Berlin hat ein gut ausgebautes Netz an Tempo-30-Zonen, insbesondere in Wohngebieten und um Schulen. Das scheint sich auszuzahlen. Laut einer Studie führt Tempo 30 auf Straßen zu weniger Unfällen und in der Regel zu kaum längeren Fahrzeiten – trotz geringerer Geschwindigkeit.
Das ist das Ergebnis der Björn-Steiger-Stiftung. Die hatte eine Untersuchung von 14 Städten durchgeführt und kam zu dem Schluss: Eine flächendeckende Einführung einer solchen Geschwindigkeitsbegrenzung besitze ein erhebliches Potenzial, Innenstädte sicherer, gesünder und lebenswerter zu gestalten.
Die Björn-Steiger-Stiftung hat nach eigenen Angaben Studien ausgewertet, die Innenstädte mit Tempolimits betrachtet haben, darunter Berlin, Belfast, Graz, Helsinki, London und Toronto. Die Stadt Graz in Österreich habe bereits 1992 als erste europäische Großstadt beschlossen, dass auf 80 Prozent ihres Straßennetzes nicht schneller als 30 Kilometer pro Stunde gefahren werden dürfe. Seither zogen andere Städte nach.
Wie wirkt sich Tempo 30 auf das Unfallrisiko aus?
In Berlin gelten laut der Senatsverwaltung für Verkehr häufig vor Grundschulen und Kindergärten sowie auf Abschnitten, wo vermehrt Unfälle passierten, Tempolimits – zum Schutz der Kinder. Sie seien auch nötig, um die Nachtruhe zu schützen. Die Hauptstadt hatte zuletzt aber auch Kritik für ihre Entscheidung geerntet, 30er-Zonen auf einigen Abschnitten abzuschaffen.
Der Björn-Steiger-Stiftung zufolge hat eine niedrigere Geschwindigkeit einen positiven Effekt auf die Sicherheit. So liege die Wahrscheinlichkeit für die tödliche Verletzung eines Fußgängers bei einem Zusammenstoß mit einem Fahrzeug, das etwa 24 Kilometer pro Stunde (km/h) fährt, bei 3,5 Prozent – bei Tempo 49,9 bereits bei 37 Prozent.
Benötigen Autofahrer wirklich länger?
Untersucht wurde zudem, ob mit Einführung von Tempo 30 weniger Fahrzeuge unterwegs waren. Rückgänge seien zum Beispiel in Edinburgh und Bologna festgestellt worden. Belastbare Ergebnisse lägen aber nicht für alle untersuchten Gebiete vor, hieß es in der Studie der Stiftung, die sich um moderne Nothilfe und Projekte kümmert, die Leben retten.
Sind Autofahrer länger unterwegs, wenn nur noch 30 erlaubt sind? Die Studie verweist auf eine Auswertung von GPS-Daten im Vereinigten Königreich, wonach sich die Fahrtzeiten nach der Einführung in Wohngegenden um drei Prozent und im Stadtzentrum um fünf Prozent erhöhten. Das entspreche einer Zunahme der Reisezeit von weniger als einer Minute auf einer fünf Meilen (rund acht Kilometer) langen Strecke.
Was sind die Schlussfolgerungen der Studie?
„Insgesamt erweist sich die Einführung von Tempo 30 als wirkungsvoller Hebel für die Stadtentwicklung“, sagte der Leiter der Björn-Steiger-Unfallforschung, Siegfried Brockmann. „Sie verbessert die Verkehrssicherheit, reduziert Emissionen und Lärmbelastung und steigert gleichzeitig die Lebensqualität.“
Brockmann forderte die Städte in Deutschland auf, die Möglichkeiten der Straßenverkehrsordnung konsequenter zu nutzen: „An hochfrequentierten Schulwegen und vor Zebrastreifen muss grundsätzlich Tempo 30 gelten.“
Was sagen andere Studien zu Tempo-30-Zonen?
Das Umweltbundesamt hatte in einer Studie von 2023 festgestellt, wegen der deutlich positiven Wirkungen auf die Lärmentlastung und die Verkehrssicherheit sei es sinnvoll, „Tempo 30 als innerörtliche Regelgeschwindigkeit einzuführen“. 2024 bekamen Städte und Gemeinden vom Bund mehr Spielraum für die Einrichtung von Tempo-30-Zonen.


