Training in Tiergarten

Hier geht Berlins Polizei-Nachwuchs  zum ersten Mal auf Streife

Auf der Straße des 17. Juni stoppen Polizei-Azubis Autofahrer. Die Verkehrskontrollen sind eine Generalprobe für den Ernstfall.

Author - Jana Hollstein
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Polizeikommissaranwärter Hans Clemens nimmt an der Verkehrskontrolle mit dem Schwerpunkt Alkohol und Drogen im Straßenverkehr auf der Straße des 17. Juni teil.
Polizeikommissaranwärter Hans Clemens nimmt an der Verkehrskontrolle mit dem Schwerpunkt Alkohol und Drogen im Straßenverkehr auf der Straße des 17. Juni teil.Jens Kalaene/dpa

„Bitte den Führerschein!“ Autofahrer wurden am Montag auf der Straße des 17. Juni in Berlin-Tiergarten herausgewunken. Von etwa 30 Polizeianwärtern. Die führten dort als Teil ihres theoretisch-praktischen Studiums an der Polizeiakademie Verkehrskontrollen mit dem Schwerpunkt Alkohol und Drogen durch.

Junge Nachwuchspolizistinnen und -polizisten in Berlin reizen die vielfältigen Herausforderungen und Aufgaben an ihrem zukünftigen Beruf. „Es gibt einen abwechslungsreichen Alltag, man kommt mit vielen Leuten in Kontakt, lernt viel“, erklärt eine angehende Polizeikommissarin ihre Berufswahl bei einer umfangreichen Verkehrskontrolle der Polizei, die zugleich eine Ausbildungsveranstaltung ist. Bei den Kontrollen waren Beamte an ihrer Seite, auch Drogenspürhunde und Kräfte der Begleitschutz- und Verkehrshundertschaft waren dabei.

Jeder Polizeianwärter findet seinen eigenen Weg

Als Frau, die dazu noch eher klein sei, profitiere sie von ihrem selbstsicheren und souveränen Auftreten, berichtet die 23-Jährige bei ihrer ersten Verkehrskontrolle über Erfahrungen im Polizei-Job. Auch wenn man in der Ausbildung Selbstverteidigung lerne, sei ihre Strategie, so viel wie möglich mit den Menschen zu sprechen. „Meine Taktik ist, alles, was geht, mit dem Mund und der Sprache zu machen.“

Die Verkehrskontrolle mit dem Schwerpunkt Alkohol und Drogen im Straßenverkehr ist für Polizisten in spe eine wichtige Lernerfahrung.
Die Verkehrskontrolle mit dem Schwerpunkt Alkohol und Drogen im Straßenverkehr ist für Polizisten in spe eine wichtige Lernerfahrung.Jens Kalaene/dpa

Wenn Menschen sich respektlos gegenüber Polizisten verhalten, sei es wichtig, dass man weiß, „in dem Moment“ ist die Person „nicht sauer mir gegenüber, sondern der Polizei, erzählt ein 21 Jahre alter Anwärter mit Migrationshintergrund. Ähnlich mache er es beim Erleben von Rassismus. Er habe das bereits im Praktikum erlebt.

Polizist werden, um Kindern und Opfern zu helfen

Eine Frau spricht offen von der „Herausforderung“ der Polizeiarbeit für sie. Sie habe zuvor Soziologie und Politik studiert und in einem Energieunternehmen gearbeitet, aber das sei nichts für sie gewesen. Nun interessiere sie sich vor allem für die Arbeit der Kriminalpolizei. „Ich finde Wirtschaftskriminalität unheimlich interessant zu bearbeiten. Ich finde aber auch, dass man Kindern helfen muss im Bereich der Sexualdelikte.“ Sie sei sich der Verantwortung, in dem Bereich zu arbeiten, bewusst und nehme sie sehr ernst. „Das ist manchmal etwas beängstigend, aber am Anfang wahrscheinlich auch normal.“

Diese Polizeianwärterin durfte ihr erstes Zettelchen ausstellen.
Diese Polizeianwärterin durfte ihr erstes Zettelchen ausstellen.Jens Kalaene/dpa

Der künftige Kommissar Hans Clemens hat vor seinem Polizeistudium ebenfalls einen anderen Beruf ausgeübt. Er arbeitete beim Radio. Bei der Verkehrskontrolle tritt er unter anderem auch als Pressesprecher auf.

Zugleich hat er einen ganz persönlichen Grund für die Berufswahl. „2003 wurde mein Vater erstochen. Und es gibt keine Zeugen dafür.“ Der Täter habe von Notwehr gesprochen und nur eine kurze Gefängnisstrafe erhalten. Als Kind habe er sich damals nicht gut von der Polizei betreut gefühlt und wolle das anders machen.

Polizisten in spe mausern sich bei Verkehrskontrolle gut

Insgesamt sei der Einsatz erfolgreich gewesen, sagt Clemens. Die Kontrollierten seien alle nüchtern gewesen, aber es wurde einmal Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie gefälschte Papiere aufgedeckt. Außerdem hätte es Fälle von Fahren über Rot, mit Handy am Steuer und ohne Gurt gegeben.

Polizeikommissar Ömer Keleşoğlu zeigt sich auch zufrieden mit den Anwärtern. „Es war die Generalprobe für die Zeit nach dem Studium und ich denke, das haben sie alle sehr gut gemeistert.“ (mit dpa)

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