Ein Apfel am Tag

„An apple a day“ – wie gesund ist das wirklich?

Wie viel Wahrheit steckt hinter „An apple a day keeps the doctor away“ (zu deutsch: Täglich ein Apfel und der Arzt ist überflüssig)?

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Ein aufgeschnittener Apfel liegt auf einem Obstteller.
Ein aufgeschnittener Apfel liegt auf einem Obstteller.Hendrik Schmidt/dpa

„An apple a day keeps the doctor away“, besagt ein bekanntes englisches Sprichwort. Übersetzt meint es so viel wie: Wer täglich einen Apfel isst, wird nicht so schnell krank und muss nicht so oft zum Arzt. Doch stimmt das überhaupt? Und wie gesund sind Äpfel wirklich? Wir klären auf...

Äpfel sind hierzulande das beliebteste Obst: Knapp 25 Kilogramm isst jeder Deutsche durchschnittlich pro Jahr. und klar, Äpfel und Obst generell sind gesund. Aber stärkt der tägliche Verzehr unser Immunsystem wirklich dermaßen?

So gesund ist der Apfel wirklich

Fakt 1: Äpfel enthalten je nach Sorte mehr als 30 Mineralien und Spurenelemente, darunter so wichtige wie Kalium und Eisen. Provitamin A, sämtliche B-Vitamine, Vitamin E, Vitamin C, Niacin und Folsäure. Damit wirken Äpfel positiv auf den Cholesterinspiegel sowie unseren Wasserhaushalt und regulieren die Darmtätigkeit.

Fakt 2: Eine Analyse von 156 epidemiologischen Studien zur Beziehung zwischen Ernährung und Krebs ergab in 128 Fällen einen schützenden Effekt durch den Verzehr von Obst und Gemüse. Demnach hatten Personen, die nur geringe Mengen davon aßen, ein doppelt so hohes Krebsrisiko im Vergleich zu jenen, die reichlich Obst und Gemüse konsumierten.

Äpfel enthalten je nach Sorte mehr als 30 Mineralien und Spurenelemente.
Äpfel enthalten je nach Sorte mehr als 30 Mineralien und Spurenelemente.Design Pics/Imago

Fakt 3: Äpfel sind reich an Flavonoiden, die möglicherweise vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Eine Studie von Forscherinnen und Forschern der University of Western Australia in Perth zeigte, dass ihr Verzehr dazu beitragen kann, den Blutdruck zu senken.

Fakt 4: Polnische Forscherinnen und Forscher fanden heraus, dass Äpfel das Risiko für chronische Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes senken können. Zudem fördern sie eine gesunde Darmflora und stärken das Immunsystem.

Fakt 5: Eine weitere von chinesischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ergab, dass Äpfel die kognitive Funktion unterstützen können. Zudem soll ihr Verzehr das Mundklima positiv beeinflussen und die Wundheilung fördern.

Fakt 6: Auch auf Asthma und die Atemwege haben Äpfel einen positiven Einfluss. In einer neueren Arbeit mit 1600 erwachsenen Australiern wurde ein Zusammenhang zwischen vermehrtem Konsum von Äpfeln und Birnen und dem abnehmendem Risiko von Asthma sowie bronchialer Hypersensitivität nachgewiesen

Äpfel sind gesund, aber ...

Eine speziell für Allergiker entwickelte Apfelsorte soll ab September in deutschen Supermärkten zu kaufen sein.
Eine speziell für Allergiker entwickelte Apfelsorte soll ab September in deutschen Supermärkten zu kaufen sein.Lässig/Ecarf/dpa

Fakt 1: Da Apfelbäume häufig mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden, kann das geerntete Obst Rückstände von Pestiziden enthalten. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte daher bevorzugt zu Bio-Äpfeln greifen.

Fakt 2: Viele Menschen ersetzten den Biss in einen Apfel gern mit dem trinken von Apfelsaft. Doch leider enthält der viel Zucker. Daher entweder auf zuckerarme oder -freie Sorten umsteigen oder noch besser, Apfelsaft selber machen.

Fakt 3: Die heutigen Früchte haben mit ihren aus Asien stammenden, wilden Vorläufern kaum noch etwas gemein: Sie sind größer, weniger sauer, fester und wahrscheinlich auch weniger gesund, so das Ergebnis einer Studie kanadischer Wissenschaftler, über die im Fachblatt „PLoS ONE“ berichtet wird.

Ein Team um den Genetiker Sean Myles untersuchte zehn Merkmale von Früchten der kanadischen „Apple Biodiversity Collection“ (ABC), die über 1 000 verschiedene Apfelsorten umfasst, darunter 78 Vertreter des Wildapfels Malus sieversii. Unterschiede gibt es auch beim Gehalt an Polyphenolen. Diese aromatischen Verbindungen gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen, denen eine antioxidative und gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt wird. Ihr Gehalt sei in Kulturäpfeln um durchschnittlich 68 Prozent geringer als in den analysierten Wildäpfeln, so die Wissenschaftler.

Epidemiologische Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass eine an antioxidativem Obst und Gemüse reiche Ernährung das Risiko vieler mit oxidativem Stress verbundener Krankheiten wie Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich verringere. Myles folgert: „Man kann also mit Sicherheit sagen, dass der gesundheitliche Nutzen, den wir heute aus Apfelpolyphenolen ziehen, wahrscheinlich geringer ist als der gesundheitliche Nutzen, den die Menschen in der Vergangenheit aus Apfelpolyphenolen zogen.“

Und ein weiterer Wermutrstropfen: Eine US-Studie zeigte, dass der tägliche Verzehr von Äpfeln die Häufigkeit von Arztbesuchen kaum beeinflusst. Allerdings stellte sich heraus, dass Menschen, die regelmäßig Äpfel essen, tendenziell weniger verschreibungspflichtige Medikamente benötigen. ■