Nationalelf

Der Klopp-Antritt mit Wachrüttel-Effekt für alle

Freitag präsentierte sich Jürgen Klopp als neuer Bundestrainer. Dem Mann geht es nicht nur um Fußball, es geht ihm um Deutschland.

Author - Wolfgang Heise
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Jürgen Klopp will als Bundestrainer Deutschland ein Lächeln zurückgegeben.
Jürgen Klopp will als Bundestrainer Deutschland ein Lächeln zurückgegeben.IMAGO/Steffie Wunderl

Jetzt ist er da und wie! Jürgen Klopp (59) wurde Freitag in der DFB-Zentrale als neuer Bundestrainer vorgestellt. 26 Tage nach dem WM-Aus beginnt eine neue Zeitrechnung und ein neuer Stil rund um die Nationalmannschaft. Mit schwarzem T-Shirt und etwas zerzausten Haaren am Hinterkopf betrat er das Podium. Dieses Amt ist mit Klopp ab sofort lockerer, direkter und hoffentlich bald erfolgreicher.

Klopp: „Ich bin weg, wenn...“

Klopp zeigte in seinen ersten Worten seine Demut: „Es ist eine große Ehre, hier heute zu sitzen und was bei mir in den letzten Tagen passiert ist. Da läuft so ein bisschen Film im eigen Kopf ab. Wo ging alles los? Wo kommt man her?“

Mainz, Dortmund, Liverpool, überall hat er Spuren hinterlassen. Doch dieser Job ist etwas ganz anderes. Für ihn geht es nicht nur um die Nationalmannschaft, für ihn geht es auch um Deutschland. „Das, was ich mache oder vorhabe, mache ich nicht für mich. Ich bin 59, bin kein unbeschriebenes Blatt. Ich werde dafür sehr gut bezahlen. An dem Tag, an dem ihr das nicht mehr wollt. Wenn ihr morgen sagt, der ist scheiße, bin ich weg. Wenn der DFB sagt, so wollen wir nicht weiter machen, bin ich weg. Ohne Abfindung“, sagt Kloppo. Das ist keine Drohung, das ist seine spezielle Art zu sagen, dass er dem DFB dienen will.

„Bundestrainer ist der Höhepunkt meiner Karriere“

Klopp will einen Ruck bei der Nationalelf, beim DFB und in Deutschland. „Wenn etwas nicht funktioniert, bin ich gerne bereit, daran zu arbeiten. Ihr müsst mir nur glauben, dass es mir nur um die Sache geht. Jürgen Klopp hat keine Karriere nach der Nationalmannschaft. Das ist idealerweise der Höhepunkt meiner Karriere, meines Lebens. Ich werde alles da reinlegen, was mir zur Verfügung steht.“

Klopp macht es jedem klar: „Ich habe Bock!“ Das sind genau diese Sätze, die alle an Klopp mögen. Er ist einfach authentisch und gibt ehrlich zu: „Das wissen jetzt wirklich alle, dass ich weit davon entfernt bin, perfekt zu sein.“

Zu seinen Vorbildern als Bundestrainer sagt er nur: „Ich habe tatsächlich nicht drüber nachgedacht, wen ich als Vorbild nehmen könnte. Ich habe gehört, dass Helmut Schön auch in Wiesbaden gewohnt hat. Dort wohne ich seit kurzem auch. Franz habe ich geliebt für alles, was er gemacht hat. Rudi (Rudi Völler, die Red.) sitzt hier, den darf ich auch nennen.“

Bundestrainer Jürgen Klopp zeigt den Finger in die Wunde. Jetzt will er es bei der Nationalmannschaft besser machen.
Bundestrainer Jürgen Klopp zeigt den Finger in die Wunde. Jetzt will er es bei der Nationalmannschaft besser machen.IMAGO/Steffie Wunderl

„Auf meinem DFB-Parkplatz wird oft ein Auto stehen“

Vom Vereinscoach zum Bundestrainer, Klopp wird seine Arbeitsweise umstellen müssen und erklärt dazu: „Das ist interessant ist, dass ich meinen Alltag natürlich noch gar nicht kenne. Ich muss mich erst hundertprozentig reinfinden. Ich bin ganz froh, dass es jetzt nicht morgen losgeht mit dem ersten Spiel, dann wäre ich leicht überfordert. Mir wurden eben die Räumlichkeiten gezeigt, es sind Büros vorhanden. Ich wohne, wie gesagt, nicht weit von entfernt. Ich werde hier ganz bestimmt oft sein.“

