WM-Euphorie in Deutschland? Die hat noch nicht wirklich gezündet. Vielleicht am Sonnabend (22 Uhr), wenn die DFB-Elf ihr zweites Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste bestreitet. Was hier noch fehlt, ist auf einer kleinen indonesischen Insel längst im Gange. Totale Begeisterung für das deutsche Team. Es ist einer des kuriosesten Fan-Geschichten.
Moped-Korso schon vor der WM
15.000 Kilometer entfernt von Berlin herrscht Deutschland-Fieber. Auf der Molukken-Insel Ambon hat sich eine außergewöhnliche Fußballkultur über Jahrzehnte entwickelt: Hier unterstützen Tausende Fans leidenschaftlich die deutsche Nationalmannschaft. Organisiert sind viele von ihnen im Fanklub „Panzer“ – ein Name, der für eine ganz eigene DFB-Romantik steht.

Schon Wochen vor der dieser WM verwandeln sich die Straßen von Ambon in schwarz-rot-goldene Fanmeilen. Junge Männer fahren in langen Kolonnen auf Mopeds durch die Stadt, Fahnen flattern im tropischen Wind, aus Lautsprechern dröhnen Fangesänge. Szenen, die eher an Berlin oder Dortmund erinnern – nur dass sie unter Palmen stattfinden.
Die Wurzeln dieser Begeisterung reichen lange zurück. Bereits in den 70er- und 80er-Jahren wurden auf Ambon deutsche Länderspiele im Fernsehen verfolgt. Was als gemeinsames Schauen begann, wurde über Generationen weitergegeben – und ist heute tief in der lokalen Identität verankert.
Darum lieben die Molukken die DFB-Elf
Der Name „Panzer“ ist dabei kein Zufall. Er spiegelt die Eigenschaften wider, die viele Molukken-Fans mit dem DFB verbinden: Disziplin, Stärke und der Wille, niemals aufzugeben. „Wenn Deutschland spielt, weißt du: Sie kämpfen bis zur letzten Minute“, sagt der 31‑jährige Fan Yudi und ergänzt: „Genau deshalb nennen wir uns Panzer.“

Für viele beginnt die Leidenschaft zum Adler auf der Brust schon in der Kindheit. „Mein Vater hat mir die Spiele gezeigt, sein Vater ihm auch“, erzählt Riska (24). „Wir sind damit aufgewachsen. Deutschland gehört einfach zu uns.“
Eine direkte historische Verbindung zu Deutschland und den Molukken gibt es nicht. Anders als zu den Niederlanden, die die Region einst kolonial beherrschten, ist die Beziehung zur Bundesrepublik rein sportlich gewachsen. Gerade das scheint den Reiz auszumachen. „Wir haben uns Deutschland ausgesucht, nicht geerbt“, sagt Fan Haris (37). „Wir lieben ihre Art Fußball zu spielen – strukturiert, hart, aber fair.“


