Berlin bibbert bei Minusgraden. An der Rummelsburger Bucht weht ein besonders kräftiger Wind. Gerade im Winter kann das sehr ungemütlich sein – für die Hausboot-Besitzer. Bis zu 120 Menschen leben hier am und im Wasser, in den Wintermonaten sind es weniger. Christian P. Doetsch (52) und Mark Ustrup (27) lieben das Leben auf dem Wasser und zeigen dem KURIER, mit welchen Herausforderungen sie derzeit zu kämpfen haben.
Das Wichtigste ist die Wärme. Doetsch hat einen Ofen und legt immer wieder Holz nach. Vorteil des Ofens: Nach rund 15 Minuten spürt man bereits eine angenehme Temperatur, die über 20 Grad steigt. Wie in einer normalen Wohnung.
Doetsch berichtet über andere Schwierigkeiten: „Die zufrierenden Leitungen, wenn es wirklich so kalt ist wie momentan. Man muss versuchen, eine beständige Wärme im Boot zu haben, damit man sich normal bewegen kann. Und dann ist da natürlich das Stromproblem.“

Seine Energie holt sich der Regieassistent über Solar. Im Winter gibt es allerdings keine Sonnen-Garantie. Ein Notstromaggregat muss jeder an Bord haben. Ustrup heizt mit Gas. Nachteil: Es kann schon ein paar Stunden dauern, bis sich das Boot aufwärmt. Seine 15 Kilogramm schwere Powerstation muss regelmäßig aufgeladen werden.
Ustrup darf seine Powerstation im Fitnessstudio aufladen
Der Däne: „Ich habe einen Deal mit meinem Gym, dort darf ich meine große Powerstation zwei-, dreimal in der Woche mitnehmen. Das ist bei dem Gewicht eine Herausforderung.“ Doch Ustrup ergänzt: „Es hört sich vielleicht hardcore an, aber für mich ist das gut.“ Er zeigt nach draußen: „Schau mal, wie schön es ist. Es ist wirklich ein super, super schöner Ausblick.“ Neben der Heizungsform ist die Isolierung entscheidend. Doetsch: „Das Hausboot ist schon isoliert gebaut worden. Da sind Dämmmaterialien drin, die das Boot, wenn es einmal warm ist, auch warm halten.“ Ustrup hat sein selbstgebautes Boot mit Dämmplatten versehen.

Während Doetsch von der Spundwand direkt auf sein Boot kann, befindet sich Ustrops Boot mitten auf dem Wasser, über 50 Meter vom Ufer entfernt. Eine besondere Aufgabe, denn wenn die Bucht zufriert, kann er nicht ohne Weiteres sein Kanu nehmen und rüberpaddeln. Er muss sich dann seinen Weg durchs Eis freischlagen. Das kann schon mal 30 Minuten dauern. Momentan ist das Eis so dick, dass er zum Stralauer Ufer laufen kann.

Viele Mühe insgesamt. Aber die ist es wert, sagt Ustrup: „Ich habe vieles probiert: alleine wohnen, Wohnmobil, WG, Zelt, Hotel, Hostel – alles. Ein Hausboot ist für mich das Beste. Es ist die Freiheit und das Leben in der Natur. In Berlin leben vier Millionen Leute, aber hier fühlt es sich an wie auf dem Land in Dänemark, besonders jetzt im Winter.“ Wann ist es angenehmer, im Sommer oder Winter? Ustrup: „Beides ist schön: Hochsommer oder Hochwinter. Wenn wie jetzt im Winter alles gefroren ist, mag ich das.“

Das Wohnen auf dem Hausboot ist eine Frage der Haltung. Doetsch: „Das Leben auf einem Hausboot hat natürlich seine Herausforderungen, aber die gehören dazu. Auch wenn es schärfere Tage gibt, wie jetzt mit der Kälte und dem Eis. Wir haben uns dieses Leben oder diese Lebensform ja ausgesucht, um letztendlich ein Stück weit eine gewisse Individualität zu haben und ein bisschen alleine zu sein.“




