Bestbezahlter Mann im Dax: Linde-Chef Steve Angel bekam im vergangenen Jahr umgerechnet 47 Millionen Euro und lag damit an der Spitze der 30 Unternehmen in der deutschen Börsen-Oberliga. dpa/Mirgeler

Das Brutto-Durchschnittseinkommen aller deutschen Arbeitnehmer liegt bei 3099 Euro. Peanuts für den bestverdienenden Chef eines DAX-Konzerns. Linde-Chef Steve Angel bekommt mehr als 15.000 Mal so viel. Der im vergangenen Jahr mit umgerechnet rund 47 Millionen Euro bestbezahlter Manager der deutschen Börsen-Oberliga war. Ja, hungern muss kein Spitzenmanager in Deutschland –  die Einkommensunterschiede in den Chefetagen der Dax-Konzerne sind aber erstaunlich groß. Der Top-Verdiener bekommt schon mal das Zwanzigfache des Letztplatzierten.

So unterschiedlich verdienen die Manager der DAX-Konzerne

In den Chefetagen der Dax-Konzerne herrscht ein großes Gehaltsgefälle: Linde-Chef Steve Angel verdiente damit mehr als das Zwanzigfache des SAP-Vorstandsvorsitzenden Christian Klein mit knapp 2,2 Millionen am unteren Ende der Tabelle – obwohl der Nettogewinn des Walldorfer Softwareherstellers mit über fünf Milliarden Euro dreimal so hoch ausfiel wie bei Linde. Das hat eine dpa-Auswertung der Vorstandsvergütung der aktuell im Dax notierten Konzerne ergeben.

Viele Vorstandschefs mussten coronabedingt leichte Einkommenseinbußen hinnehmen. Doch werden diese nicht von Dauer sein, wie aus den Vergütungsberichten der Unternehmen hervorgeht.

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Der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK) unterscheidet  zwischen Zufluss und Zuwendungen. Zufluss bezeichnet die Zahlungen samt Pensionszusagen, die ein Vorstand in einem Jahr erhält, inklusive Langfristboni der Vorjahre. Die Zuwendungen hingegen beinhalten die Langfristboni, die ein Manager für 2020 zugewiesen bekommt, aber Jahre später kassiert.

Niklas Östberg, Chef des verlustreichen Lieferdiensts Delivery Hero, verdiente 45,7 Millionen – im Vorjahr waren es gerade einmal 350.000 Euro gewesen. Imago/STPP

Die Zuflüsse von 15 Dax-Chefs sind im vergangenen Jahr gesunken – bei manchen minimal, bei anderen ganz erheblich: Adidas-CEO Kasper Rorsted etwa verdiente 3,5 Millionen Euro weniger, Munich Re-Vorstandschef Joachim Wenning büßte im Vergleich zum Vorjahr 2,3 Millionen ein.

In Summe stieg das Einkommen der CEOs zwar von 194 auf knapp 242 Millionen Euro, doch ist das allein auf zwei Ausreißer zurückzuführen: Angel und den Zweitplatzierten Niklas Östberg. Der Chef des verlustreichen Lieferdiensts Delivery Hero verdiente 45,7 Millionen – im Vorjahr waren es gerade einmal 350.000 Euro gewesen. Zu verdanken hatte Östberg diesen spektakulären Einkommenssprung der Tatsache, dass er 566.600 Aktienoptionen zu Geld machte.

Zuwendungen stiegen bei allen DAX-Managern

Die Zuwendungen aber sind bei allen gestiegen. Auch SAP-Chef Klein darf auf bessere Zeiten hoffen: Seine Zuwendungen für 2020 belaufen sich auf 9,2 Millionen Euro. Insgesamt summieren sich die Zuwendungen der Dax-Konzerne für ihre Vorstandschefs auf 182 Millionen Euro, knapp 15 Millionen mehr als 2019.

Topverdiener Angel von Linde blieb mangels Vergleichbarkeit des Geschäftsberichts bei dieser Berechnung außen vor. Denn Linde ist kein deutsches Unternehmen mehr, die Konzernbilanz nach irischem Recht abgefasst. 

Vier Dax-Chefs verdienten 2020 weniger als drei Millionen Euro (Zufluss), drei hingegen zweistellige Millionenbeträge: Neben Angel und Östberg war Post-Chef Frank Appel mit knapp über zehn Millionen der dritte im Bunde der Bestverdiener.

Neben Angel und Östberg war Post-Chef Frank Appel mit knapp über zehn Millionen der dritte im Bunde der Bestverdiener. Imago/Spiegl

Wer glaubt, dass ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Höhe der Vorstandsgehälter und Unternehmensgewinnen besteht, der irrt. Im Krisenjahr 2020 ließ die Corona-Krise die Profite vieler Dax-Firmen dahinschmelzen: Die auf die Aktionäre entfallenden Nettogewinne sanken um knapp 38 Milliarden auf 41,5 Milliarden Euro, nahezu eine Halbierung. Im Vergleich dazu ging die Gesamtvergütung der Vorstände (Chefs und Vorstandsmitglieder) nur geringfügig zurück: von 606 auf 571 Millionen Euro.

„Dass sich kurzfristige Umsatzeinbrüche nicht so stark in der Vergütung widerspiegeln, will auch der Gesetzgeber so“, sagt Tüngler. „Die Vorstände sollen nicht so sehr auf den kurzfristigen Profit des Unternehmens blicken, sondern es soll dem Unternehmen langfristig gut gehen.“

Die Zahlen zur Gesamtvergütung spiegeln allerdings nur einen Teil dessen wider, was das Topmanagement die Unternehmen wirklich kostet. Viele Dax-Konzerne geben bei den Gesamtbezügen die Zahlungen für die Altersvorsorge nicht an. Hinzu kommen Zahlungen an Ex-Vorstände, die in mehreren Dax-Konzernen ein Drittel bis die Hälfte dessen betragen, was die Aktiven bekommen.

Abgesehen davon gibt es hochprofitable Unternehmen mit eher bescheidenen Vorstandsgehältern, bei anderen leiden die Spitzenmanager finanziell deutlich unter schlechten Ergebnissen. Bei BMW etwa haben sich die Gesamtbezüge der Vorstandsmitglieder von 2017 bis 2020 von 40 auf 20 Millionen Euro halbiert.