Die Temperaturen steigen, die Klassenzimmer heizen sich auf und die Frage nach Hitzefrei steht wieder im Raum. Schülerinnen und Schüler werden entweder müde und passiv oder unruhig und gereizt, produktives Lernen fällt deutlich schwerer. Doch ein einfaches „Unterricht fällt aus“ gibt es an Berliner Schulen kaum noch. Stattdessen müssen Schulleitungen individuell entscheiden, wie sie mit der Hitze umgehen.
Kein einheitliches Hitzefrei in Berlin
Wenn Berlin schwitzt, hoffen viele Schülerinnen und Schüler auf eines: Hitzefrei. Doch eine feste Regel gibt es nicht. „Ganz grundsätzlich ist es immer ins Ermessen der jeweiligen Schulleiterin und des Schulleiters gestellt“, sagt Dr. Hanno Rüther vom Lehrerverband zum KURIER.

Warum? Die Gebäude sind zu unterschiedlich. Manche Schulen haben moderne Räume, andere große Glasfronten. „Das sieht super aus, aber ist schrecklich bei dem Wetter“, so Rüther aus eigener Erfahrung als Grundschulleiter. Deshalb werde vor Ort entschieden.
Statt früher Schluss: Kurzstunden bis mittags
Für viele Klassen ist klassisches Hitzefrei passé. In den Grundschulen gilt offiziell ein anderes Modell: verkürzter Unterricht. Heißt konkret:
Eine Schulstunde dauert dann nicht mehr 45, sondern 30 Minuten. So kommen die Kinder trotz Hitze auf mehrere Stunden Unterricht, meist bis kurz vor Mittag. Rüther erklärt den Vorteil:
„Der Vorteil ist, dass nicht immer die letzten beiden Stunden mit ihren jeweiligen Fächern ausfallen, sondern dass alle Fächer eines Tages gleichmäßig betroffen sind.“ Doch es gibt auch Kritik: „Der Nachteil ist, es ist eine ziemlich hektische Angelegenheit.“ Häufiger Raumwechsel, schneller Lehrerwechsel, kaum Zeit für konzentriertes Arbeiten.
Wann ist wirklich Schluss?
Offiziell ist das Kurzstunden-Modell Standard. In der Praxis sieht es laut Rüther oft anders aus. Jede Schule entscheidet, was am besten funktioniert und wann Schulschluss ist. Ziel ist immer dasselbe: Trotz Hitze noch sinnvoll lernen.
Eine klare Tendenz zeigt sich bei älteren Kindern: Je höher die Klasse, desto eher gehen sie früher nach Hause. „In der vierten Klasse gehen etwa 80 Prozent zwischen 11:30 und 12:30 heim und ab der fünften Klasse sind es fast alle“, so Rüther. Je jünger die Schülerinnen und Schüler sind, desto stärker reagieren sie auf die Hitze.
Wichtiger Punkt für Eltern: Betreuung bleibt
Für Familien entscheidend: „Es wird keine Schülerin, kein Schüler nach Hause geschickt, wenn das für die Eltern nicht passt“, betont Rüther. Die verlässliche Grundschulbetreuung läuft weiter, ebenso der Hort. Wer Betreuung braucht, bekommt sie auch bei Hitze.

Eine klare Ansage gibt es für ältere Schülerinnen und Schüler: In der Sekundarstufe II gibt es grundsätzlich kein Hitzefrei. Während jüngere Kinder entlastet werden, müssen Oberstufenklassen den normalen Unterricht durchziehen.


