Lieferung frei Haus

Gefährlicher Trend in Berlin: Dealer bieten Drogen per Klick

Immer öfter tauchen Aufkleber und Flyer auf, die für Drogen-Lieferdienste Reklame machen.

Author - Stefan Doerr
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Die sogenannten Kokain-Taxis liefern bestellte Drogen frei Haus.
Die sogenannten Kokain-Taxis liefern bestellte Drogen frei Haus.Guido Schiefer/imago

Ein Aufkleber an der Laterne, ein Flyer im Briefkasten und plötzlich ist der Weg zur Droge nur noch einen Klick entfernt. Was wie ein makabrer Lieferservice klingt, ist in einigen Berliner Kiezen längst Realität. Die neue Werbemasche von Dealern sorgt jetzt für große Sorge bei Experten.

Drogen werden wie ein Essenslieferdienst beworben

Die Landessuchtbeauftragte schlägt Alarm. Die Entwicklung sei „äußerst besorgniserregend“, sagt Heide Mutter, die in Berlin alle Fragen rund um Drogen und Sucht koordiniert. Aus ihrer Sicht wird hier eine gefährliche Grenze verschoben. „Wenn illegale Drogen wie ein Lieferdienst beworben werden und der Zugang nur noch einen Klick entfernt ist, sinkt die Hemmschwelle erheblich.“

Der QR-Code auf solchen öffentlichen Aufklebern führt zu Drogen-Bringdiensten.
Der QR-Code auf solchen öffentlichen Aufklebern führt zu Drogen-Bringdiensten.David Hammersen/dpa

Werbung erreicht Minderjährige

Tatsächlich tauchen immer häufiger Flyer in Briefkästen oder Aufkleber im öffentlichen Raum auf. Sie werben ganz offen für Drogen. Und bestellt wird per WhatsApp oder über einen QR-Code. Ein System, das an Essenslieferdienste erinnert, nur dass es hier um Kokain, Cannabis und Aufputschmittel geht.

Was die Reklame besonders brisant macht, ist die Tatsache, dass sie auch Minderjährige erreicht. „Sie begegnen solchen Botschaften im Alltag und können mit wenigen Handgriffen Kontakt zu Dealern aufnehmen.“ Genau das sei das Problem, warnt Mutter. Die einfache Verfügbarkeit könne dazu führen, dass Drogenkonsum als normal wahrgenommen wird. Risiken würden verharmlost, der Einstieg erleichtert.

Die Behörden stehen vor einer schwierigen Aufgabe. Zwar ist die Polizei mit den Methoden vertraut und versucht, dagegen vorzugehen. Doch die Verbreitung der Werbung lässt sich nur schwer kontrollieren – vor allem, wenn sie anonym und digital funktioniert.

Auch in anderen Großstädten wie Hamburg ist die Masche längst angekommen. Für die Suchtbeauftragte ist klar: Strafen allein reichen nicht. Neben konsequentem Vorgehen gegen Dealer müsse vor allem die Prävention gestärkt werden, besonders bei jungen Menschen.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com