Heizung kaputt, Wasser kalt und es kommt einfach niemand. Der Berliner Unternehmer Thomas Haun, Inhaber der Firma Haun Heizung & Sanitär in Kreuzberg, warnt im Berliner KURIER eindringlich vor einem drohenden Engpass bei Heizungs- und Sanitärinstallateuren. Während die zuständige Innung offiziell Entwarnung gibt, schlägt Haun aus der täglichen Praxis Alarm.
Offizielle Zahlen zum Nachwuchs
Nach Angaben der Berliner SHK-Innung, die dem KURIER vorliegen, gibt es aktuell 1350 Auszubildende im Bereich Sanitär und Heizung in Berlin. Pro Jahr werden rund 450 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. In den vergangenen fünf bis zehn Jahren habe es sogar eine Steigerung um 20 Prozent gegeben, vor allem durch intensive Maßnahmen der Innung in den Bereichen Berufsorientierung, Praktikumsvermittlung und Qualifizierung von Helfern zur regulären Gesellenprüfung.
Mehr als die Hälfte der Auszubildenden schließe die Ausbildung erfolgreich ab, manche allerdings erst im zweiten Anlauf. Die Abbruchquote liege bei etwa 25 Prozent. Als Gründe nennt die Innung die anspruchsvolle Ausbildung und falsche Vorstellungen vieler Azubis. Das Fazit zieht Andreas Koch-Martin, Geschäftsführer der Berliner SHK-Innung: „Wir haben zusätzlichen Bedarf, aber wir haben keinen Mangel an Fachkräften.“

Diese Einschätzung teilt Thomas Haun nicht. Er sagt klar: „Doch, den haben wir.“ Haun betont, dass die Innung als Branchen- und Lobbyverband naturgemäß beruhigend formulieren müsse. Die Realität in vielen Betrieben sehe anders aus. Vor allem bei der Abbruchquote zweifelt er an den offiziellen Zahlen: „Ich würde die 25 Prozent vom Gefühl her nicht bestätigen wollen.“ Aus seiner Sicht liege die Quote deutlich höher: „Da liegen wir möglicherweise bei 50 bis 60 Prozent“
Qualifikation bleibt das Kernproblem
Zwar gebe es viele Bewerbungen, doch häufig fehle es an der nötigen Qualifikation. Haun sagt: „Wir haben hier Leute, die fragen nach, die haben aber keine richtige Schulausbildung oder sind Abbrecher.“ Für die anspruchsvolle Ausbildung reiche das nicht aus. Er betont: „Wir brauchen eigentlich mittleren Bildungsabschluss mindestens, damit die auch sauber durch die Prüfung kommen.“
Erfahrung geht in Rente
Besonders kritisch wird die Lage nach Einschätzung von Haun durch den demografischen Wandel. Viele erfahrene Gesellen aus den Jahrgängen 1963 bis 1966 stünden kurz vor dem Ruhestand. Haun sagt: „Wir kriegen nicht das nach von unten, was wir oben verlieren.“
Das hat direkte Auswirkungen auf alle Berliner. Denn während man auf einen Maler oder Tischler zur Not noch warten könne, sei das bei Heizung, Wasser und Strom anders. Haun warnt: „Wenn Heizung, Sanitär und Elektro nicht kommt, dann habe ich ein Riesenproblem.“


