Badegäste wurden ausgeraubt, sexuell belästigt und geschlagen. Es kam sogar zu Massenschlägereien – diesen Sommer gab es täglich Negativ-Schlagzeilen aus den Berliner Freibädern. Weil die Lage so übel war, wurden mitten in der Saison die Sicherheitsvorkehrungen in einigen Bädern verschärft. Doch viele Berliner haben sich hier einfach nicht mehr wohlgefühlt. Kein Wunder! Eine Bilanz zu allen Freibad-Vorfällen dieses Jahr zeigt jetzt, wie viele Straftaten es tatsächlich gegeben hat.
Mehrere Straftaten täglich

Polizei und private Sicherheitskräfte hatten diesen Sommer in Berlins Freibädern viel zu tun! Das geht aus einer Antwort des Senats auf eine Anfrage von der Abgeordneten Klara Schedlich (Grüne) und Vasili Franco (Grüne) hervor. Insgesamt kam es in den Sommerbädern der Hauptstadt zu 310 Straftaten. 87 davon waren Körperverletzungen und andere Gewaltvorfälle sowie kleinere Sexualdelikte, die angezeigt und von der Polizei erfasst wurden. Die restlichen 223 waren andere Straftaten wie Diebstähle und Sachbeschädigungen.
Wer sich daneben benommen hat, ist rausgeflogen! 143 Hausverbote mussten die Berliner Bäderbetriebe in dieser Saison aussprechen. Die meisten davon (34) im Sommerbad Pankow, dicht gefolgt vom Sommerbad Humboldthain (32). In drei Fällen waren die Ausschreitungen so schlimm, dass das gesamte Bad geräumt werden musste – jedes Mal war das Sommerbad Neukölln (Prinzenbad) betroffen: Die Polizei musste stets wegen (teilweise gewalttätigen) Massenansammlungen von Jugendlichen in dem Bad anrücken.
Als Sicherheitsmaßnahme wurde bei einigen Freibädern diesen Sommer eine Ausweispflicht am Einlass eingeführt. Wer sich nicht ausweisen konnte, durfte abgewiesen werden: Insgesamt wurden fast 21.000 Besucher aus diesem Grund nicht in die Bäder gelassen. Am häufigsten geschah das im Sommerbad Neukölln (5631 Mal), im Strandbad Wannsee (4151 Fälle) und im Columbiabad in Neukölln (2992).
1,4 Millionen für Sicherheitsmaßnahmen: Haben sie was gebracht?

Aufgrund der vielen Gewaltvorfälle wurde in ein paar Freibädern Videoüberwachung eingeführt, außerdem wurden die privaten Sicherheitskräfte an vielen Stellen aufgestockt. Die Maßnahmen waren am Ende ganz schön teuer: 1,4 Millionen Euro wurden für mehr Sicherheit in Berlins Sommerbädern ausgegeben – geplant war ursprünglich nur die Hälfte der Summe. Aber hat sich das auch gelohnt?
Die Berliner Bäder-Betriebe haben zu den Maßnahmen Stellung bezogen. So hätten beispielsweise die Ausweiskontrollen gut gewirkt, um mithilfe der Identitätsfeststellung wirksamer Hausverbote erteilen zu können. Auch zur Prävention/Abschreckung sei es eine hilfreiche Maßnahme gewesen. Jedoch habe es manchmal an der Umsetzung gehapert: Bei hohem Andrang am Eingang eines Freibads sei ein Abgleich der Personalien mit der Hausverbotsliste nicht machbar. Deshalb prüfe man nun die Machbarkeit einer digitalen Lösung.
Und wie sieht es mit der Videoüberwachung aus? Hier wurde die präventive Wirkung positiv bewertet, da das Risiko einer späteren Identifizierung abschreckend wirkt. Ohne solch eine Möglichkeit sei die Identifizierung von Straftätern fast unmöglich gewesen. Nach Aussagen der Polizei bot die Videoüberwachung eine „gute Unterstützung“ in der Strafverfolgung.
Polizei und Bäderbetriebe mit Maßnahmenentwicklung zufrieden

Insgesamt scheint man zufrieden mit den Ergebnissen der Sicherheitsmaßnahmen zu sein! „Gemäß der Polizei Berlin ist seit Beginn der Umsetzung der Maßnahmen eine positive Entwicklung in den Freibädern durch die durchgeführten Maßnahmen zu erkennen“, so der Senat. Die mittel- und langfristigen Maßnahmen würden sich derzeit noch in der Umsetzung in Vorbereitung auf die Freibadsaison 2024 befinden.
Auch laut Aussage der Berliner Bäder-Betriebe habe der Maßnahmen-Mix aus verändertem Einlassmanagement, konsequenter Aussprache von Hausverboten, Erteilung von Anzeigen, Verhinderung des unkontrollierten Zugangs durch Verstärkung der Zaunanlagen, punktueller Polizeipräsenz, Verstärkung des Sicherheitspersonals und das Nutzen von Videotechnik Wirkung gezeigt.



