Die Techniker Krankenkasse (TK) zieht die Notbremse. Deutschlands größte Krankenkasse hat fast alle Verträge für ihr Hausarzt-Programm (HzV) gekündigt. Darauf müssen die 12,4 Millionen Versicherten der TK jetzt achten.
Verträge mit Hausärzten laufen zum Jahresende aus
Zum Jahresende werden die Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung (HzV) in fast allen Bundesländern auslaufen. Ausgenommen bleiben vorerst Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Dort gelten gesonderte Verträge, die nach Angaben der TK bislang noch nicht ausgewertet wurden.
Hintergrund der Kündigungswelle sind Zweifel am Nutzen des Programms und hohe Zusatzkosten. Denn eine Untersuchung des Hausarztprogramms durch das Hamburg Center for Health Economics (HCHE) fiel aus Sicht der Krankenkasse ernüchternd aus.
Die hausarztzentrierte Versorgung soll eigentlich dafür sorgen, dass Patienten zunächst zum Hausarzt gehen. Sie übernehmen quasi eine Lotsenfunktion und koordinieren bei Bedarf weitere Behandlungen bei Fachärzten. Ziel ist es, Doppeluntersuchungen zu vermeiden, die Versorgung zu steuern und Krankenhausaufenthalte zu reduzieren.

Mehr Facharzt-Besuche statt weniger
Genau dieser erhoffte Effekt ließ sich laut der ausgewerteten Studie jedoch nicht nachweisen. Weder seien weniger Facharztbesuche noch weniger Krankenhausaufenthalte festgestellt worden. Die Zahl der Hausarzt-Kontakte blieb mit durchschnittlich minus 0,2 Terminen pro Jahr nahezu unverändert.
Überraschend ergab die Studie auch, dass die Teilnehmer des Programms Fachärzte sogar häufiger aufsuchten. Im Durchschnitt stieg die Zahl der Facharztkontakte um rund 1,2 pro Jahr. Auch bei der Verordnung ungeeigneter Medikamente habe sich keine wesentliche Verbesserung gezeigt.
Ärztinnen und Ärzte, die am Hausarztprogramm teilnehmen, erhalten aber rund 30 Prozent höhere Honorare als Kolleginnen und Kollegen außerhalb des Modells. Nach Angaben der Krankenkasse verursacht die HzV dadurch jährliche Mehrkosten von etwa 160 Millionen Euro, erbringt aber keinen zusätzlichen Nutzen für die Versicherten.