Dann wieder so ein Satz, mit dem er jeden Fan abholt: „Wer Jürgen holt, kriegt ihn. So, dann hab ich einen Parkplatz mit Bundestrainer-Schild beim DFB. Da wird ab und zu ein Auto draufstehen. Das kann ich schon mal sagen.“

DFB-Präsident Bernd Neuendorf, DFB-Sportdirektor Rudi Völler, Bundestrainer Jürgen Klopp und Vizepräsident Hans-Joachim Watzke beim großen Schulterschluss in der DFB-Zentrale.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf, DFB-Sportdirektor Rudi Völler, Bundestrainer Jürgen Klopp und Vizepräsident Hans-Joachim Watzke beim großen Schulterschluss in der DFB-Zentrale.IMAGO/Malte Ossowski / SVEN SIMON

Seine erste Amtshandlung ist für ihn jetzt schon klar: „Ich werde versuchen, mit den Spielern relativ zügig in Kontakt treten zu können. Die Aufgabe ist nach zwölf Jahren Erfolglosigkeit und drei WM-Blamagen riesig.

Klopp kündigt für die nächsten Monate bei den Nominierungen Überraschungen an: „Es werden Spieler Möglichkeiten bekommen, die jetzt, beispielsweise gerade noch gar nicht damit rechnen, weil ich gerne mutig bin. Das war ich schon immer und werde ich auch bleiben. Ich habe Lust, mit Jungs zusammenzuarbeiten, die einen Fußball spielen wollen, der allen gefällt. Die Jungs sollen mir zeigen, dass es etwas ganz Besonderes für sie ist. Nicht sagen, zeigen!“

Motivator Klopp ist schon wieder in seinem Element. „Es werden die spielen, die sehr gut sind und Riesenbock haben. Und in dem Moment, wo sie das Trikot anziehen, noch ein bisschen besser werden“, sagt der neue Bundestrainer.

„Erfolgreicher Fußball kann unser Land verändern“

Für ihn ist diese Aufgabe so viel mehr als Fußball und er will es erklären. „Wir können das nicht ohne die Leute da draußen machen. Also ich habe dreimal erlebt, wie erfolgreicher Fußball eine Stadt verändern kann. Und ich glaube, wir sind uns alle einig, dass erfolgreiche Fußball tatsächlich auch ein Land verändern kann. Wenn ich ein paar Sekunden die Augen zumache und mir vorstelle, Deutschland wird in vier Jahren Weltmeister. Stellen sich alle mal vor, es wäre so. Am nächsten Tag wäre der Nachbar nicht mehr so ein Arsch wie wir im Moment vielleicht denken. Oder Friedrich Merz wird nicht alles falsch machen. Das ist das, was Fußball verändern kann“, sagt er.

Klopp will wachrütteln und die Nörgel-Nation zum Lächeln bringen. Er macht es mit seinem Humor: „Jeder der meint, berechtigt zu sein, für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen, sollte sich da draußen jetzt ruhig mal ein bisschen Mühe geben. Ich werde gucken. Meine Tür ist offen. Also ich habe natürlich wahnsinnig viele Ideen und würde jetzt nur alle verwirren, wenn ich sie alle formulieren würde,“ sagt der Bundestrainer.

„Wer Gas gibt, wird bei mir Spaß haben“

Klopp ist kein Träumer und auch kein Theoretiker, sondern mitten im Leben. Auch dieser Satz sitzt: „Ich habe jetzt nicht 800 Trainingseinheiten vorbereitet und stelle fest, dass ich die letzte dann erst 2078 machen kann.“

Schon im September geht es für Klopp los. Vier Spiele in elf Tagen in der Nations League. Das ist ein hartes Brett. Klopp: „Wir müssen den Spagat schaffen zwischen Entwicklung und Performen. Also im Grunde ist es jetzt kein wildes Casting. Aber wir werden da nicht elf Mann durchpeitschen, die alle vier Spiele durchziehen müssen.“

Rund 57 Spieler hat er momentan für die neue Nationalmannschaft auf dem Zettel. Klopp: „Wer Gas gibt, wird mit mir viel Spaß haben. Das war schon immer so.“