Ulli Wegner ballt die rechte Faust, Unions Trainer Urs Fischer macht es mit der linken. Berlins Box-Legende ist begeistert von seinem Trainerkollegen. dpa/imago

Der 1. FC Union hat einen Meilenstein in seiner Vereinshistorie gesetzt: Rang 7 in seinem zweiten Jahr in der Bundesliga, als einziges Team gegen Bayern München nicht verloren, in letzter Sekunde den Vizemeister geputzt und die Play-offs für die Europa Conference League geschafft. Wegbegleiter, Haudegen von einst und Sympathisanten ziehen ihr ganz persönliches Fazit. Heute: Ulli Wegner.

Im Boxen ist Ulli Wegner zu Hause. Er formte sowohl etliche Weltmeister, unter ihnen Arthur Abraham, Sven Ottke, Markus Beyer und Marco Huck, als auch einige Europameister, darunter Torsten May, Oktay Urkal und Eduard Gutknecht. Nicht minder jedoch schlägt das Herz des 79-Jährigen für Fußball. In diesem Mannschaftssport ist er ähnlich auf Tuchfühlung wie beim Boxen, er treibt seine Späße damit und lacht sich schon jetzt ins Fäustchen, wenn er an die nächsten Tage denkt: „Ich bekomme Besuch von einem Bekannten, den ich aber nur empfange, wenn er mir mindestens 30 Spieler des damaligen FC Vorwärts Berlin nennen kann.“

Damit ist zugleich klar, dass diese Box-Trainer-Legende ein Faible für die Eisernen hat, und das nicht erst seit deren grandiosem Spieljahr. „Ich kenne noch die ganz alte Garde. Diese Generation, als Werner Schwenzfeier Trainer war und sie 1968 Pokalsieger wurden, habe ich oft getroffen, den Uentz und den Jimmy Hoge, den Mäcky Lauck und den Betke. Und den Peter Ducke, den ich auch gut kenne und der damals mit Jena verloren hat, ziehe ich noch heute damit auf. So lange bin ich schon dabei.“

Ulli Wegners Familie fiebert mit dem 1. FC Union 

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Inzwischen gibt Wegner den Staffelstab in der Familie weiter, sagt: „Ich bin ja schon Urgroßvater und mein Urenkel Moritz ist vom ersten Tag an Mitglied beim 1. FC Union. Da ist es doch selbstverständlich, dass ich alle Spiele der Jungs aus der Alten Försterei verfolge.“ Dabei entgeht dem Ring-Fuchs so gut wie nichts. „Manchmal war ein bisschen Massel dabei“, sagt er, „aber wer Leverkusen schlägt und Gladbach hinter sich lässt, der hat es verdient, international zu spielen, auch wenn das eine verdammte Doppelbelastung wird.“

Als Coach schaut Wegner logischerweise vor allem auch auf seinen Kollegen. „Es ist ganz erstaunlich, wie in Köpenick ein Rädchen ins andere greift“, sagt er, „und das fängt bei der Leitung an. Mit Urs Fischer haben die Unioner einen wahren Glücksgriff getan, denn ein Trainer ist immer der Dirigent, er hat die größte Verantwortung. Dieser Dirigent ist großartig, er hat aus dem Team ein grandioses Orchester gemacht. Dieser Mann hat ein besonderes Lob für ein besonderes Spieljahr verdient.“

Ulli Wegner schwärmt von Max Kruse 

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Dass Box-Guru Wegner ein wahrer Fußball-Kenner ist, beweist er mit seiner Detailkenntnis. „Andreas Luthe im Tor hat sich toll entwickelt, auf Marvin Friedrich, den Verteidiger, lasse ich nichts kommen, aber was der Max Kruse da gemacht hat – Hut ab! Ich bin sogar ein kleiner Fan geworden und bin stolz darauf, dass sie sich so durchgebissen und Platz 7 erreicht haben.“

Gerade an Kruse hat Wegner einen Narren gefressen, auch weil seine Boxer manchmal nicht leicht zu führen sind, er sie trotz langer Leine aber zu Top-Leistungen getrimmt hat. „So einen Jungen wollen die Fans doch sehen, er ist einer für die Öffentlichkeit. Mit ihm ist noch mehr Farbe ins Spiel gekommen, weil er ganz tolle spielerische Qualitäten hat und eine Persönlichkeit ist. Nur danach sollte man ihn beurteilen und nicht nach seinen Fähigkeiten beim Pokern.“

Fast will Wegner selbst nicht glauben, was in der Alten Försterei abgegangen ist. „Über Union und darüber, wie sie die Saison gemeistert haben, kann man nur voller Hochachtung sprechen. Das ist wirklich was Besonderes!“