Berlin verliert seinen bekanntesten Vogel. Der Spatz war jahrzehntelang frech, laut und überall zu sehen. Jetzt ist er plötzlich auf dem Rückzug. Zum ersten Mal wurde er sogar von der Kohlmeise überholt.
Alarmierende Zahlen aus Berlin
Zum ersten Mal seit Beginn der NABU-Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“ im Jahr 2011 ist der Haussperling nicht mehr Berlins häufigster Vogel. Die neuen Zahlen sind ein Warnsignal! Es wurde 46 Prozent weniger Spatzen im Vergleich zum Vorjahr gemeldet. Auch der Feldsperling leidet massiv – 39 Prozent weniger Sichtungen als im Vorjahr. Neuer Spitzenreiter in Berlin ist jetzt die Kohlmeise, die den Spatz von Platz eins verdrängt hat.

Beim NABU Berlin schrillen die Alarmglocken. „Der abrupte Einbruch ist alarmierend“, sagt NABU-Chef Rainer Altenkamp. Zwar gehe es Haus- und Feldsperlingen bundesweit seit Jahren schlechter, doch Berlin galt lange als letzte Bastion. Jetzt offenbar nicht mehr.
Warum die Kohlmeise profitiert
Die bekannten Gründe reichen nicht aus, um diesen Absturz zu erklären. Zu wenig Nahrung, zu wenige Nistplätze – das alles kennt man. Doch der jetzige Einbruch kam dafür zu plötzlich. Dass ausgerechnet die Kohlmeise nun an die Spitze rückt, zeigt, wie stark sich Berlins Vogelwelt gerade verändert. Der gelb-schwarze Gartenvogel gilt als besonders anpassungsfähiger Gartenvogel, der auch in der Stadt sehr gut zurechtkommt.
Was dem Spatz das Leben schwer macht
Das kalte, extrem trockene Frühjahr und der Kälteeinbruch der letzten Wochen könnten den Spatzen zusätzlich zugesetzt haben. Doch das Wetter allein erklärt den dramatischen Rückgang nicht.
In vielen Großstädten sind Spatzen schon seit Jahren auf dem Rückzug. Hauptgründe sind Sanierungen, versiegelte Flächen und der Verlust von Grünräumen. Auch in Berlin werden Innenhöfe zugepflastert, Fassaden geglättet und Büsche entfernt. Lebensräume, in denen der Spatz Nahrung findet und brüten kann, verschwinden.

