschen in Steglitz wurden wir erstmals enttäuscht. Nicht etwa, weil die leckeren Früchtchen schon ausverkauft gewesen wären – sondern weil der Mitarbeiter uns von einem Kauf abgeraten hat. Der Grund: Seine gesamte Lieferung war verschimmelt.
Etliche Kunden seien vor mir schon enttäuscht mit verschimmelten Erdbeeren zurückgekommen. Ich wollte es kaum glauben und schaute noch gemeinsam mit dem Verkäufer die vollen Schalen durch. Tatsächlich konnten wir kaum Erdbeeren ohne Schimmelspuren finden. „Die Hitze“, erklärte er mir schlicht als Grund.

Heiß bleibt es ja jetzt die ganze Woche in der Hauptstadtregion. Bedeutet das etwa, dass die Berliner jetzt die gesamte Hitzewelle über auf Karls Erdbeeren verzichten müssen? Ich habe mal bei Karls Erdbeerhof nachgefragt, woher der furchtbare Schimmelbefall kam und wie es um die aktuelle Ernte bestellt ist.
Gründer Robert Dahl erklärt Ursache für Schimmel bei Karls Erdbeeren
Robert Dahl, Erdbeerbauer und Gründer von Karls, erklärt den Schimmelvorfall am Wochenende: „Nach sehr vielen Regentagen kam plötzlich eine sehr starke Hitzewelle hinzu. Diese Kombination aus Nässe und Hitze wirkt auf Erdbeerfelder wie ein Treibhaus und begünstigt die Ausbreitung von Botrytis, einer Fruchtfäule, die sich innerhalb weniger Tage sehr schnell verbreiten kann.“

Weiter erzählt Dahl: „Unsere Erntehelferinnen und Erntehelfer sortieren dann befallene Früchte konsequent aus, um die gesunden Erdbeeren zu schützen. In solchen Phasen lässt es sich jedoch leider nicht immer vollständig vermeiden, dass vereinzelt auch Früchte mit kleinen Faulstellen in den Verkauf gelangen.“
Lobenswert: „Wir reduzieren seit Jahren den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und setzen zunehmend auf nachhaltigere Anbaumethoden“, erklärt der Karls-Gründer. „Das ist grundsätzlich ein großer Erfolg, macht die Pflanzen in extremen Wetterlagen aber auch etwas anfälliger.“
Entwarnung für Berlin: Lage bei Karls Erdbeeren entspannt sich wieder
Doch Dahl kann die Berliner beruhigen: „Seit Sonntag hat sich die Lage zum Glück deutlich entspannt. Das Wetter ist wieder trockener und kühler, der Fäulnisdruck ist aus den Anlagen verschwunden und die Felder liefern wieder die gewohnt hohe Qualität.“

„Für unsere Verkäuferinnen und Verkäufer sind solche schwierigen Phasen immer besonders unangenehm, weil sie verständlicherweise mit der Unzufriedenheit der Kunden konfrontiert werden“, betont der Erdbeerbauer. „Umso froher sind wir, dass diese kurze, aber intensive Wetterphase inzwischen hinter uns liegt.“
Neue Anbaumethoden sollen Schimmel künftig verhindern
Dahl gibt dem Kurier schon einen Blick in die Zukunft: „Um solche Wetterrisiken künftig weiter zu minimieren, stellen wir unseren Anbau schrittweise auf geschützte Anbauverfahren auf sogenannten Stellagen um. Bereits in diesem Jahr wachsen rund ein Drittel unserer Erdbeeren unter Schutzsystemen, im kommenden Jahr sollen es etwa zwei Drittel sein.“

Das hat zwei Vorteile: Die Erdbeeren hängen auf einem Meter Höhe in der Luft – was das Fäulnisrisiko verringert und die Qualität insgesamt erhöht. „Die Pflückerinnen und Pflücker haben viel bessere Arbeitsbedingungen, weil sie im Stehen ernten können.“


