WM 2026

WM-Fankult auf den Molukken: „Panzer“-Fans feiern Deutschland

Auf der kleinen indonesischen Insel Ambon lieben die Menschen seit Jahrzehnten die deutsche Nationalelf. Sie feiern die WM und die DFB-Elf schon seit Wochen.

Author - Wolfgang Heise
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Auf der Molukken-Insel Ambon gibt es die treuesten Fans der DFB-Elf. Fan Alwi sammelt seit Jahren Trikots und ist der Boss vom Fan-Klub Panzer.
Auf der Molukken-Insel Ambon gibt es die treuesten Fans der DFB-Elf. Fan Alwi sammelt seit Jahren Trikots und ist der Boss vom Fan-Klub Panzer.Youtube/ARD

WM-Euphorie in Deutschland? Die hat noch nicht wirklich gezündet. Vielleicht am Sonnabend (22 Uhr), wenn die DFB-Elf ihr zweites Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste bestreitet. Was hier noch fehlt, ist auf einer kleinen indonesischen Insel längst im Gange. Totale Begeisterung für das deutsche Team. Es ist einer des kuriosesten Fan-Geschichten.

Moped-Korso schon vor der WM

15.000 Kilometer entfernt von Berlin herrscht Deutschland-Fieber. Auf der Molukken-Insel Ambon hat sich eine außergewöhnliche Fußballkultur über Jahrzehnte entwickelt: Hier unterstützen Tausende Fans leidenschaftlich die deutsche Nationalmannschaft. Organisiert sind viele von ihnen im Fanklub „Panzer“ – ein Name, der für eine ganz eigene DFB-Romantik steht.

Die Begeisterung für das DFB-Team ist auf der indonesischen Insel Ambon grenzenlos. Moped-Korsos mit Deutschland-Flaggen finden immer bei der WM statt.
Die Begeisterung für das DFB-Team ist auf der indonesischen Insel Ambon grenzenlos. Moped-Korsos mit Deutschland-Flaggen finden immer bei der WM statt.Youtube/ARD

Schon Wochen vor der dieser WM verwandeln sich die Straßen von Ambon in schwarz-rot-goldene Fanmeilen. Junge Männer fahren in langen Kolonnen auf Mopeds durch die Stadt, Fahnen flattern im tropischen Wind, aus Lautsprechern dröhnen Fangesänge. Szenen, die eher an Berlin oder Dortmund erinnern – nur dass sie unter Palmen stattfinden.

Die Wurzeln dieser Begeisterung reichen lange zurück. Bereits in den 70er- und 80er-Jahren wurden auf Ambon deutsche Länderspiele im Fernsehen verfolgt. Was als gemeinsames Schauen begann, wurde über Generationen weitergegeben – und ist heute tief in der lokalen Identität verankert.

Darum lieben die Molukken die DFB-Elf

Der Name „Panzer“ ist dabei kein Zufall. Er spiegelt die Eigenschaften wider, die viele Molukken-Fans mit dem DFB verbinden: Disziplin, Stärke und der Wille, niemals aufzugeben. „Wenn Deutschland spielt, weißt du: Sie kämpfen bis zur letzten Minute“, sagt der 31‑jährige Fan Yudi und ergänzt: „Genau deshalb nennen wir uns Panzer.“

Sogar die Zäune an den Häusern tragen in Ambon Schwarz-Rot-Gold mit DFB-Logo.
Sogar die Zäune an den Häusern tragen in Ambon Schwarz-Rot-Gold mit DFB-Logo.youtube/ARD

Für viele beginnt die Leidenschaft zum Adler auf der Brust schon in der Kindheit. „Mein Vater hat mir die Spiele gezeigt, sein Vater ihm auch“, erzählt Riska (24). „Wir sind damit aufgewachsen. Deutschland gehört einfach zu uns.“

Eine direkte historische Verbindung zu Deutschland und den Molukken gibt es nicht. Anders als zu den Niederlanden, die die Region einst kolonial beherrschten, ist die Beziehung zur Bundesrepublik rein sportlich gewachsen. Gerade das scheint den Reiz auszumachen. „Wir haben uns Deutschland ausgesucht, nicht geerbt“, sagt Fan Haris (37). „Wir lieben ihre Art Fußball zu spielen – strukturiert, hart, aber fair.“

„Wenn Deutschland spielt, sind wir mittendrin“

Wenn die WM läuft, wird Ambon zur deutschen Enklave. Familien versammeln sich nachts vor Fernsehern, Kinder tragen DFB-Trikots, und jedes Tor wird gefeiert, als habe die eigene Nation getroffen. Spieler wie Jamal Musiala oder Joshua Kimmich sind auch hier bekannte Namen, ihre Bilder hängen in kleinen Läden oder Wohnzimmern.

Doch im Zentrum steht weniger der einzelne Star als vielmehr das Kollektiv. „Spieler kommen und gehen“, sagt Fanleader Beni. „Aber der Panzer bleibt immer derselbe: eine Mannschaft, die zusammenhält.“

Die „Panzer“-Fans zeigen eindrucksvoll, wie global Fußball längst geworden ist. Die Unterstützung für die deutsche Nationalmannschaft endet nicht an Landesgrenzen – sie lebt auch dort weiter, wo niemand sie erwarten würde. Oder, wie es Fan Yudi formuliert: „Deutschland ist weit weg. Aber wenn sie spielen, fühlt es sich an, als wären wir mittendrin.“