Der Name der Stiftung Preußischer Kulturbesitz auf einer Tafel. Ist er noch zeitgemäß?
Der Name der Stiftung Preußischer Kulturbesitz auf einer Tafel. Ist er noch zeitgemäß? Imago/Martin Müller

Die Wellen schlagen hoch. Es geht um die weltberühmte Berliner Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu der unter anderem die Neuen Nationalgalerie oder das Pergamon-Museum gehören. Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) will nun den Namen ändern lassen. Die Bezeichnung „Preußen“ findet sie nicht mehr passend. Nun will auch Stiftungschef Hermann Parzinger eine Umbenennung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Darf man nicht mehr „Preußen“ sagen? Auslöser war ein Beitrag im „Spiegel“. Dort fragte Kulturstaatsministerin Roth: „Was haben Andy Warhol und Joseph Beuys mit Preußen zu tun?“ Werke dieser Künstler werden in Einrichtungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gezeigt. Roth findet, dass daher der Namen der Stiftung nicht mehr passend sei und umbenannt werden muss.

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Der aktuelle Name bringe nicht „die Weltläufigkeit der Kulturgüter zum Ausdruck“, sagte Roth. „Neben der umfassenden Strukturreform, die den einzelnen Institutionen jetzt mehr Autonomie und Handlungsfähigkeit verschafft, brauchen wir in einem zweiten Schritt auch einen attraktiven, zukunftsgewandten Namen.“

Aufgrund der Bedenken der Kulturstaatsministerin will nun auch der Stiftungs-Präsident Parzinger den Namen der wichtigsten Kultureinrichtung Deutschlands ändern lassen. Er rechnet stark damit, dass es so kommen wird. Und das sei aus seiner Sicht auch notwendig.

Stiftungs-Chef: Man kann international den Namen Preußischer Kulturbesitz schwer erklären

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Imago/Jürgen Heinrich

„Wir sind ein großer internationaler Player“, sagte Parzinger der Deutschen Presse-Agentur. „Aber wenn man in internationalen Gremien Preußischer Kulturbesitz ins Französische, Englische oder Spanische übersetzt, muss man immer erklären, worum es sich handelt und warum eine der weltweit größten deutschen Kultureinrichtungen diesen Namen trägt.“

Weiter erklärt der Stiftungs-Präsident: „Wir befinden uns in einer Phase, in der wir nicht nur zurückblicken können, sondern nach vorne in die Zukunft schauen müssen.“

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Es gehe auch um globalen Wettbewerb. Der Wunsch nach Kooperationen mit der Stiftung sei eine Riesenchance, etwa um ein neues Verhältnis zum globalen Süden zu entwickeln. Das sei eine wichtige Aufgabe für viele Kultureinrichtungen weltweit. „Wir haben als großer Verbund eine hohe und vielfältige Kompetenz, die wir einbringen wollen. Deshalb wäre ein Name gut, der nicht nur unsere zweifellos wichtigen Wurzeln betont, sondern auch eine Perspektive für die Zukunft eröffnet.“

Zu den Kritikern der Pläne der Kulturstaatsministerin Roth gehört unter anderem der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse ( SPD). Im „Spiegel“ sagte er zu den Äußerungen der Grünen-Politikerin, sie seien ein  „Versuch, sich von geschichtlichen Lasten zu befreien“ und einen „neuen deutschen Sonderweg“ zu gehen. Er warf den Grünen vor, sie würden „mit moralischem Furor Geschichtsreinigung“ betreiben.

Der4 Stiftungs-Chef erklärt, die Namensfrage sei zwar wirklich nicht das Wichtigste. „Dennoch halte ich es für relevant, sich dieser Frage zuzuwenden“, sagt Parzinger. Es müsse ein Prozess sein, in den Mitarbeiterschaft und Träger einzubinden seien. „Dieser Prozess muss auch von Werten, Überzeugungen und Visionen ausgehen.“

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne)
Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) dpa/Monika Skolimowska

Mit der anstehenden Reform der von Bund und Ländern getragenen Stiftung erhofft sich Parzinger eine Stärkung ihrer einzelnen Teile. „Es ist zentral, dass die Einrichtungen mehr Autonomie und Verantwortung bekommen,“ sagte er. „Wir müssen die Marken wie den Hamburger Bahnhof, das Pergamonmuseum oder die Gemäldegalerie stark machen. Das sind die Marken, die die Leute kennen.“ Die Stiftung werde dadurch weniger zentralistisch, sondern ein Verbund von Einrichtungen, die durch ihre Sammlungen zusammengehörten und für gemeinsame Werte stünden. „Auch in Ausstellungsprojekten soll dieser Mehrwert künftig sichtbar werden.“

Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist finanziell vom Bund abhängig

Das Bode-Museum auf der Museumsinsel im Ostteil Berlins - auch sie gehört zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
Das Bode-Museum auf der Museumsinsel im Ostteil Berlins - auch sie gehört zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Imago/Imagebroker

Sich den Wunsch der Kulturstaatsministerin zu beugen, hat auch einen anderen Grund. Träger der Stiftung sind Bund und Länder, sie wird vor allem mit Geldern des Bundes finanziert. 75 Prozent des -Betriebshaushaltes sowie 100 Prozent des Bauhaushaltes zahlt er. Für 2021 wurde der Betriebshaushalt mit rund 237 Millionen Euro angegeben. Für Bauvorhaben waren rund 106 Millionen Euro vorgesehen.

Die Stiftung ist also finanziell vom Bund abhängig. „Bund und Länder wissen, dass ohne mehr Geld und mehr Personal die Reform nur Stückwerk bleibt“, sagt Parzinger. Vor allem bei den Museen gebe es enorme Defizite in der Personal- und Finanzausstattung, etwa in Bereichen wie Bildung und Vermittlung oder Social Media. „Ein Qualitätszuwachs ist mit den bestehenden Ressourcen nicht zu leisten.“

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Bund und Länder haben aus Sicht Parzingers die Finanzierungsdefizite anerkannt. „Sie möchten bis zum Sommer 2023 einen Plan vorlegen, wie sie das verbessern wollen. Das ist ein wichtiges Zeichen.“

Zur Stiftung mit rund 2000 Mitarbeitern gehören neben Staatsbibliothek und anderen Institutionen auch die Staatlichen Museen in Berlin, deren 15 Sammlungen mit 4,7 Millionen Objekten an 19 Standorten präsentiert werden. Die 1957 im damaligen West-Berlin gegründete Stiftung gilt als zu behäbig, ihre Museen international nicht auf der Höhe ihrer Möglichkeiten.