Beim Stichwort Pilgern denken die meisten wohl an den berühmten Jakobsweg in Spanien. Was viele Berliner vielleicht nicht wissen: Direkt vor den Toren der Hauptstadt verlaufen mehrere historische Pilgerwege. Einige führen durch die Uckermark, andere durch die Prignitz oder den Fläming. Sie sind Teil eines jahrhundertealten Wegenetzes, auf dem schon im Mittelalter Gläubige, Händler und Reisende unterwegs waren.
Heute locken die Strecken vor allem Menschen, die Ruhe, Natur und eine Auszeit vom Alltag suchen. Sie führen durch stille Wälder, vorbei an Klöstern, Kirchen und Seenlandschaften – und viele Etappen sind mit S- und Regionalbahnen gut erreichbar. Wir haben hier für Sie drei Pilger-Strecken rausgesucht, von denen sich viele Abschnitte als Tagestour erwandern lassen.
Klassiker für Einsteiger: Von Berlin nach Bad Wilsnack
Der wohl bekannteste Pilgerweg der Region führt von Berlin beziehungsweise Hennigsdorf nach Bad Wilsnack in der Prignitz. Die rund 120 Kilometer lange Route folgt einem historischen Wallfahrtsweg, der zu den bedeutendsten Pilgerstrecken Norddeutschlands gehörte.
Sein Ziel ist die imposante Wunderblutkirche St. Nikolai in Bad Wilsnack. Nachdem dort im Jahr 1383 angeblich blutbefleckte Hostien gefunden worden waren, entwickelte sich der Ort zu einem der wichtigsten Wallfahrtszentren Europas. Pilger kamen aus vielen Teilen des Kontinents in die abgelegene Prignitz. Erst die Reformation beendete diesen Zustrom.

Heute führt der Weg von Berlin nach Wilsnack durch stille Gegenden, durch die Luchlandschaften rund um das Storchenparadies Linum sowie über Fehrbellin, Wusterhausen und Kyritz. Die Strecke ist in mehrere Tagesetappen unterteilt und gilt als idealer Einstieg für Menschen, die erstmals pilgern möchten.

Auf mittelalterlichen Spuren durch die Uckermark
Weniger bekannt, aber landschaftlich besonders reizvoll, ist die historische Via Imperii. Die mittelalterliche Fernhandels- und Pilgerstraße verband einst Stettin, Berlin, Leipzig und Rom. Pilger nutzten sie auf dem Weg nach Santiago de Compostela ebenso wie auf Reisen nach Rom oder Jerusalem.
Der Abschnitt von Stettin nach Berlin führt durch einige der schönsten Naturräume Brandenburgs. Wanderer passieren den Nationalpark Unteres Odertal, das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und den Naturpark Barnim, bevor sie schließlich das Brandenburger Tor in Berlin erreichen.
Besonders beliebt sind Teilstrecken rund um Angermünde, das Kloster Chorin und Bernau. Sie lassen sich auch als Tageswanderungen absolvieren und sind bequem mit der Regionalbahn erreichbar.

Auf Pilger-Tour von Berlin bis nach Leipzig
Wer mehrere Tage unterwegs sein möchte, kann seine Pilgerreise sogar direkt im Zentrum Berlins beginnen. Die Via Imperii setzt sich vom Brandenburger Tor bis nach Leipzig fort. Die gesamte Strecke umfasst rund 212 Kilometer.
Der Weg ist in mehrere Etappen unterteilt. Die erste führt von Berlin nach Teltow (rund 24 Kilometer), anschließend geht es über Saarmund und die Spargelstadt Beelitz weiter in Richtung Fläming. Weitere Stationen sind Treuenbrietzen, Marzahna und die Lutherstadt Wittenberg. Von dort führt die Route über Bad Düben schließlich bis nach Leipzig.

Unterwegs auf der Via Imperii südlich von Berlin wechseln sich weite Felder, märkische Dörfer, Waldgebiete und historische Städte ab. Zu den Höhepunkten gehören der Naturpark Hoher Fläming, die Lutherstadt Wittenberg mit ihrer berühmten Schlosskirche sowie die waldreiche Dübener Heide. Viele Abschnitte eignen sich auch für Tageswanderungen. Besonders beliebt sind die Etappen rund um Beelitz und Treuenbrietzen sowie die Strecke durch den Fläming, die einen guten Eindruck vom Charakter des historischen Pilgerwegs vermittelt.
