Sie versorgte Berlins Obdachlose

Armen-Ärztin Jenny De la Torre: Ihr Tod hinterlässt eine Riesenlücke

1976 kam sie mit einem Stipendium in die DDR, wurde Fachärztin für Kinderchirurgie. Jetzt starb Jenny De la Torre nach langer, schwerer Krankheit.

Author - Berliner KURIER
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Jenny De la Torre war Berlins Armenärztin.
Jenny De la Torre war Berlins Armenärztin.Delatorre-Stiftung

Berlin trauert um eine beeindruckende Persönlichkeit: Jenny De la Torre, die wohl bekannteste Obdachlosenärztin der Hauptstadt, ist am Dienstag nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Das teilte ihre eigene Stiftung auf der Webseite mit. Mit ihrem Tod verliert Berlin eine Frau, die ihr Leben bedingungslos in den Dienst der Ärmsten stellte.

„In tiefer Trauer nehmen wir Abschied von unserer Stiftungsgründerin“, heißt es auf der Stiftungs-Homepage. Bekannt wurde De la Torre in den 90er-Jahren, als sie nach der Wende obdachlosen Menschen am Ostbahnhof medizinisch half – unbürokratisch, kostenlos und mit unerschütterlicher Hingabe. Schon bald galt sie bundesweit als Symbol für gelebte Solidarität.

Geboren 1954 im peruanischen Nasca Ica, wuchs Jenny De la Torre in bescheidenen Verhältnissen auf. 1976 kam sie mit einem Stipendium in die DDR, wurde Fachärztin für Kinderchirurgie und promovierte an der Charité. Doch statt einer klassischen Karriere entschied sie sich für einen anderen Weg: den an die Ränder der Gesellschaft.

Seit 1994 war sie unermüdlich für Menschen da, die durch jedes Raster gefallen waren. 2002 gründete sie mit dem Preisgeld der „Goldenen Henne“ ihre eigene Stiftung. Vier Jahre später eröffnete sie in Berlin-Mitte ein Gesundheitszentrum für Obdachlose – ein Ort, an dem bis heute medizinische, zahnärztliche, psychologische und soziale Hilfe unter einem Dach geboten wird.

Jenny De la Torre war Hoffnungsträgerin und Mutmacherin

Jenny De la Torre war mehr als eine Ärztin. Sie war Hoffnungsträgerin, Mutmacherin, Mensch in Reinform. Darum blieb ihre Arbeit nicht unbeachtet: 1997 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz, später die Louise-Schroeder-Medaille und den Deutschen Stifterpreis. Aber für sie zählten nie die Auszeichnungen, sondern das, was sie bewirken konnte.

So verabschiedet sich die Torre-Stiftung von Jenny De la Torre.
So verabschiedet sich die Torre-Stiftung von Jenny De la Torre.delatorre-stiftung.de

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner würdigte sie als „eine wichtige Stimme im Kampf gegen die Obdachlosigkeit“. Die Stiftung schreibt in ihrem Nachruf: „ ... mit ihrem Tod verlieren wir eine Frau, deren Leben und Wirken untrennbar mit der Idee von gelebter Solidarität verbunden sind“.

Und Ina Czyborra, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, teilte am Donnerstag bestürzt mit: „Dr. de la Torre Castro war eine herausragende Persönlichkeit, die mit ihrem Leben und Wirken Maßstäbe gesetzt hat. Ihr unermüdlicher Einsatz für die Schwächsten unserer Gesellschaft wird uns stets ein Vorbild bleiben“ (km mit epd).