Er war Tätern auf der Spur, jahrzehntelang. Nun prüfen Richter: Plünderten eine Altenpflegerin und ihre Familie die Konten des an Demenz erkrankten Ex-Oberstaatsanwalts (79) und verprassten über 200.000 Euro?
Familientreffen vor Gericht: Agata F. (46), die Hauptangeklagte, tupfte ein paar Tränen weg. Sie sitzt seit neun Monaten in U-Haft, will mit dem betagten Oberstaatsanwalt a. D. verlobt gewesen sein. Mitangeklagt Sohn Oliver (25), Tochter Sarah (23) und Ex Dominik F. (50). Bizarr: Das Verfahren ins Rollen gebracht haben soll der jüngere Liebhaber der attraktiven Agata F. mit einer Anzeige.
Sie pflegte erst die Ehefrau des Pensionärs, bis zu deren Tod am 5. Dezember 2021. Einen Tag später soll Agata F. begonnen haben, sich dreist an den Bankkonten des Witwers zu bedienen. Die Anklage: „Unter Ausnutzung des Vertrauens und der emotionalen Zuneigung des körperlich eingeschränkten und seit 2013 an Demenz erkrankten Mannes“.
Die Hochzeit mit dem Witwer stand bevor, als Polizei die Feier platzen ließ: Einen Tag vor dem geplanten Ja-Wort wurde die Pflegerin abgeführt. Ihr Verteidiger: „Die Staatsanwaltschaft meint offenbar, sie habe ihn zur Hochzeit gedrängt. Das trifft nicht zu.“ Sie habe berichtet: „Zwar keine Liebesheirat, aber bei ihm fühle ich mich geborgen und in einem ruhigen Hafen angekommen.“
Um schnöden Betrug geht es in der Anklage: Insgesamt 171 Taten, teils gemeinschaftlich begangen. Immer wieder Geld an Automaten abgehoben, Einkäufe im Supermarkt oder im Internet bezahlt, maßgefertigte Möbel geordert, Autoreparaturen oder eine Badsanierung beglichen, schöne Auslandsreisen und Wochenendtouren gebucht.
Pflegerin wollte den Demenzkranken heiraten
Bis zum 23. Mai 2023 habe die Pflegerin 172.428 Euro erlangt, ihr Sohn rund 34.300 Euro, die Tochter 3.023 Euro, der Ex gerade mal 364 Euro. Die Anklage lautet auf Computerbetrug in einem besonders schweren Fall. Die Polin nun mit Unschuldsmiene. Vorstrafen lassen sie in einem anderen Licht erscheinen. 2014 verurteilt zu vier Jahren Haft. Sie hatte als Krankenpflegerin in Ausbildung in Kliniken aus Sachen gerade operierter Rentner die Schlüssel geklaut.
Damit sind sie und in einigen Fällen auch ihr Mann in Wohnungen. 15 Opfer laut Urteil. Damals der Richter: „Beide müssen sich ein erschreckendes Maß an Gewissenlosigkeit vorwerfen lassen.“ Der Ex erhielt zweieinhalb Jahre Haft. Dann sieben Monate Knast, weil die Pflegerin eine an Demenz erkrankte Frau beklaut hatte. Zuletzt gab es im September 2023 ein Jahr und zehn Monate wegen Betrugs zum Nachteil einer betagten Frau, das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.



