Taxi-Fahrten in Berlin könnten nach der Preisanpassung am Dienstag immer seltener werden. Um 20 Prozent steigen die Preise.
Taxi-Fahrten in Berlin könnten nach der Preisanpassung am Dienstag immer seltener werden. Um 20 Prozent steigen die Preise. Wolfgang Kumm/dpa

Taxi-Fahren ist für die meisten Menschen eh schon Luxus. Und der wird jetzt noch teurer! Um krasse 20 Prozent steigen die Preise ab Dienstag. Und trotzdem ist die Branche in heller Aufregung. In Berlin quittieren bis zu drei Fahrer ihren Job – täglich! Noch sind rund 5500 Taxis in der Hauptstadt unterwegs. Aber mit der satten Preiserhöhung droht der endgültige K. o.

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„Wir verlieren im Moment ein bis drei Fahrzeuge – täglich“, sagte Leszek Nadolski von der Taxi-Innung Berlin der Deutschen Presse-Agentur. Die Branche stehe etwa durch Konkurrenten wie Uber mit seinen flexiblen Preisen erheblich unter Druck. Zudem sei es ein „Versagen der Politik“, dass die Preiserhöhungen erst jetzt kämen. Nadolski zufolge hat die Branche schon vor einem Jahr auf eine Preisanpassung gedrungen – die Politik sei dann aber viel zu langsam vorgegangen.

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Taxipreise steigen ab Dienstag um durchschnittlich 20 Prozent

Die Taxipreise steigen ab Dienstag um durchschnittlich 20 Prozent. Das beschloss der Senat Anfang November. Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) begründete die Tariferhöhung damals mit gestiegenen Kosten für die Taxibranche. Diese seien auf hohe Energiepreise, aber auch einen höheren Mindestlohn zurückzuführen. Die neuen Tarife betreffen praktisch alle Grund- und Kilometerpreise sowie Zuschläge in den Tarifstufen 2 und 3. Einzig der Pauschaltarif für Kurzstrecken bis zwei Kilometer (Tarifstufe 1) bleibt unverändert bei sechs Euro.

Als großen Konkurrenten nimmt die Branche vor allem den Fahrdienstvermittler Uber wahr, der per App Fahrer vermittelt. „Nachts kann man kaum mehr ein Geschäft machen, da ist Uber schon sehr stark“, sagte Nadolski. Uber arbeitet dabei vor allem mit Mietwagenunternehmen zusammen, es gibt aber auch Kooperationen mit Taxifahrern, wie das Unternehmen mitteilte. Während im Taxi der Fahrpreis in der Regel erst während der Fahrt über das Taxameter bestimmt wird, bekommen Kunden bei Uber schon vor der Buchung den Endpreis für die mögliche Dienstleistung angezeigt.

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Leszek Nadolski, Taxifahrer und Vorsitzender der Berliner Taxi-Innung, sitzt in seinem Fahrzeug im Taxi-Zentrum.
Leszek Nadolski, Taxifahrer und Vorsitzender der Berliner Taxi-Innung, sitzt in seinem Fahrzeug im Taxi-Zentrum. Carsten Koall/dpa

Ein solches System mit Festpreisen bereits beim Einstieg ins Fahrzeug wünscht sich Nadolski auch für die Taxen. „Alle wollen von Anfang an wissen, was die Fahrt kosten wird“, sagte Nadolski. Auch Zonenpreise wären seiner Ansicht nach hilfreich, beispielsweise für Fahrten vom Hauptstadtflughafen BER Richtung Hauptbahnhof oder Kurfürstendamm. Solche Festpreise sind in der neuen Berliner Taxiverordnung nicht vorgesehen.

Krise der Taxi-Unternehmen spitzt sich zu

Profitiert also nun Uber, wenn die regulären Taxipreise auch noch um 20 Prozent steigen? Der Fahrdienstvermittler sieht die Entwicklung kritisch. „Ein Anstieg der ohnehin hohen Taxipreise wird sehr wahrscheinlich einen Rückgang der Nachfrage und somit der Auslastung bei Taxis zur Folge haben. Da wir alleine in Berlin mit rund 1000 Taxifahrern kooperieren, schaden steigende Taxitarife und damit einhergehend sinkende Fahrgastzahlen auch unserem Geschäft“, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Die Flexibilisierung der Taxipreise biete dagegen noch „ungenutzte Chancen“.

Sollte sich die Krise der Taxi-Unternehmen weiter zuspitzen, hätte das auch Folgen für den Bereich der Krankenbeförderung, zum Beispiel zur Dialyse oder nach Bestrahlungen. Nadolski sieht die Taxifahrer hier in zentraler Rolle. Die Patienten hätten keine Alternative zum Taxi, „manchmal schaffen sie nach einer Behandlung nicht mal mehr den Weg ins Taxi“, sagt Nadolski.

Der Verband der Ersatzkassen, ein Vertragspartner der Berliner Taxi-Innung, will die neuen Preiserhöhungen aber nicht übernehmen und stattdessen am bisherigen Vertrag mit alten Tarifen festhalten. Nadolski hofft in dieser Frage nun auf die Hilfe der Behörden.