Eine eingeschworenen Truppe: Max Kruse (4.v.l.) und seine Kollegen durften am Ende der Saison jubeln, weil sie als Mannschaft überzeugten.  O. Behrendt

Der 1. FC Union hat einen Meilenstein in seiner Vereinshistorie gesetzt: Rang 7 in seinem zweiten Jahr in der Bundesliga, als einziges Team gegen Bayern München nicht verloren, in letzter Sekunde den Vizemeister geputzt und die Play-offs für die Europa Conference League geschafft. Wegbegleiter, Haudegen von einst und Sympathisanten ziehen ihr ganz persönliches Fazit. Heute: Olaf „Leo“ Seier.

Zum Bundesliga-Finale hat Olaf Seier (62) gleich doppeltes Glück gehabt. Obwohl „Leo“, der Kapitän jener Kult-Elf, die 1988 mit dem 3:2 in Karl-Marx-Stadt und dem Klassenerhalt in der DDR-Oberliga einen unvergesslichen Moment der Vereinsgeschichte maßgeblich mitgeprägt hat, eine Ehrenkarte auf Lebenszeit besitzt, war nicht klar, ob das einstige Mittelfeld-Ass zu den 2000 Besuchern gehören durfte. Als Seier dann doch durfte, kam die zweite Portion des Glücks mit dem Sieg und mit dem Erreichen der Europa Conference League gleich hinterher.

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Unions Spiele gegen RB Leipzig beweisen die eiserne Entwicklung 

„Für mich hat sich damit ein Kreis geschlossen“, sagt Seier, „denn ich hatte noch das allererste Spiel in der Bundesliga in Erinnerung. Die Erinnerung war nicht die beste, auch deshalb war ich gespannt. Doch allein diese beiden Spiele gegen Leipzig, das 0:4 vor zwei Jahren und nun dieses 2:1, zeigen deutlich, wie weit es die Mannschaft und wie weit es vor allem der Verein insgesamt gebracht hat. Damals habe ich gedacht, ‚oh, oh, da müssen sich die Jungs aber kräftig am Riemen reißen‘, heute sage ich, dass die Entwicklung auch deshalb gelungen ist, weil Union eine Familie ist.“

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Michael Weinrich (re.) und Olaf Seier jubeln über Unions Sieg gegen Karl-Marx-Stadt in der DDR -Oberliga 1987/1988.

Seier, seit 2018 sportlicher Leiter des Vereins „Kietz für Kids – Freizeitsport e.V.“ in Hohenschönhausen, wo er sich wohlfühlt, „weil es eine dankbare Aufgabe ist, mit Kindern zu arbeiten und es Spaß macht, sie auch unter schwierigen Auflagen zu betreuen, weil es in den vergangenen Monaten keine Möglichkeit gab, mit ihnen Sport zu machen“, verknüpft die sensationelle Saison der Eisernen mit alten Werten. „Die Jungs haben schnell begriffen, worauf es ankommt. Auf alte Tugenden, darauf, was man heute Teamgeist nennt, nämlich dass einer für den anderen da ist.“

Nur so sei ein Verein wie der 1. FC Union in der Lage, mit den Großen der Branche, mit den Arrivierten, mitzuhalten und ihnen Paroli zu bieten.

Union kann mit Typen wie Sebastian Polter und Max Kruse umgehen

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„Union“, sagt Seier, „ist und bleibt für mich Emotion, Freude, Spaß und der Kampf gegen Mannschaften, die oft vielleicht die besseren Fußballer haben, es dann aber umso schöner ist und umso größeren Spaß macht, selbst die zu besiegen.“

Genau das ist auch in den letzten 90 Minuten der Saison passiert, aber längst nicht nur da. „Die Mannschaft kann begeistern, weil in ihr viele gute Jungs stehen und sie von den Charakteren her gut zusammengebaut wurde“, nennt Seier den vielleicht größten Trumpf, „sie aber auch Typen hat wie in der vorigen Saison Sebastian Polter oder in dieser Max Kruse. Ob aber Star oder nicht, wichtig ist, und das hat der Trainer ganz klar vermittelt, dass jeder Spieler weiß, was er zu tun hat. Das hat, Platz 7 ist dafür der beste Beleg, wunderbar funktioniert. Und es hat allen auch Spaß gemacht.“