Mit einem Lächeln im Gesicht stellte sich Mauro Lustrinelli am Donnerstag erstmals der Hauptstadt-Presse vor. Der 50-jährige Schweizer, der mit Beginn der Sommer-Vorbereitung Ende Juni den 1. FC Union Berlin trainiert, war höflich, ruhig, aber auch bestimmt. „Wie sie merken, ist mein Deutsch noch nicht so gut, aber ich gebe mein Bestes, dass wir gut kommunizieren können“, sagte Lustrinelli zum Einstand. Danach wurde er sportlich.
Prinzipien wichtiger als das System
„Ich verlange als Trainer sehr viel, auch von mir selbst“, erklärte der ehemalige Coach des FC Thun. Mit dem Aufsteiger hatte er gerade erst sensationell die Schweizer Meisterschaft gefeiert. In einem 4-4-2-System hatte er seine Elf bevorzugt spielen lassen. Das System sei aber gar nicht so wichtig, erklärte Lustrinelli. „Es geht immer um die Prinzipien!“

Der neue Chef an der Seitenlinie soll bei den Eisernen den Spielstil nachhaltig verändern. Aktiver, mutiger, offensiver. Junge Spieler soll er einbauen, die im Berliner Südosten den Bundesliga-Durchbruch anstreben. Das erst 16 Jahre alte Mega-Talent Linus Güther ist ein Beispiel.
Lustrinellis erster Auftritt machte Lust auf mehr. Geduldig beantwortete er alle Fragen, auch, wenn er manchmal etwas Verständnisschwierigkeiten hatte. In der Schweiz spricht man trotz seines kurzfristigen Abgangs äußerst positiv über den früheren Nationalspieler. Die Chance in der Bundesliga, so die fast einstimmige Meinung, habe er einfach ergreifen müssen.
Ibiza-Trip mitten in der Saison
Zuletzt stand Lustrinelli mit seiner Mannschaft allerdings arg in der Kritik. Schon frühzeitig hatte er mit Thun den Titel eingetütet, an den letzten Spieltagen ging es für den Sensationsmeister sportlich um nichts mehr. Mitten in der Saison flog das Team zum Party-Trip nach Ibiza. Drei Tage Sonne, Strand und kühle Getränke statt Fleiß und Schweiß auf dem Trainingsplatz.
Die Reise kam in der Öffentlichkeit gar nicht gut an. Lustrinelli und seinem Klub wurde Wettbewerbsverzerrung vorgeworfen, den Trip hätte man schließlich noch nach Ende der Saison machen können. „Wir haben ein Jahr so hart für unsere Ziele gearbeitet, es herrschte ein enormer mentaler Druck“, rechtfertigte der neue Union-Coach seine Sicht der Dinge. „Die Spieler sollten das auch mal genießen dürfen.“


