„Was ist denn das?“, frage ich mich, als ich mein neues Standard-Café in der Steglitzer Schloßstraße betreten will. Es ist nicht zu übersehen: Eine große Glasscheibe sowie die gläserne Eingangstür von Lap Coffee sind von oben bis unten mit schwarzer Farbe beschmiert worden. Ganz klar ein Fall von Vandalismus. Dahinter steckt starker Konkurrenzdruck in der Berliner Gastro-Szene.
Lap Coffee nimmt Steglitz im Sturm ein
Lap Coffee hat diesen Monat heimlich, still und leise auch in Steglitz die erste Filiale eröffnet. Die Filiale der günstigen Kaffee-Kette kann sich schon jetzt kaum vor Kunden retten. Morgens und nachmittags muss man hier immer Schlange stehen – bis auf die Straße raus warten die Steglitzer hier.
Wieso? Weil Lap Coffee unschlagbare Preise hat. Ein Cappuccino kostet hier nur 2,50 Euro. So günstig kriegt man sein schwarzes Gold kaum noch. Selbst bei McDonald’s gegenüber kostet er mehr. Außerdem geht Lap Coffee mit den Trends, hier bekommt man auch leckeren Matcha.

Warum ich hier so gerne hingehe? Ganz einfach: Der Babyccino für meinen kleinen Sohn ist hier gratis. Das finde ich sympathisch. Außerdem liegt in der Nähe unser Lieblingsspielplatz. Außerdem beziehen sie ihre Kaffeebohnen von der Berliner Kaffeerösterei – und das schmeckt man!
Lap Coffee kämpft gegen Vandalismus
Doch am Donnerstag hat unser Besuch einen bitteren Beigeschmack. Der Grund ist die schwarze Schmiererei an den Scheiben. Als ich den Barista darauf anspreche – er hat nur wenig Zeit, da er alleine hinter der Theke steht – sagt er nur: „Ja, unschön oder? Das ist nicht das erste Mal.“

Damit meint er aber nicht die Filiale in Steglitz, sondern die Geschäfte im Osten Berlins. Hier hat es auch schon Farb-Attacken gegeben. Rund 20 Läden hat Lap Coffee bereits in der Hauptstadt, bis Ende des Jahres sollen es noch 60 Stück werden. Das schmeckt nicht allen. Konkurrierende kleine Cafés und Einzelhändler, die kein großes Franchise hinter sich haben, fühlen sich von Lap Coffee bedroht.
Das sagt der Kopf hinter Lap Coffee
Auch aus der linksextremen Ecke gibt es ein paar Negativstimmen gegen das supererfolgreiche Start-up, das Ralph Hage (CEO) gegründet hat. Man wirft Lap Coffee Gentrifizierung vor, sie würden „den kleinen Mann“ verdrängen.
„Ich biete günstigen Kaffee an, das ist das Gegenteil von Gentrifizierung“, wehrte sich Hage gegenüber der taz gegen die Kritik. „Und ich treibe auch keine Mieten in die Höhe. Die Miete unserer Filialen liegt im Durchschnitt bei 2000 Euro im Monat. [...] Würde ich teuer mieten, könnte ich keine günstigen Preise anbieten.“


