Pandemie-Angst

Fünf Kontaktpersonen des Ebola-Patienten jetzt auch in Berliner Charité

Der Berliner Arzt Dr. Maximilian Gertler nennt den Ausbruch des Ebola-Virus eine Katastrophe.

Author - Sharone Treskow
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Die Berliner Feuerwehr hat den Transport der Familie am frühen Donnerstagmorgen unterstützt.
Die Berliner Feuerwehr hat den Transport der Familie am frühen Donnerstagmorgen unterstützt.Imago/7aktuell.de | Theo N. & Luca W.

Auch wenn die Gefahr minimal ist, dass sich das Ebola-Virus sich dadurch in der Hauptstadt ausbreitet, gibt es vielen Berlinern ein ungutes Gefühl, dass der erkrankte US-Amerikaner aktuell von den Experten der Charité behandelt wird. Nun kam auch seine Familie hinzu – fünf weitere Kontaktpersonen und potenziell Erkrankte.

Fünf Kontaktpersonen in Berlin isoliert

Ein besonderer Einsatz mitten in der Nacht: Die Familie des an Ebola erkrankten US-Arztes ist nun ebenfalls in Berlin angekommen. Wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilt, wurden die Ehefrau und vier Kinder in der Nacht auf Donnerstag in die Sonderisolierstation der Charité gebracht.

Vorausgegangen war ein Hilfeersuchen der US-Behörden. Der Familienvater, der sich im Osten der Demokratischen Republik Kongo infiziert hatte, war bereits am frühen Mittwochmorgen in die geschützte Station aufgenommen worden. Seine Behandlung läuft inzwischen, laut US-Gesundheitsbehörde CDC befindet er sich in einem „stabilen Zustand“.

Bei dem Intensivtransport kam Spezialtechnik zum Einsatz.
Bei dem Intensivtransport kam Spezialtechnik zum Einsatz.Imago/7aktuell.de | Theo N. & Luca W.

Auch die Angehörigen hatten sich zuvor in der betroffenen Region aufgehalten und gelten deshalb als Kontaktpersonen. Nach Angaben des Ministeriums waren sie zuletzt jedoch symptomfrei und wurden negativ getestet. Dennoch erfolgt die Unterbringung vorsorglich unter strengen Sicherheitsmaßnahmen – ein übliches Vorgehen bei hoch ansteckenden Krankheiten.

Große Sicherheitsvorkehrungen bei Transport nach Berlin

Wie schon der Patient selbst wurde auch die Familie mit einem Spezialflugzeug nach Deutschland gebracht. Vom Flughafen ging es anschließend unter massiven Sicherheitsvorkehrungen weiter: Ein speziell ausgestattetes Fahrzeug transportierte die Familie zur Charité, begleitet von zahlreichen Motorrädern und Einsatzwagen der Polizei sowie Feuerwehrfahrzeugen und Krankenwagen. Kurz vor 1 Uhr nachts erreichte der Konvoi das Universitätsklinikum.

Rund 80 Einsatzkräfte waren bei dem Großtransport der Familie des an Ebola erkrankten Arztes vom BER zur Charité im Einsatz.
Rund 80 Einsatzkräfte waren bei dem Großtransport der Familie des an Ebola erkrankten Arztes vom BER zur Charité im Einsatz.7aktuell / Imago

Die Sonderisolierstation am Campus Virchow-Klinikum gilt als eine der modernsten Einrichtungen dieser Art. Es handelt sich um eine vollständig abgeschirmte Einheit, die strikt vom regulären Klinikbetrieb getrennt ist. Laut Bundesgesundheitsministerium besteht deshalb weder für die Bevölkerung noch für andere Patienten der Charité eine Gefahr. Kontakte nach außen werden konsequent verhindert.

Ebola-Ausbruch sorgt für Sorge in Zentralafrika

Während in Berlin unter höchsten Schutzauflagen behandelt wird, bleibt die Lage in Zentralafrika angespannt. In der Demokratischen Republik Kongo und im benachbarten Uganda wurden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation mehr als 500 Verdachtsfälle registriert, dazu kommen über 130 mutmaßliche Todesfälle. Tatsächlich bestätigte Infektionen liegen bislang nur in einigen Dutzend Fällen vor – Experten gehen jedoch von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus.

Demokratische Republik Kongo, Bunia: Menschen mit Schutzmasken warten im Korridor eines Krankenhauses.
Demokratische Republik Kongo, Bunia: Menschen mit Schutzmasken warten im Korridor eines Krankenhauses.Dirole Lotsima Dieudonne/AP/dpa

Der Ausbruch konzentriert sich auf die konfliktreiche Provinz Ituri im Osten des Kongo. Nach schweren Kämpfen sind dort rund 100.000 Menschen auf der Flucht, was die Eindämmung zusätzlich erschwert. Dennoch sehen WHO-Experten aktuell keine Gefahr für eine weltweite Pandemie, sprechen jedoch von einer ernsten Lage in der Region.

Ebola gilt als hoch ansteckend, da das Virus durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen wird. Bereits beim großen Ausbruch 2014 und 2015 in Westafrika starben mehr als 11.000 Menschen – ein Szenario, das nun unter allen Umständen verhindert werden soll.

Berliner Arzt nennt Ebola-Ausbruch eine „Katastrophe“

Charité-Mediziner Dr. Maximilian Gertler ordnet die Lage im Osten des Kongo sehr kritisch ein: „Diese Zahlen müssen zwar nun verifiziert werden. Dennoch: Ein Ausbruch, der mit 500 Fällen bestätigt wird, ist eine Katastrophe“, betont er gegenüber der Berliner Morgenpost.

Warum ausgerechnet die Berliner Charité? Weil sie über eine der wenigen Hochsicherheits-Isolierstationen Europas mit spezieller Expertise für hochinfektiöse Erkrankungen wie Ebola verfügt.
Warum ausgerechnet die Berliner Charité? Weil sie über eine der wenigen Hochsicherheits-Isolierstationen Europas mit spezieller Expertise für hochinfektiöse Erkrankungen wie Ebola verfügt.Fabian Sommer/dpa

„Das Erschütternde ist, dass das Virus oft durch die Familien geht. Es ist natürlich schrecklich, mit einer Familie konfrontiert zu werden, wo nur ein Kind von sechs überlebt und auch die Eltern sterben. Solche Schicksale trifft man bei größeren Ausbrüchen leider oft“, mahnt der Arzt mit Blick auf Zentralafrika.

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