23 Jahre lang begeisterte sie als bärbeißige, kettenrauchende Staatsanwältin beim „Tatort“ Münster Millionen TV-Zuschauer. Doch jetzt ist für Mechthild Großmann Schluss an der Krimi-Front: Die 76-Jährige mit der ungewöhnlich tiefen Stimme hat am 7. Dezember im Ersten (20.15 Uhr) ihren letzten Auftritt als Staatsanwältin Wilhelmine Klemm in der Folge „Die Erfindung des Rades“. Doch wie geht es danach weiter?
Großmann wird die Abschiedsfolge im Kino ihrer Geburtsstadt Münster in Nordrhein-Westfalen sehen, gemeinsam mit dem „Tatort“-Team. „Und danach feiern wir.“ Die Atmosphäre am Set beschreibt die Schauspielerin als besonders herzlich: „Wir sind alle sehr nett zueinander“, sagt sie auch mit Blick auf die beiden „Tatort“-Stars Axel Prahl und Jan Josef Liefers: „Wir mögen einander auch, ganz sicher.“
Großmanns Partner führte beim „Tatort“ Regie
Die Rolle der ruppigen Staatsanwältin habe sie immer gerne gespielt, sagt Großmann. Bei der „Tatort“-Folge „Mörderspiele“, die im April 2004 ausgestrahlt wurde, führte sogar ihr damaliger Lebenspartner Stephan Meyer Regie! 1991 kam die gemeinsame Tochter des Paares zur Welt, sie lebt heute in Hamburg.
Doch wenn Mechthild Großmann die Rolle so liebte, warum dann der Abschied? Die Schauspielerin findet schlicht: Der Zeitpunkt ist gekommen. „Normalerweise wäre die Frau Klemm ja schon seit zwölf Jahren in Rente.“ In ihrem letzten Fall zeigt die sonst so spröde Ermittlerin ungewohnte Seiten: Sie tanzt im roten Kleid, trinkt Champagner, statt Zigaretten gibt es große Gefühle.

Eines war der 76-Jährigen besonders wichtig: Bitte kein dramatischer TV-Tod am Ende der letzten „Tatort“-Folge! „Da habe ich gesagt, ich möchte nicht so gerne sterben. Aber wenn ihr das wollt, dann sterbe ich auch. Dass ich jetzt nicht sterbe, finde ich sehr in Ordnung.“
Auf der Bühne ist Großmann oft die Böse
Während für viele Fans mit dem TV-Abschied eine Ära endet, beginnt für Großmann direkt das nächste Kapitel – auf der Bühne. Theater bleibt ihre große Leidenschaft: „Als lebendiger Mensch vor lebendigen Menschen zu spielen oder zu tanzen oder Musik zu machen, das ist etwas ganz anderes, als zu drehen.“ Ihre Rollen? Das sind auch auf der Bühne eher die Bösen und die Komplizierten, sagt Großmann. „Auch als junges Mädchen habe ich schon wegen meiner Stimme nicht die Heldinnen gespielt.“ Sie sei „nicht so Mainstream“ gewesen. „Ich habe nie kleine, piepsige Mädchen gespielt. Dazu hat der liebe Gott mich nicht ausgestattet.“
Sie arbeite noch immer weit mehr als 100 Tage im Jahr, werde auch im nächsten Jahr viele Lesungen halten. „Aber immer in schönen Abständen.“ In Berlin werde sie mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester auftreten und lesen, in Österreich mit einem Pianisten.
„Für mich ist das schön, diese Arbeit hat viel mehr mit mir zu tun.“ Sie reduziert aber etwas. „Ich habe mein Leben lang unheimlich viel gearbeitet.“ Rund 34 Jahre habe sie dem Tanztheater von Pina Bausch in Wuppertal angehört, auch den Schauspielhäusern in Bochum, Frankfurt, Köln und Bremen sei sie lange treu geblieben.


